Berlins erste "Modulare Unterkunft für Flüchtlinge" in Marzahn-Hellersdorf am 27.01.2017 (Quelle: rbb/Allhoff)
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360-Grad-Bilder aus Wohnkomplex für Geflüchtete - Raus aus der Turnhalle, rein in die MUF

300 Menschen ziehen kommende Woche in Berlins erste "modulare Unterkunft für Flüchtlinge" (MUF) in Marzahn-Hellersdorf. Am Freitag haben die zuständigen Senatorinnen erste Einblicke in das Innenleben der MUF gestattet. rbb|24 zeigt die Unterkunft in 360-Grad-Bildern.

Rund 300 Flüchtlinge ziehen am Dienstag nächster Woche in Berlins erste "Modulare Unterkunft für Flüchtlinge" (MUF) in Marzahn-Hellersorf. Insgesamt bietet der Wohnkomplex in modularer Bauweise Platz für 450 Menschen. Fünf Turnhallen in Steglitz-Zehlendorf sollen dadurch in der kommenden Woche wieder frei werden.

Der Senat erklärte, oberste Priorität sei es, die Menschen besser unterzubringen. Dies sei mit dem Umzug in die modulare Unterkunft der Fall, erklärte auch die Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher (Linke) am Freitag bei einem Rundgang durch den neuen Wohnkomplex. "Es ist eben kein Container, sondern es gibt einen normalen Wärmeschutz", so Lompscher. Zudem bestehe der Bau aus Einzelhäusern, jedes Haus habe einen eigenen Eingang und eine eigene Hausnummer. "Die Menschen haben nun eine eigene Adresse."

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Der Innenhof der ersten MUF in Marzahn-Hellersdorf

Eine Gemeinschaftsküche für zwei Zimmer

Ein Doppelzimmer im Erdgeschoss

Kritik hatte es gegeben, weil die rund 300 Flüchtlinge schon seit einem Jahr in Steglitz-Zehlendorf wohnen und dort bereits gut integriert gewesen seien. "Es ist tatsächlich nicht optimal, wenn die Menschen von einem Ende der Stadt zum anderen Ende müssen. Aber wir können es in dem Fall nicht lösen", erklärte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Zwar sind in ganz Berlin Containerdörfer und Wohnblöcke für Flüchtlinge geplant, allerdings sollen sich die Verhandlungen in dem Bezirk bis zuletzt hingezogen haben.

MUFs können einfach umfunktioniert werden

In Hinblick auf die Lebensbedingungen ändere sich dadurch vieles für die Flüchtlinge, bestätigte auch André Lossin, Geschäftsführer der Berliner Volkssolidarität, die sich um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert. "Wir bieten bestimmte Dinge an, beispielsweise in Bezug auf die Versorgung der Kinder", erklärt Lossin. "Aber ansonsten müssen sie sich nun selbst versorgen, zum Beispiel selbst einkaufen gehen."

Der Neubau besteht aus insgesamt drei Gebäuden, davon zwei Wohngebäude aus jeweils sechs Modulen. Während das Erdgeschoss mit Gemeinschaftsküche und -bad vor allem für Familien gedacht ist, stehen in der ersten und zweiten Etage Einzelzimmer mit eigenem Bad und Kochecke zur Verfügung. So soll die neue Unterkunft zu 40 Prozent von Familien und zu 60 Prozent von Einzelpersonen bezogen werden. Insgesamt ziehen 50 Kinder ein.

Die MUFs sind langlebig und durch ihre modulare Bauweise flexibel - sie können leicht umfunktioniert werden: Die Unterkünfte, für die das Berliner "Lageso"  keinen Bedarf mehr anmeldet, sollen zu günstigen Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Studenten und Senioren umgewandelt werden. In anderen Schnellbauten sollen Apartments für Mieter entstehen, die zum sogenannten "geschützten Marktsegment" gehören - das sind vor allem Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind.

Modularbauten kosten rund 200 Millionen Euro

Die Gesamtkosten für die MUF in Marzahn-Hellersdorf belaufen sich laut Lompscher auf 17,8 Millionen Euro. Sie ist die erste von insgesamt zehn geplanten Modularbauten für Flüchtlinge in Berlin. 200 Millionen Euro, die zu großen Teilen aus dem Senatshaushalt fließen, werden für alle Bauten zusammen aufgebracht.

In Steglitz-Zehlendorf werden durch den neuen Wohnkomplex in der kommenden Woche zunächst fünf Turnhallen frei. Bis Ende März sollen schließlich alle Turnhallen berlinweit leergezogen sein. Ob das gelingt - daran besteht allerdings Zweifel, denn der Bau der neuen MUF ist bereits in Verzug. "Es gibt ein Restrisiko, weil zwei Unterkünfte später fertig werden", erklärte Sozialsenatorin Elke Breitenbach am Freitag. Dadurch könne es Verzögerungen von zwei Wochen geben. Zudem soll auch einer der zehn Standorte für die neuen Modulbauten noch nicht endgültig geklärt sein.

Informiert oder nicht informiert?

Kritik kam vorab auch von Anwohnern, sie seien nicht ausreichend über den Neubau in ihrer Nachbarschaft informiert worden. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle widersprach dem am Freitag vehement. "Es gab in diesem Stadtteil im letzten Jahr zwei Anwohnerversammlungen", sagte Pohle. Seitdem habe es zudem eine regelmäßige Bürgersprechstunde gegeben. Seit Freitag stehe der Betreiber fest, nun - eine Woche später - gebe es eine Informationsveranstaltung für die unmittelbaren Anwohner. "Es wäre nicht informiert worden – dem muss ich einfach widersprechen."

Dennoch sagen einige Anwohner, sie seien in die Entscheidungen nicht einbezogen worden. Die Bezirksbürgermeisterin habe im Alleingang gehandelt. Auch der Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten, Sascha Langenbach, räumte ein, die Kommunikation über bevorstehende Flüchtlingsheimbezüge sei nicht immer ideal verlaufen. Auch deshalb finde in Marzahn-Hellersdorf kommenden Montag ein Tag der offenen Tür statt. Doch auch dazu berichten Anwohner: Zwar seien 1.500 Einladungen verteilt worden. Trotzdem hätten einige, obgleich sie direkt neben der neuen Unterkunft wohnen, keine Einladung erhalten.

Ohnehin hatte es um den Tag der offenen Tür im Vorfeld ein Durcheinander gegeben. So hatte es zunächst geheißen, er finde am Freitag statt. Später hieß es korrigierend, erst am kommenden Montag lade man zu dem Tag ein. Doch die Korrektur kam für einige zu spät: Am Freitagmittag waren nach rbb-Informationen bereits zahlreiche Anwohner vor Ort erschienen - und warteten auf Einlass.

Mit Informationen von Mark Allhoff, Annette Miersch und Nina Amin

Hier schafft Berlin Wohnraum für Geflüchtete

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