Ein Geflüchteter schreibt im Deutschunterricht in ein Heft (Quelle: dpa)

Lehrermangel in Brandenburg - 700 Geflüchtete hoffen auf Lehrer-Fortbildung an Uni Potsdam

Fast 4.000 Flüchtlingskinder besuchen Schulen in Brandenburg. Doch Hunderte Lehrer fehlen. Auf der Suche nach Personal hat die Uni Potsdam einen neuen Weg beschritten: Sie sucht unter den Geflüchteten selbst Lehrer. Das Interesse ist deutlich größer als erwartet.

Geflüchtete Lehrer wollen sich für den Einsatz an deutschen Schulen qualifizieren. 700 hätten sich für ein entsprechendes Programm der Universität Potsdam beworben, sagte die Bildungswissenschaftlerin und Initiatorin des Projektes, Miriam Vock am Mittwoch.

Uni Potsdam von der Resonanz überrascht

Die große Resonanz habe die Uni überrascht. "Die Bewerber sind zum ganz überwiegenden Teil hoch qualifiziert, berufserfahren und hochmotiviert", sagte sie. Die Menschen stammen überwiegend aus Syrien. Der erste Kurs mit 20 Teilnehmern beginnt im April. Sie erhalten in einem sechsmonatigen Programm intensiven Deutschunterricht und werden mit dem deutschen Schulsystem vertraut gemacht.

Einige der Bewerber leben schon länger in Deutschland und haben bereits Sprachkurse besucht, berichtete Vock am vergangenen Freitag im rbb. Deshalb bietet die Universität Potsdam ab Herbst einen Kurs, in dem die Lehrkräfte das deutsche Schulsystem kennenlernen und an den Schulen hospitieren können.

"Gute Brückenbauer in Schulen"

Für die Initiatoren des Förderprogramms sind die geflüchteten Lehrer "gute Brückenbauer" in Schulen, "indem sie sprachlich und kulturell zwischen den neuen Schülern sowie deren Eltern und den deutschen Schulen vermitteln."

Laut Universität werden auch deutsche Lehramtsstudierende an den Kursen teilnehmen und mit den Lehrkräften Tandems bilden, "um sich im gegenseitigen Austausch über die Schulsysteme in den Herkunftsländern der Geflüchteten zu informieren, was für ihre spätere Arbeit an Schulen mit geflüchteten Kindern hilfreich sein wird".

Hunderte Lehrer gesucht

Die Zahl der Flüchtlingskinder, die an Brandenburger Schulen unterrichtet werden - in Förderkursen oder im Regelunterricht - ist seit letztem Herbst deutlich gestiegen. Während Anfang Oktober 2015 noch etwa 3.200 Kinder aus Flüchtlingsfamilien unterrichtet worden, waren es Anfang Februar 2016 knapp 4.000. Das Bildungsministerium sucht rund 370 Lehrer, die insbesondere Deutsch als Zweitsprache unterrichten können.

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