Brand in Turnhalle in Nauen (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 27.08.2015 | Jacqueline Piwon

Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft in Nauen - 20.000 Euro Belohnung für Hinweise auf Brandstifter

Dass der Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Nauen Brandstiftung war, steht fest. Nicht jedoch, wer das Feuer legte. 20.000 Euro hat das Land nun für Hinweise auf den oder die Täter ausgelobt. Innenminister Schröter stellte fest: "Der Anschlag von Nauen ist eine erbärmliche Tat. Wir werden alles daran setzen, sie aufzuklären."

Nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen setzt das Land 20.000 Euro als Belohnung für Hinweise aus, die zu dem Täter oder den Tätern führen. Das teilte das Innenministerium am Freitag mit. Hinweise sollten unter der Rufnummer 0700-33330331 oder bei der Polizei gemeldet werden.

In der Nacht zu Dienstag war in Nauen eine Halle, in der im September Asylsuchende vorübergehend einquartiert werden sollten, in Flammen aufgegangen. Am Mittwoch bestätigte sich der Verdacht, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden war. Bei der Untersuchung des Brandortes wurden Spuren eines Brandbeschleunigers nachgewiesen.

Eine Sonderkommission mit etwa 30 Beamten ist eingesetzt worden. Da die Täter im rechtsextremen Umfeld vermutet werden, ist auch der Staatsschutz in die Ermittlungen einbezogen.

Belohnung ein "klares Signal an alle"

"Wer immer für den feigen Anschlag verantwortlich ist, muss sich dafür vor Gericht verantworten", teilte Brandenburgs  Innenminister Karl-Heinz Schröter am Freitag mit. "Der Anschlag von Nauen ist eine erbärmliche Tat. Wir werden alles daran setzen, sie aufzuklären."

Schröter betonte, Brandenburg werde weiter Menschen, die in Not sind, aufnehmen und ihnen eine sichere Zuflucht bieten. "Von diesem Weg eines humanen Umgangs mit Menschen in Not werden uns Kriminelle nicht abbringen."

Justizminister Helmuth Markov bedauerte, die Tat werfe einen Schatten auf das ganze Land und alle Bemühungen, Brandenburg zu einem Ort zu machen, an dem Offenheit und Toleranz eine Selbstverständlichkeit seien. "Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, ist aus diesem Grund auch ein klares Signal an alle, die glauben mit Gewalt und auf Kosten der Ärmsten ihre rassistische Ideologie durchsetzen zu können: Wir als Gesellschaft lassen uns nicht in Geiselhaft nehmen von jenen, die jeglichen Anstand und jegliches Mitgefühl verloren haben."

Suche nach Ausweichquartieren

Die Kreisverwaltung sucht indes Alternativen, die ankommenden Flüchtlinge unterzubringen. "Wir haben in den regionalen Zeitungen Anzeigen geschaltet und bitten die Bürger, uns geeignete Grundstücke, Wohnungen oder Häuser anzubieten", sagte Kreissprecher Oliver Kratzsch am Donnerstag. Eigentlich sollten in die abgebrannte Turnhalle in Nauen (Havelland) vorübergehend 100 Flüchtlinge unterkommen. Das Gebäude ist jedoch völlig zerstört.

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen geht in Flammen auf

Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, dass die Halle der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen dienen soll. Vorgesehen war eine Nutzung von September bis Jahresende. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlichen Zweck dienen.

In Nauen hatte es in diesem Jahr mehrfach Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Asylbewerbern in einer ebenfalls geplanten festen Flüchtlingsunterkunft gegeben.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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