Die Notunterkunft für Flüchtlinge in einer Turnhalle in Schwedt (Quelle: rbb/Anne Schmidt)
Video: Brandenburg aktuell | 16.02.2016 | Carsten Krippahl und Peter Huth

Protestaktion gegen Unterbringung - Flüchtlinge in Schwedter Notunterkunft beenden Hungerstreik

Mehr als die Hälfte der Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in der Uckermark hatten seit Montag das Essen verweigert. Grund waren die unzumutbaren Umstände in der umgebauten Turnhalle: kaum Privatsphäre und kein gutes Essen. Der Besuch des Integrationsbeauftragten des Landkreises hat ihren Unmut nun beschwichtigt.

Die Flüchtlinge in einer Notunterkunft in Schwedt im Landkreis Uckermark haben ihren Hungerstreik beendet. "Die Leute haben sich auf das Essen gestürzt", sagte der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Mazierullah Qaderi, der am Dienstagnachmittag mit den Menschen sprach. Sie seien froh gewesen, dass sich jemand ihrer Fragen annimmt, berichtete Qaderi, der selbst als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland geflüchtet war.

Mehr als die Hälfte der rund 150 Bewohner der Turnhalle hatten sich zwischenzeitlich an der am Montag begonnenen Aktion beteiligt. Grund war ihre Unzufriedenheit mit der engen Situation in der Unterkunft und der Qualität des Essens, das ein Caterer liefert, so Qaderi. Auch die Dauer ihrer Asylverfahren soll zu ihrem Unmut beigetragen haben. Der Mangel an Ruhe und Privatsphäre schüre Konflikte, hieß es. "Natürlich ist es eine schwierige Situation, aber es ist halt eine Notunterkunft", räumte Qaderi im rbb ein.

"Die Verantwortlichen sollen hier mal einen Monat leben"

Die Turnhalle eines Oberstufenzentrums befindet sich mitten in einem Industriegebiet in Schwedt. 153 Männer aus acht verschiedenen Nationen sind hier untergebracht. Die Halle ist mit Spanplatten in Gänge unterteilt, in den Gängen stehen die Betten dicht beieinander. Um eigene Bereiche abzutrennen, haben die Männer um die Betten Tücher gespannt. "Wir haben keine Tische, wir laufen immer nur herum in dieser Halle", sagte zuvor ein afghanischer Flüchtling dem rbb. "Ich würde mir wünschen, dass sich die Verantwortlichen mal in unsere Lage versetzen und einen Monat hier leben – dann werden sie sehen, dass man hier krank wird."

Anderen geht es genauso. "So kann man nicht leben", sagte ein Libanese. "Man kann hier nicht vernünftig schlafen. Wir werden verrückt und irre." Hier in der Turnhalle komme er kaum dazu, deutsch zu lernen, beklagte er sich. Ein anderer betonte, es gehe den Hungerstreikenden nicht um Luxus, sondern um eine menschenwürdige Unterkunft, in der man sicher schlafen, lernen und sich aufhalten könne. Der Intergrationsbeauftragte der Uckermark versprach, dass an einer besseren Lösung gearbeitet werde. In Lychen wurde erst jetzt erst eine neue Unterkunft eingerichtet, so Qaderi. Er gab zu bedenken, dass alles seine Zeit brauche.

Mitarbeiterin kann Lage der Flüchtlinge verstehen

Eine Sozialbetreuerin war von dem Hungerstreik überrascht, zeigte aber Verständnis für die der jungen Männer. Die fehlende Nachtruhe, erzählt sie, mache allen zu schaffen. "Wir versuchen das allermöglichste, aber bestimmte Sachen können wir nicht beschleunigen. Wir können aus der Turnhalle auch keine Villa zaubern", so die Helferin. "Wir versuchen das allerbeste, mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, mit ihnen zu sprechen und auf die Probleme einzugehen."

Weitere Unterkünfte sollen Verbesserung bringen

Landkreissprecherin Ramona Fischer hatte erklärt, die Notunterkunft habe im Dezember eingerichtet werden müssen, "weil wir nicht so schnell Gemeinschaftsunterkünfte bereitstellen konnten, wie uns Flüchtlinge zugewiesen wurden". In den nächsten Wochen würden jedoch weitere Unterkünfte eingerichtet. " So hoffen wir, die Situation bald verbessern zu können." Damals hatte Landrat Dietmar Schulze (SPD) verkündet, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu können. In den nächsten Wochen würden jedoch weitere Unterkünfte eingerichtet. "So hoffen wir, die Situation bald verbessern zu können", so Fischer.

Innerhalb eines Jahres hat der Landkreis nach eigenen Angaben etwa 1.500 Flüchtlinge und Asylbewerber aufgenommen. Damit lebten aktuell insgesamt 1.745 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen in den Städten und Dörfern des Landkreises. Weitere Unterkünfte werden vorbereitet.

Mit Informationen von Anne Schmidt 

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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