Containerdorf in Berlin-Hellersdorf (Quelle: rbb)

Rot-Rot-Grün uneins über Containerdörfer - Aufbau von "Tempohomes" verzögert sich

Temporäre Wohncontainer statt Turnhallen: Eigentlich sollten sie schon längst in ganz Berlin stehen, doch ihr Aufbau verzögert sich. Nach wie vor dienen deshalb 38 Sporthallen als Notquartiere für Flüchtlinge. Von Nina Amin

Fast 3.500 Geflüchtete leben in Berlin noch immer in Turnhallen. Aus der Finanzverwaltung heißt es, es gestalte sich schwieriger als gedacht, die Wohncontainer aufzustellen. Monatelang wurde mit den Bezirken über freie Aufstellflächen gerungen. Jetzt müssen unter Naturschutz stehende Echsen umgesiedelt werden. Gestritten wird auch, ob Bäume gefällt werden müssen. In Bezirken wie Altglienicke gab es Anwohnerproteste gegen geplante Siedlungen.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) ist trotzdem optimistisch, dass Ende des Jahres zehn sogenannte "Tempohomes" fertig sind, so dass die Männer, Frauen und Kinder aus den Turnhallen ausziehen können. "Zwei sind bereits fertig und bezogen", sagte Kollatz-Ahnen. Er rechnet damit, dass Berlin weitere acht Wohncontainer-Standorte bis Ende Dezember hat.  

Containerdorf in Berlin-Hellersdorf (Quelle: rbb)
In Berlin-Hellersdorf stehen 64 Wohncontainer. Jeder ist mit zwei Räumen, einer gemeinsamen Küche und einem Badezimmer ausgestattet.

Wie viele Wohncontainersiedlungen stehen zum Jahresende?

Bei der landeseigenen Berliner Immobiliengesellschaft (BIM), die im Auftrag des Senats die Wohncontainer aufstellt, ist man weniger optimistisch als der Finanzsenator. Zusätzlich zu den zwei schon fertigen Containersiedlungen würden eher sieben bis Ende des Jahres fertig - in Pankow, Spandau, Lichtenberg und Neukölln. Und auch nur, wenn äußere Umstände dies nicht verhindern, teilte BIM-Sprecher Christian Breitkreutz mit.

In der Wollenberger Straße in Lichtenberg wurde in der vergangenen Woche ein fertiger Standort mit 280 Plätzen an das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten übergeben. Einzugsbereit sind die Wohncontainer damit noch nicht. Denn erst muss noch ein Betreiber gefunden werden, was Wochen dauern kann.

Künftige rot-rot-grüne Koalition will keine Containerdörfer

Die Betreibersuche ist nicht das einzige Problem: Die künftige rot-rot-grüne Koalition, die voraussichtlich ab Mitte Dezember regieren wird, hält nämlich gar nichts von Containerdörfern. SPD, Linke und Grüne wollen Geflüchtete so schnell wie möglich in Wohnungen unterbringen. "Wohncontainer sind die schlechtere Alternative. Die Container, die wir nicht brauchen, werden wir nicht bauen", sagte die Landesgeschäftsführerin der Linken, Katina Schubert.

Besonders die auf dem Vorfeld des ehemaligen Tempelhofer Flughafens geplanten Wohncontainer sind der Linkspartei ein Dorn im Auge. Aufgrund von Umplanungen könnten die umstrittenen Unterkünfte 4,5 Millionen Euro teurer werden als geplant. Schubert sei noch nicht klar, wie diese Wohncontainer auf dem Feld noch zu stoppen seien. "Das müssen wir gucken", so Schubert. Die Planungen würden momentan vorangetrieben. Das Tempelhof-Gesetz erlaubt allerdings Bauten auf dem ehemaligen Flughafengelände zur Unterbringung von Flüchtlingen nur bis Ende 2019.

Der erste Streit einer rot-rot-grünen Koalition scheint hier programmiert. Der derzeitige und wahrscheinlich auch künftige SPD-Finanzsenator Kollatz-Ahnen hält an allen geplanten 19 Container-Standorten fest. Auch auf dem Tempelhofer Vorfeld, wo sie - zumindest nach aktuellem Planungsstand - im Frühjahr 2017 stehen sollen. Und das auch, wenn die Wohncontainer dann nur knapp zweieinhalb Jahren bewohnbar wären.

Beitrag von Nina Amin

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