Spürhunde zur Brandaufklärung in Nauen, (c) dpa - Bildfunk
Video: Abendschau | 09.09.2015 | Olaf Sundermeyer und Jo Goll

Polizei geht nach Zeitungsbericht von vorbereiteter Tat aus - Nauener Brandstiftung war möglicherweise lange geplant

Die Polizei hat offenbar nähere Erkenntnisse zu dem Brandanschlag von Nauen. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass das Attentat auf die geplante Flüchtlingsunterkunft seit längerer Zeit vorbereitet worden war. Um Hinweise auf die Täter zu bekommen, will die Polizei nun eine Plakataktion starten.

Der Brandanschlag auf eine zukünftige Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) Ende August ist offenbar von den Tätern detailliert vorbereitet und geplant worden.

Nach rbb-Informationen geht die Polizei nun davon aus, dass vorsätzlich Gas in die Sporthalle eingeleitet worden sei. Demnach hätten die Ermittler an der Turnhalle eine Gasflasche und angezündete Autoreifen gefunden. Darüber berichten auch die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), sie sprechen in ihrem Bericht über das Vorgehen der Täter von "Heimtücke" und "Terror" und zitieren die Ermittler, denen zufolge die Täter "perfide" vorgegangen seien.

Die ermittelten Umstände der Feuerentwicklung seien klare Anzeiger für eine Gaseinleitung in die Halle, schreibt das Blatt: Das massive Bauwerk habe schnell Feuer gefangen, und der Brand habe sich dann sehr rasch und gleichmäßig ausgebreitet.

Polizei will keine Einzelheiten zu den Ermittlungsergebnissen veröffentlichen

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte bereits kurz nach dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft von "rechtem Terror" gesprochen, der nicht geduldet werden könne. Nur wenige Stunden nach dem Brand hatte Innenminister Karlheinz Schröter (SPD) mitgeteilt, dass die Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger festgestellt hätten. Auch sei weiteres Beweismaterial vor Ort sichergestellt worden, das eindeutig auf Brandstiftung hindeute.

Zur Art der Beweise wollte sich die Polizei auch am Mittwoch nicht äußern. "Von den laufenden Ermittlungen werden wir zunächst nichts preisgeben", sagte eine Sprecherin dem rbb. Die Spurenauswertung am Tatort sei noch nicht abgeschlossen. Auch würden durch die Polizei weitere Zeugen vernommen. Ein "heiße Spur" gebe es noch nicht. Die Ermittler wollen jetzt mit einer Plakataktion in und um Nauen noch einmal die Tätersuche forcieren. Mehr als 100 große Flyer will die Polizei an öffentlichen Punkten ausstellen.

Bekennerschreiben oder gar Parolen an Wänden - wie oft in solchen Fällen - hätten die Ermittler nicht finden können, hieß es unmittelbar nach dem Brand. Ohne auf die genaue Beweislage einzugehen, hatte das Innenministerium aber sehr schnell mitgeteilt: "Wir gehen von einer fremdenfeindlichen Motivation aus."

Schwerster Anschlag auf eine Flüchtlingunterkunft seit 20 Jahren

Es handele sich um den schwersten Anschlag auf eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Brandenburg seit mehr als 20 Jahren, lautete die Einschätzung des Innenminsteriums. 1992 war ein bezugsfertiges Asylbewerberheim in Dolgenbrodt (Dahme-Spreewald) vorsätzlich in Brand gesteckt und zerstört worden.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach in Reaktion auf diese ersten Erkenntnisse von einer "Schande für unser Land". Gleichzeitig räumte Woidke ein, dass es in Brandenburg weiterhin eine rechtsextreme Szene gebe, deren Gewaltbereitschaft steige.  

Auch der Bürgermeister von Nauen, Detlef Fleischmann (SPD), hatte sich tief betroffen von dem Brand gezeigt. Er forderte ein hartes Vorgehen gegen die Täter und erklärte, die Flüchtlingsunterkunft in Nauen werde weitergebaut, sagte Fleischmann dem rbb: "Wenn man dem nachgeben wollte, wäre das eine Bankrotterklärung des Staatswesens und würde suggerieren: Du brauchst nur Häuser anzuzünden, dann kommen keine Flüchtlinge. Das wäre das fatalste Zeichen, das von so einer Tat ausgehen kann."  

Flüchtlingsunterkünfte schon vor Eröffnung bewachen

Als Konsequenz aus dem Brandanschlag will das Land Brandenburg geplante Flüchtlingsunterkünfte schon zwei Monate vor Inbetriebnahme bewachen lassen. Das sagte Sozialministerin Diana Golze (Linke) am Mittwoch im Sozialausschuss des Potsdamer Landtags. Der Fall in Nauen habe gezeigt, dass solche Einrichtungen in den Wochen vor ihrer Inbetriebnahme am Gefährdetesten seien. Den Kommunen sollten schon frühzeitig entsprechende Kosten für den Schutz erstattet werden.

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen geht in Flammen auf

Zahlen und Fakten

  • Zahlen - Wie viele Flüchtlinge kommen?

  • Entwicklung - Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

  • Ankunft - Wie funktioniert die Aufnahme der Flüchtlinge?

  • Asylanträge - Wie lange dauert die Bearbeitung?

  • Andrang - Wie viele Flüchtlinge kommen pro Tag in die Erstaufnahme?

  • Status quo - Wie viele Flüchtlinge sind offiziell registriert?

  • Verteilung - Wie werden die Flüchtlinge auf Bezirke und Landkreise verteilt?

  • Wohnen - Wer muss dafür sorgen, dass Unterkünfte zur Verfügung stehen?

  • Unterkunft - Wo werden die Flüchtlinge untergebracht?

  • Unterbringung - Wer zahlt?

  • Wohnort - Welchen Einfluss hat ein Asylbewerber darauf?

  • Jobs - Dürfen Flüchtlinge arbeiten?

  • Geld - Wieviel bekommt ein Flüchtling im Monat?

  • Geldquelle - Wie bekommen Asylbewerber ihr Geld?

  • Smartphone - Haben sie einen Anspruch darauf?

  • Krankheit - Sind Asylbewerber versichert?

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