Tempohome Zossenerstrasse (Quelle: Abendschau/rbb)
Abendschau | 13.12.2016 | Dorit Knieling und Viktoria Kleber

Neuer Senat will Freizug der Turnhallen beschleunigen - Breitenbach kündigt schnellen Bezug der Tempohomes an

Der neue rot-rot-grüne Senat will die 38 Berliner Turnhallen, in denen noch immer Flüchtlinge leben, schnellstmöglich freiziehen. Die neue Sozialsenatorin Elke Breitenbach hat dazu auch eine Idee: Hilfe soll aus anderen Bundesländern kommen. In Steglitz-Zehlendorf protestieren Bewohner einer Sporthalle gegen ihre Wohnsituation.

Der neue rot-rot-grüne Senat in Berlin will den Umzug von Flüchtlingen aus Turnhallen in feste Unterkünfte deutlich beschleunigen. Dazu sollen so schnell wie möglich Übergangsbetreiber für bereits fertiggestellte, aber noch nicht bezogene Wohnanlagen gefunden werden, wie Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) am Dienstag mitteilten. Wohlfahrtsverbände hätten Unterstützung signalisiert.

Außerdem soll ein öffentlicher Träger aus Hamburg dabei helfen, Wohnheime übergangsweise gemeinsam mit Berliner Landesbetrieben in Eigenregie zu betreiben.

Ausschreibungen müssen wiederholt werden

Für einen dauerhaften Betrieb der neuen Unterkünfte, etwa sogenannte Tempohomes in Modularbauweise, müsse es europaweite Ausschreibungen geben, erläuterte sie. Nun gehe es darum, tragfähige Übergangslösungen zu finden, bis diese Ausschreibungen beendet und Betreiber gefunden seien.

Derzeit leben in Berlin noch rund 2.800 Flüchtlinge in 38 Sporthallen, weil sich Bau und Übergabe neuer Unterkünfte verzögert hatten. Gründe sind Baumängel oder Fehler in der Verwaltung, in deren Folge viele Ausschreibungen für Betreiber wiederholt werden müssen. Allerdings sind einige der neuen Unterkünfte im Grund fertig oder fast fertig, hier will der Senat nun vor allem ansetzen.

Auf konkrete Termine und Fristen wollten sich beide Politiker nicht festlegen lassen. Jetzt gehe es darum, zügig mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen und die konkreten Bedingungen für die Umsetzung des Notplans auszuhandeln.

Turnhallenbewohner in Steglitz-Zehlendorf setzen Protest fort

Die Zeit dafür drängt längst. Denn nicht nur die Berliner Sportvereine, auch die Bewohner der Turnhallen protestieren gegen die Situation: Teilweise seit einem Jahr in einer Sporthalle am Hüttenweg im Bezirk Steglitz-Zehlendorf untergebrachte Menschen setzen am Dienstag ihren Protest fort. Sie wollten damit ihre Verlegung in Gemeinschaftsunterkünfte oder normalen Wohnraum erreichen, bestätigte die Leiterin der Unterkunft, Veronika Großmann, auf epd-Anfrage. Der Protest sei angemeldet und genehmigt.

Rund 30 bis 40 Flüchtlinge hatten bereits am Montag mit selbst gemachten Transparenten auf ihre Wohnsituation aufmerksam gemacht und die Mahnwache am Dienstag fortgesetzt. Die Initiative "Refugee Movement" hatte zuvor von einem Hungerstreik berichtet, den Großmann jedoch nicht bestätigte. Derzeit leben in der Sporthalle 140 Menschen aus Syrien, dem Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan. Angesichts der beengten Verhältnisse kämen die Menschen gut miteinander aus, sagte Großmann der "Berliner Zeitung". Es gebe nur selten Polizeieinsätze. Doch mittlerweile seien die Menschen am Verzweifeln.

Das könnte Sie auch interessieren