Schattenriss einer Person hinter dem Eingangstor einer Notunterkunft für Flüchtlinge. (Quelle: imago/Robert Michael)
Video: Brandenburg aktuell | 01.02.2016 | Michael Lietz

Wohlfahrtsverband nach Ausschreibung für drei Jahre ausgewählt - DRK übernimmt alle Brandenburger Erstaufnahmestellen

Das DRK engagiert sich als einer der größten deutschen Wohlfahrtsverbände auch in der Flüchtlingshilfe. Seit dem 1. Februar ist das DRK Betreiber aller Erstaufnahmestellen in Brandenburg. Essen und Kinderbetreuung für die Flüchtlinge sollen besser werden, den Anwohnern der Unterkünfte verspricht das DRK mehr Präsenz.Von Michael Nowak

Bereits seit dem vergangenen Juli mischt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf Landesebene in der Flüchtlingshilfe mit. Verantwortlich war es bisher bereits für die eilends aufgebauten Außenstellen an der Eisenhüttenstädter Unterschleuse, in Doberlug-Kirchhain, in Potsdam und Wünsdorf – zunächst im Rahmen sogenannter Notfallhilfe. Offenbar gab es schnell interne Überlegungen, diese Aufgaben auch auf längere Sicht zu übernehmen.

Nachdem Brandenburg nun turnusgemäß den Gesamtbetrieb seiner Erstaufnahmeeinrichtungen ausgeschrieben hatte, übernimmt der Wohlfahrtsverband diese Aufgabe nun für drei Jahre.  

Nicht sehr viele Bewerber für die Flüchtlingsbetreuung

DRK-Vorstand Oliver Bürgel bezeichnet die Flüchtlingshilfe als klassische "Welt-Rot-Kreuz-Aufgabe." Da sei es bei dem stark ansteigenden Zustrom im vergangenen Jahr "selbstverständlich gewesen, dass wir uns hier engagieren."

Allzu viele Bewerber habe es für die recht komplexe Aufgabe nicht gegeben, räumt Frank Nürnberger, Leiter der Erstaufnahme-Einrichtungen, ein. Er ist direkt beim Land Brandenburg angestellt und von dem Wechsel nicht betroffen. Vielmehr hat Nürnberger das DRK mit ausgewählt.

Bisheriger Betreiber räumt seinen Platz

Neben finanziellen Punkten hätte das umfangreiche DRK-Konzept den Ausschlag für die Vergabe an den Wohlfahrtsverband gegeben: "Die Qualität des Essens soll sich jetzt verbessern. Wir wollen Standards für gutes Kantinen-Essen erhalten", sagt Frank Nürnberger. "Auch die Kinderbetreuung und die Sozialberatung werden ausgeweitet."

In der zentralen Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt mit ihren zeitweise mehr als 3.000 Flüchtlingsplätzen musste der bisherige Betreiber, die "Boss Sicherheitsdienste und Service GmbH", seinen Platz räumen. Das DRK ist jetzt für nahezu alle Bereiche von Betreuung bis Versorgung zuständig. Lediglich den Wachschutz stellt ein anderes Unternehmen.

Zusätzliche Mitarbeiter werden gesucht

Durch den Wechsel bedingte Entlassungen habe es kaum gegeben. "Soweit mir bekannt ist, ist ein Großteil der vorhandenen Mitarbeiter an allen Standorten übernommen worden", sagt Frank Nürnberger, "darüber hinaus ist es so, dass wir Tariftreue erwarten." Es dürfte sich also niemand verschlechtern.

DRK-Vorstand Oliver Bürgel bestätigt dies: "Viele Beschäftigte haben eine gute Arbeit gemacht. Darauf wollen wir nicht verzichten." Doch es werde künftig eine neue Zusammensetzung geben. Denn für den neuen Betreiber greift das Land offenbar auch tiefer in die Tasche. Lange geforderte zusätzliche Stellen werden in den Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen.

"Wir können noch Personal gebrauchen", sagt auch Oliver Bürgel, "wir suchen Mitarbeiter, die wenigstens etwas englisch sprechen können und Lust haben, Menschen auf dem schwierigen Weg der Integration in Deutschland zu helfen"

Drei Jahre läuft Betreibervertrag mit dem Land

Den Einwohnern von Eisenhüttenstadt oder Ferch verspricht der neue Betreiber mehr Präsenz. Das DRK sei darauf angewiesen, "mit den Bürgern zusammenzuarbeiten und das werden wir ab Februar auch umsetzen", so Bürgel.

Viel Arbeit liege hinter den DRK-Mitarbeitern, noch mehr vor ihnen. Aber für DRK-Vorstand Bürgel ist klar: Sein Deutsches Rotes Kreuz ist auf die Herausforderung "Flüchtlingsbetreuung in Erstaufnahmestellen" gut vorbereitet. Drei Jahre hat das DRK jetzt Zeit, das zu beweisen. So lange läuft der Betreibervertrag mit dem Land, eine Verlängerungsoption über zwei Jahre ist übrigens bereits mit ausgehandelt.

Beitrag von Michael Nowak

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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