Flüchtlinge an der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 12.02.2016 | Michel Nowak, Markus Woller

Kritik an DRK aus den eigenen Reihen - Chaotische Zustände in Erstaufnahme Eisenhüttenstadt

Nach den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen in der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt kommt Kritik am Betreiber auch aus den eigenen Reihen. Keine Hausordnung, keine Regeln: Wie DRK-Mitarbeiter dem rbb berichten, wurde das Zusammenleben hunderter Menschen eher schlecht als recht organisiert. Von Sabine Tzitschke

Gut gemeint, aber schlecht gemacht – so könnte man die Zustände in der Notaufnahme für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt beschreiben. Männer, Frauen und Kinder wurden gemeinsam in Zelten untergebracht, egal welcher Glaubensrichtung und egal welcher kulturellen Herkunft. Die angezeigte Vergewaltigung einer Kenianerin durch mutmaßlich afghanische Täter war das Ergebnis dieses Zusammenpferchens.

"In der Nothilfe gelten die Standards nicht"

Diese Zustände konnte der ehemalige Sozialleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Steffen Adam, nicht mehr ertragen. Er kündigte – auch, weil seine Chefs ihm nicht zuhören wollten. "Ich habe mit meinen Kollegen sehr häufig darauf hingewiesen, dass wir Regeln brauchen, dass wir verbindliche Absprachen brauchen, auch zur Orientierung für die Flüchtlinge", sagte Adam dem rbb. "Aber ich hatte das Gefühl, dass das irgendwie ignoriert wurde oder auch im Alltag untergegangen ist, so dass ich irgendwann die Situation nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren konnte."

Steffen Adam schrieb Nachrichten an seine Vorgesetzten: Zumindest eine Hausordnung sollte es doch geben. Doch seine Hilferufe wurden nicht gehört. Es habe immer geheißen, "wir sind in der Nothilfe, da gelten die Standards nicht für Unterkünfte", so Adam. Er bemängelt, dass sich die Verantwortlichen mit der Situation abgefunden hätten, statt Lösungen zu finden.

Ausländerbehörde bemüht sich um Aufklärung

Steffen Adam ist nicht der Einzige, der in Eisenhüttenstadt das Handtuch geworfen hat. Einige Frauen, darunter DRK-Mitarbeiterinnen, gingen sogar zur Polizei, weil sie sich sexuell belästigt fühlten. Auch ihnen hat die zuständige DRK-Führung nicht geglaubt. Mittlerweile gibt es schon zehn Anzeigen. Der Chef der zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt, Frank Nürnberger, der aufgrund von Verträgen weiter mit dem DRK zusammenarbeiten muss, bemüht sich jetzt um Aufklärung.

Man habe dem DRK einen sehr umfangreichen Fragenkatalog zukommen lassen und bis nächste Woche um Antworten gebeten. "Wir wollen sehr genau wissen: Was ist geschehen? Wir wollen wissen, welche Ursachen aus Sicht des DRK hierfür verantwortlich  sind. Welche Personale hier ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind. Und was das DRK für die Zukunft auch verbessern will", so Nürnberger.

Neue Leitung aus anderem Kreisverband

Aktuell ist ein Kreisverband des DRK mit Sitz in Fürstenwalde zuständig für die unhaltbaren Zustände in Eisenhüttenstadt. Ein Objektleiter wurde am vergangenen Sonntag suspendiert und Frank Hülsenbeck, Präsident des DRK Landesverbandes in Brandenburg, verspricht weitere Untersuchungen. Das DRK habe eine neue Einsatzleitung in Eisenhüttenstadt eingesetzt – und zwar aus einem anderen Landesverband. "Das haben wir bewusst so gemacht, damit die mit ihrer Kompetenz und auch mit ihrer Kritik von Null anfangen können, jedenfalls ohne Vorbelastung irgendwelcher persönlicher Beziehungen"

Beitrag von Sabine Tzitschke

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