Junge Basketballerinnen in einer Turnhalle (Quelle: imago/Westend61)

Nach Auszug von Flüchtlingen - In der Neuköllner Jahn-Sporthalle wird wieder geturnt

Über ein Jahr lang diente die Jahn-Sporthalle in Berlin-Neukölln der Unterbringung von Flüchtlingen - am kommenden Montag nun wird sie nach Renovierung wiedereröffnet. Höchste Zeit, sagt der zuständige Stadtrat.

Ab dem kommenden Montag kann die Jahn-Sporthalle im Berliner Bezirk Neukölln wieder vom Schulsport und von Vereinssportlern genutzt werden. Seit dem 8. September 2015 war die Halle als Flüchtlings-Unterkunft genutzt worden.

Kein Sport mehr seit September 2015

Die Kosten für die Renovierung liegen bei 174.000 Euro, wobei auch Schäden aus der Zeit vor der Flüchtlingsunterbringung beseitigt wurden. Die Flüchtlinge werden nach Auskunft des Bezirksamtes Neukölln auf andere Unterkünfte verteilt. Die Jahn-Sporthalle war die erste Sporthalle, die der Bezirk zur Verfügung gestellt hatte. Vom 8. September 2015 an bis zum 9. Juli 2016 stand sie als Notunterkunft für 150 Menschen zur Verfügung.

Vereine wie der ISS Basketball und der TUS Neukölln konnte die Halle damit nicht mehr nutzen. Auch mehrere Schulen mussten sich ohne Halle behelfen, so zum Beispiel die Karl-Weise-Grundschule, das Ernst-Abbe-Gymnasium, die Evangelische Schule und die Carl-Legien-Berufsschule. "Sowohl die Wohnsituation der Geflüchteten, als auch die Situation für den Sport ist nicht länger tragbar. Die Wiederinbetriebnahme sei "eine Rückkehr in die Normalität", sagte Schul- und Sportstadtrat Jan-Christopher Rämer.

Bezirksbürgermeisterin Giffey drückt aufs Tempo

"Nach der Jahn-Sporthalle müssen wir nun alles daran setzen, auch die anderen beiden mit Flüchtlingen belegten Sporthallen im Bezirk wieder an den Schul- und Vereinssport zurückgeben zu können", sagte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey am Freitag. Dazu gehöre, dass der Umzug der Flüchtlinge in die Tempohome-Unterkunft in der Gerlinger Straße "so schnell wie möglich realisiert wird", sagte die SPD-Politikerin.

Aktuell dienen in Berlin noch 38 Turnhallen als Unterkunft für Flüchtlinge. Die neue Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hat angekündigt, ihren Umzug in feste Unterkünfte deutlich zu beschleunigen. Dazu sollen bereits bestehende Tempohomes so schnell wie möglich bezogen werden - auch wenn die Ausschreibung für deren Betrieb noch nicht abgeschlossen ist. Mit Hilfe einer Verordnung zur Gefahrenabwehr (siehe Infobox) sollen so schnell wie möglich Übergangsbetreiber für bereits fertiggestellte, aber noch nicht bezogene Wohnanlagen gefunden werden.

Leben in Turnhallen ist psychisch belastend

Der Berliner Flüchtlingsrat kritisiert die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen seit langem als extrem belastend. Als Beispiel nannte die Initiative eine Turnhalle in Pankow. Dort brenne seit einem Jahr Tag und Nacht das Licht, weil sich die Notbeleuchtung nicht ausschalten lasse. Besonders für Flüchtlinge mit Traumatisierungen, ältere Menschen, Kinder und Schwangere sei diese Situation extrem belastend. Die Menschen litten darunter, sich nicht zurückziehen zu können, nicht ruhig zu schlafen und sich nicht selbst versorgen zu können, heißt es in dem Brief. In den Turnhallen und Hangars habe sich Resignation breitgemacht. Außerdem nähmen Aggressionen und Depressionen zu. Viele Flüchtlinge würden kaum noch aufstehen und schafften es deshalb auch nicht, in ihren Integrationskurs zu gehen.

Auch die Psychologin Ulrike Kluge hält die Unterbringung in Turnhallen für ungeeignet: "Viele Menschen kommen hierher mit der Hoffnung, sich ein neues Leben aufzubauen, schnell zu arbeiten und die Familie nachzuholen", sagte Kluge rbb|24 Ende November. Wenn sie dann monatelang in einer Turnhalle mit wenig Privatsphäre und viel Stress leben müssten, sei das "eine große psychische Belastung"

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