Flüchtlinge hinter einem Zaun auf dem Gelände eines Asylbewerberheimes in Massow (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 02.09.2015 | Sonja Lüning

Mehrere Asylbewerber verletzt - Verdächtiger ist nach Pfefferspray-Attacke in Massow geständig

Nach der Pfefferspray-Attacke in einem Flüchtlingsheim im brandenburgischen Massow ist der mutmaßliche Täter geständig. Der 28-Jährige aus Sachsen wohnte auch in der Flüchtlingsunterkunft und arbeitete dort als Bauarbeiter. Vor der Tat soll es noch eine gemeinsame Feier gegeben haben, die Heimleitung glaubt nicht an ein rechtes Motiv.

In einem Asylbewerberheim in Massow (Dahme-Spreewald) sind am Dienstag zahlreiche Bewohner durch Pfefferspray verletzt worden. Nach Angaben vom Mittwoch wurden 16 Menschen in Krankenhäusern behandelt.

Nach dem Vorfall wurde am Dienstagabend ein 28-Jähriger festgenommen; er hat nun zugegeben, das Gas versprüht zu haben. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Dieser schaltet sich unter anderem beim Verdacht auf ein politisches Motiv, wie Extremismus oder Rassismus, ein.

Hinweise auf eine rechtsextreme Einstellung des Täters gibt es laut Heimleitung nicht. Vor der Tat soll es eine gemeinsame Feier gegeben haben. Heimbewohner hatten dem rbb zuvor berichtet, der Täter habe regelmäßig mit den Flüchtlingen Handel betrieben, sei auf dem Gelände der Unterkunft untergebracht gewesen, habe dort auch gearbeitet. Er sei bisher nicht aufgefallen.

Die Polizei wies am Mittwoch darauf hin, dass der 28-Jährige bei seiner Festnahme leicht alkoholisiert war und auf einen Drogentest positiv auf Amphetamine und Methamphetamin reagierte. Er sei wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz bereits polizeibekannt.

Auch Kinder kamen ins Krankenhaus

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen Mann aus Sachsen. Er ist demnach bei einer Baufirma angestellt, die in der Asylbewerberunterkunft an Baumaßnahmen beteiligt ist.

Der 28-Jährige wohnt zurzeit in dem Hotel vor Ort, in dem auch Asylbewerber untergebracht sind. Daher habe er legalen Zugang zu dem gesicherten Objekt gehabt, hieß es. In Massow sind in mehreren Gebäuden mehr als 300 Asylbewerber untergebracht. Neben dem Hotel wird auf dem abgelegenen Gelände auch eine frühere Reha-Klinik als Unterkunft genutzt.

Von der Polizei hieß es, der Wachschutz der Unterkunft habe die Polizei um 19.37 Uhr benachrichtigt, dass Bewohner durch Pfefferspray gesundheitlich geschädigt worden seien. Als die Beamten eintrafen, hätten zahlreiche Menschen über Augenreizungen und Atembeschwerden geklagt.

Kritik von Landrat: Zu wenig Sicherheitskräfte

Daraufhin seien Rettungskräfte nach Massow beordert worden. Laut Polizei versorgten um die 100 Helfer 35 verletzte Personen. 16 Verletzte wurden vorsorglich in umliegende Krankenhäuser gebracht, unter ihnen acht Kinder. Die Erwachsenen konnten nach ambulanter Behandlung sofort wieder in die Unterkünfte zurückkehren, die Kinder wurden am Mittwoch aus den Kliniken entlassen. Nach Angaben des Landkreises Dahme-Spreewald waren sogar bis zu 250 Einsatzkräfte vor Ort, da diese nach einem Plan für einen sogenannten "Massenanfall von Verletzten" alarmiert wurden.

Landrat Stephan Loge (SPD) kritisierte im rbb, dass zwei Sicherheitskräfte für den Schutz der Flüchtlinge zu wenig seien. So müsste das Sicherheitskonzept an diesem und an weiteren Standorten vertieft werden, so Loge.

Zeugenbefragung läuft noch

Laut Polizeisprecherin Ines Filohn werden die Bewohner des Heims noch befragt, um den Tathergang zu klären. Filohn wies allerdings darauf hin, dass sich die Befragung hinziehen könnte, weil sie in der Muttersprache der Betroffenen stattfinde.

Pfefferspray-Attacke in Asylbewerberheim

Mit Informationen von Arne Sprung

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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