Wäsche von Flüchtlingen hängt am 15.07.2015 vor dem Fenster einer Unterkunft auf dem Gelände der Zentralen Erstaufnahmestelle des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) (Quelle: dpa).
Video: Brandenburg aktuell | 21.03.16 | Theresa Majerowitsch

Weniger als die Hälfte der Plätze belegt - Leere Betten in Brandenburger Flüchtlingsunterkünften

Seitdem die "Balkanroute" geschlossen wurde, sinken auch in Brandenburg die Flüchtlingszahlen. Noch vor wenigen Wochen waren die Erstaufnahmeeinrichtungen dort brechend voll. Nun sind sie unterbelegt - von den rund 6.915 Plätzen werden momentan nur 2.275 benutzt. 

Momentan zählen die beiden DRK-Mitarbeiter in Potsdams Erstaufnahmeunterkunft eher leere Betten als überfüllte Zimmer. Nicht mal die Hälfte der Plätze ist belegt, auch in anderen Erstaufnahmelagern ist viel Platz. Von den rund 6.915 Plätzen sind derzeit nur 2.275 in Brandenburg belegt. "Das heißt im Moment, dass wir Platz haben. Anders als im letzten Jahr, als wir teilweise verzweifelt, aber immer mit Hochdruck hinter der Lage hergelaufen sind - und teilweise nicht wussten, ob die vielen, die täglich angekommen sind, abends ein Dach über dem Kopf und ein Bett haben", sagte der Sprecher des Brandenburger Innenministeriums, Ingo Decker, am Montag dem rbb. 

Noch im Herbst vergangenen Jahres kamen 500 Menschen pro Tag nach Brandenburg, die Heime waren voll. Inzwischen endet für viele der Weg hunderte Kilometer weiter südlich an der griechischen Grenze in Idomeni. 10.000 warten, seit die "Balkanroute" geschlossen ist. Das hat zur Folge, dass in Brandenburg sogar Unterkünfte komplett leerstehen, wie beispielsweise die Messehalle in Frankfurt (Oder). Viele verlassen auch das Land Richtung Berlin, so gibt es zur Zeit auch keine Flüchtlinge in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt und auch keine in Schönefeld.

Insgesamt zu 33 Prozent ausgelastet

Einige weitere Beispiele:

  • Das Ramadan Hotel in Frankfurt (Oder) ist eigentlich für 360 Personen ausgelegt, im Moment beherbergt es nur 127. Der Mietvertrag wird nicht verlängert.
  • In Eisenhüttenstadt sind anstelle von 2.765 Menschen nur 1.078 untergebracht, in Frankfurt 384 statt 1.134 Menschen.
  • In Doberlug-Kirchhain sind es sogar nur 140 anstatt 864 Personen.
  • In Potsdam 185 anstatt 899 und in Wünsdorf 260 anstatt 955.
  • Nur die Unterkunft in Ferch ist nahezu ausgelastet.

Alles zusammengerechnet sind die Unterkünfte im Land etwa zu 33 Prozent belegt. Wie es weiter geht, vermag kaum einer zu sagen, nur soviel: "Wir als Land werden an den Ausbauplänen für unsere Erstaufnahme auf 10.000 Plätze festhalten. Wir schwanken jetzt nicht, wie ein Fähnchen im Wind, weil wir vermuten, dass die Lage auch wieder anders werden könnte - und zwar sehr schnell", sagt Ingo Decker.

"Statt Überlast auf Normallast"

So bleibt es eine Zeit zum Durchatmen für die Mitarbeiter, wie in Potsdam, die in der Vergangenheit oft am Limit gearbeitet haben. "Für unsere Mitarbeiter bedeutet es, dass wir statt Überlast auf Normallast fahren und die eine oder andere Überstunde abfeiern können", sagt der Vorstand des Brandenburger Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Oliver Bürgel.

Die Situation soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Brandenburg vergangenes Jahr immerhin 28.000 Flüchtlinge untergebracht wurden - und mit der Versorgung dieser Menschen haben vor allem die klammen Kommunen alle Hände voll zu tun.

Grafik: Auslastung der Erstaufnahmelager in Brandenburg im März 2016 (Quelle: rbb Fernsehen/Brandenburg aktuell)


Mit Informationen von Theresa Majerowitsch

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