Vom Turm der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadtkirche im polnischen Gubin sind der Grenzfluss Neiße und die Nachbarstadt Guben (Brandenburg) zu sehen. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 29.12.2015 | Rico Herkner

Angriffe auf Wohnungen von Asylbewerbern - Ermittlungen nach Vandalismus in Guben bisher erfolglos

Eingeworfene Fensterscheiben und Nazi-Parolen: Nach den Anschlägen auf Flüchtlingswohnungen in Guben im Süden Brandenburgs sucht die Polizei weiter nach den vermummten Tätern. Sie hat eine kleine Gruppe bekannter Rechtsextremer im Visier. 

Nach Angriffen auf mehere Flüchtlingswohnungen in Guben hat die Polizei Zeugen befragt und Spuren gesichert. "Wir haben einen Knüppel gefunden, und eine Bank, mit der die Haustür durchstoßen wurde", sagt Ines Filohn von der Polizeidirektion Süd. Eine konkrete Spur zu den Tätern gibt es bisher aber nicht.

Rechtsextreme Gruppe im Fokus der Ermittlungen

Die Polizei hat neben anderen Verdächtigen eine kleine, aber äußerst aktive rechtsextreme Gruppe in Guben im Visier. "Es gab sogenannte Gefährderansprache von Personen, die der rechtsextremen Klientel zuzuordnen sind. Denen haben wir noch einmal eindeutig gesagt, dass sie in unserem Fokus stehen," so Filohn im rbb.

Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro (CDU) nahm schriftlich zum Vorfall Stellung. An die Adresse der Täter gerichtet sagte er: "Wenn sie ein Problem haben, das Rathaus steht offen, mein Büro steht offen. Wir können über alles diskutieren, aber Gewalt ist keine Lösung."

Die bedrohten Flüchtlinge wurden in eine andere Unterkunft gebracht. Unter ihnen ist auch eine Frau im achten Schwangerschaftsmonat.

Angriffe auf Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien

Am Sonntagabend hatten Vermummte mehrere Flüchtlingswohnungen in Guben (Spree-Neiße) attackiert und Fenster eingeworfen. Zunächst warfen die Unbekannten am Sonntagabend einen Fahrradständer in eine Haustür und schlugen ein Fenster in einer Wohnung im Erdgeschoss ein, wie die Polizei am Montag berichtete.

Die Täter skandierten dabei rassistische Parolen, unter anderem "Nigger, kommt raus". In der Wohnung leben Asylbewerber aus Eritrea. Körperlich verletzt wurde bei dem Angriff niemand. Es soll sich um mindestens drei Täter handeln. Sie flüchteten.

Kurze Zeit später warfen Unbekannte in einer Nachbarstraße eine Fensterscheibe mit Steinen ein. Dort wohnen syrische Asylbewerber. Sie blieben unverletzt. Auch hier entkamen die Täter unerkannt. Die Polizei schließt nicht aus, dass es sich um dieselben Täter wie beim ersten Angriff handelt.

"Eine besorgniserregende Entwicklung"

Das Brandenburger Innenministerium registrierte von Januar bis Oktober 45 politisch motivierte Anschläge auf Asylunterkünfte. Die Tendenz sei klar steigend, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Vergleich waren es in den beiden Vorjahren 16 (2014) beziehungsweise 10 (2013) Fälle.

Das Ministerium sieht die Steigerung in direktem Zusammenhang mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Brandenburg. "Das ist eine besorgniserregende Entwicklung", so der Sprecher. Die meisten Straftaten seien Sachbeschädigungen. Rund ein Viertel der Anschläge sei auf Einrichtungen verübt worden, die zum Tatzeitpunkt nicht bewohnt waren. Von den 45 Fällen wurden bisher 13 aufgeklärt.

Mit Informationen von Rico Herkner, Brandenburg aktuell

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