Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Turnhallen weiter mit Flüchtlingen belegt - LSB-Präsident Böger hält Wutrede gegen den Senat

Der Chef des Landessportbundes ist wütend: Noch immer sind fast 40 Turnhallen in Berlin mit Flüchtlingen belegt, beklagte Klaus Böger am Freitag auf der Mitgliederversammlung des LSB. "Ich könnte platzen!", rief er und forderte, die Hallen sofort freizumachen.

Dieser Rundumschlag hatte es in sich. Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB), war auf der Mitgliederversammlung am Freitagabend kaum zu bremsen. Der noch amtierende rot-schwarze Berliner Senat bekam die Wut des Sportfunktionärs voll zu spüren. Noch immer seien 38 Berliner Turnhallen mit insgesamt 3.500 Menschen belegt, schnaubte der SPD-Politiker, der von 1999 bis 2006 auch Berliner Schulsenator war.

"So kann man mit Menschen nicht umgehen"

"Es war ein Fehler, Sporthallen zu nehmen. In Hamburg ist keine einzige in Anspruch genommen worden", sagte Böger. An den Berliner Senat appellierte er: "So kann man mit Menschen und dem Vertrauen in Politik nicht umgehen. Uns helfen keine Beschlüsse auf Papier, die dann nicht umgesetzt werden. Ich meine, was ich sage: Was hier Menschen zugemutet wird, ist nicht hinzunehmen. Die Wahrnehmung im Alltagsleben der Menschen ist anders als die der Politiker. Ich könnte platzen!"

In der Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, Manuela Schmidt (Die Linke), fand Böger eine Verbündete aus der Politik. "Die Sportstätten müssen umgehend wieder für den Sport zur Verfügung stehen. Das ist im Koalitionsvertrag vereinbart, jetzt muss es umgesetzt werden", sagte Schmidt mit Blick auf die neue rot-rot-grüne Koalition.

Ethik-Kodex soll im kommenden Jahr kommen

Zweites großes Thema im LSB ist der Ethik-Kodex. Dieser soll im kommenden Jahr verabschiedet werden, das Präsidium hat den Kodex schon beschlossen. Neben den üblichen Punkten wie der Null-Toleranz-Haltung in Sachen Doping, Wettkampf-Manipulation und sexueller Gewalt geht es um Transparenz bei Entscheidungsprozessen innerhalb von Vereinen und Verbänden. Für ein solches Papier warb in einem Vortrag Sylvia Schenk von Transparency International.

Die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer sagte, es könne trotz bester Absichten eben nicht sein, dass Ehepartner Kassenwart und -prüfer sind oder Aufträge, auch zum Selbstkostenpreis, an Verwandte vergeben werden. Auch appellierte sie an die Vereine, weiter alles zu tun, um Sport für alle Kinder zu ermöglichen. "Nirgends gibt es mehr Kinderarmut in Deutschland als in Berlin. Der Geldbeutel der Eltern darf nicht ausschlaggebend sein, ob Kinder in einen Verein gehen können", sagte Schenk.

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