Eine leerstehende Plattenbausiedlung in Wustermark (Brandenburg). (Quelle: imago)
Video: Brandenburg aktuell | 16.09.2015 | Joachim Rüetschi

BBU rechnet nicht mit dauerhaftem Bezug - Abriss von Platten nur vorerst gestoppt

4.000 Plattenbauwohnungen in Brandenburg, die eigentlich abgerissen werden sollten, werden jetzt zu Flüchtlingsunterkünften. Der Abriss ist damit aber nicht vollends besiegelt, weil viele der Menschen wohl nicht dauerhaft bleiben. Tausende weitere Wohnungen sind leer und gelten als schwer vermietbar - und sie sind sehr unterschiedlich verteilt.

Was einst der werktätigen Bevölkerung in der DDR als Zuhause dienen sollte, war nach dem Mauerfall out. Die schnell hochgezogenen Trabantenstädte er 70er und 80er Jahre standen bald im gesamten Osten und auch im Land Brandenburg zu großen Teilen leer. Es half - und hilft - nur noch der Abriss.

Nun hat die brandenburgische Landesregierung eine Kehrtwende vollzogen, angesichts der immer stärker ansteigenden Zahl von Flüchtlingen. 4.000 eigentlich für den Abriss vorgesehene Wohnungen sollen künftig von Flüchtlingen bewohnt werden. Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) spricht von 39.000 leerstehenden Wohnungen in ganz Brandenburg.  

17,5 Millionen Euro eigentlich für Abriss vorgesehen

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) unterstützt die Entscheidung der Landesregierung. BBU-Vorstand Maren Kern sagte dem rbb: "Wir nehmen die Landesregierung aber beim Wort, dass es Ersatz für die jetzt umgewidmeten Abrissmittel geben wird". Konkret heißt das, dass der BBU auf die 17,5 Millionen Euro, die eigentlich für das Abtragen von Platten vorgesehen waren, nicht verzichten will.

Mit der geplanten Umwidmung der Platten ließe sich der erhöhte Wohnraumbedarf schnell decken. Von den vielen Neuankömmlingen werde sich aber nur ein kleiner Teil dauerhaft hier niederlassen, so Kern weiter. Daher müsse der Stadtumbau und mit ihm auch der Abriss von langfristig überflüssigen Wohnungen auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Schulen und Nahverkehr müssen in der Nähe sein

Für die Umwandlung in Übergangswohnungen kommen aus Sicht des BBU nur Gebäude in Betracht, die noch nicht für den Abriss entkernt wurden. Sinnvoll hält der BBU den Bezug von leerstehenden Platten zudem nur dort, wo es eine leistungsstarke städtische Infrastruktur gibt, etwa Bildungseinrichtungen und öffentlicher Nahverkehr. Dies sei Voraussetzung für die Integration. "Es bringt keinem etwas, wenn die Übergangswohnungen auf der grünen Wiese ohne Bezug zur restlichen Stadt stehen", so Kern.

Blöcke, die gut an die städtische Infrastruktur angeschlossen sind, gibt es vor allem in den kreisfreien Städten des Landes. Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke ist bereits auf der Suche nach geeigneten Objekten. So habe seine Stadt die ehemalige Arbeitsagentur als Objekt angeboten, sagte er dem rbb. Zudem gebe es noch mehrere Gebäude, die im Besitz der Stadt sind, die jetzt geprüft würden. 

Umwidmung in Frankfurt (Oder) und Cottbus angedacht

Insgesamt stehen von den BBU-Wohnungen in Brandenburg etwa 25.000 Wohnungen leer. In dieser Zahl sind aber auch bereits entkernte Wohnungen, die abgerissen werden sollen, eingerechnet. Eigentlich könne man nur von rund 11.500 BBU-Wohnungen in Brandenburg sprechen, die bezugsfertig, aber schwer zu vermieten sind.

Auf die Landkreise verteilt ist die Leerstandsquote zum Teil überraschend. Während im Spree-Neiße-Kreis 18 Prozent der Wohnungen leer stehen und mit 17,8 Prozent in der Prignitz fast genauso viele, liegt der Anteil in der Uckermark nur bei 5,2 Prozent. Laut BBU-Sprecher Eberhart lässt sich das damit erklären, dass in der Uckermark, insbesondere im jetzigen Oberzentrum Schwedt, bereits sehr früh und gründlich leere Platten abgerissen worden sind. In der Stadt selbst liegt der Anteil nur bei drei Prozent.

Bei den kreisfreisen Städten hat Brandenburg an der Havel mit 13 Prozent Leerstand die höchste Quote, in Frankfurt (Oder) liegt die Zahl bei zehn und in Cottbus bei sieben Prozent. In der Landeshauptstadt Potsdam könne man schon gar nicht mehr von Leerstand sprechen, sagte BBU-Sprecher David Eberhart rbb online. Dort gebe es nach Zahlen seine Verbandes vom Juni nur zwei Prozent aller Wohnungen, die nicht bezogen sind.

Viele kleine Wohnungen in den Landkreisen leer

Welche Plattenbauviertel in Brandenburg nun durch die Flüchtlinge eine Gnadenfrist bekommen, kann der BBU nicht sagen. Dies sei Aufgabe der Kommunen und des Landes. Sprecher Eberhart befürchtet aber, dass viele der leerstehende Platten in der Prignitz oder im LandkreisSpree-Neiße kaum mehr saniert werden können."Gerade in den Orten, wo der Leerstand per se schon hoch ist, hat man ja sehr stark schon auf den Abriss hingearbeitet", sagte Eberhardt dem rbb. Dort bestehe einfach keine andere Möglichkeit zur Bereinigung des Wohnungsmarktes, und deshalb würden viele Platten schon entkernt sein. Diese wieder bewohnbar zu machen, sei sehr aufwendig, so der Sprecher weiter.

Nach Ansicht vom Vizelandrat des Landkreis Märkisch-Oderland, Lutz Amsel, kommen aber auch kleinere Objekte in kleineren Orten wie Letschin im Oderbruch in Frage. Dort könne sich eine Sanierung noch lohnen, sagte er dem rbb. Es gebe durchaus noch eine ganze Reihe von Wohnungen, die in einem Zustand sind, dass sie nur mit geringen Mitteln wieder hergerichtet seien. Das müsse aber so geschehen, dass es nicht zu Lasten der Kommunen gehe, die ja ihre Planungen bereits gemacht hätten.

Plattenbauten werden zu Flüchtlingsunterkünften

Energetische Baustandards nicht anheben

Weil die Nachfrage nach Wohnraum kräftig angestiegen ist, setzt die Brandenburger Landesregierung sich gemeinsam mit anderen Bundesländern für eine Verschiebung der für den 1. Januar 2016 vorgesehenen erneuten Anhebung der energetischen Baustandards ein. Diesen Vorstoß unterstützt der BBU, weil der Wohnungsum- und -neubau insgesamt schneller und günstiger werden müsse.

Der BBU geht sogar noch weiter und fordert von der Bundesregierung, die Bauvorschriften zu vereinfachen und Baustandards fleixibler zu handhaben. "Es ergibt keinen Sinn, dass der Staat günstige Mieten fordert und subventioniert, gleichzeitig aber Bauen und damit Wohnen durch seine Auflagenwut immer teurer macht", sagte Kern wörtlich.  

Mit Informationen von Elke Bader  

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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