Das Flüchtlings-Rettungsschiff "Sea-Watch 2" liegt am 18.03.2016 in Hamburg im Sandtorhafen. (Quelle: Daniel Reinhardt/dpa)

Ab April im Mittelmeer im Einsatz - "Sea-Watch 2" in Hamburg getauft

Neuer, größer, stärker, besser ausgestattet - statt mit einem alten Fischerboot kann die Initiative Sea-Watch künftig mit einem ehemaligen Forschungsschiff auf dem Mittelmeer kreuzen, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Am Freitag wurde die "Sea-Watch 2" in Hamburg getauft, Ende April soll ihr Einsatz vor der libyschen Küste beginnen.

Nach der "Sea-Watch" kommt künftig die "Sea-Watch 2" auf dem Mittelmeer zum Einsatz. Das Rettungsschiff einer privaten Brandenburger Initiative wurde am Freitag in Hamburg getauft. Ab April soll es vor der libyschen Küste kreuzen und dort in Seenot geratenen Flüchtlingen helfen, sagte Skipper Ingo Werth aus Hamburg.

Das 33 Meter lange, ehemalige Forschungsschiff "Clupea" wurde in den vergangenen Wochen in Hamburg komplett umgebaut. Das neue Schiff ist mehr als doppelt so groß wie die erste "Sea-Watch" und mit 660 PS auch deutlich leistungsstärker. Es soll auch bei rauer See einsetzbar sein. An Bord befindet sich eine eigene Krankenstation, in der Schwerverletzte behandelt werden können.

Der Arzt Frank Dörner steht am 18.03.2016 in Hamburg im Sanitätsraum des Flüchtlings-Rettungsschiffes "Sea-Watch 2". (Daniel Reinhardt/dpa)
Der Arzt Frank Dörner steht im Sanitätsraum der "Sea-Watch 2"

Initiative auch in der Ägäis im Einsatz

Ebenso wie die alte "Sea-Watch" könne man aber nicht Hunderte Flüchtlinge aufnehmen, hieß es. Darum wird das Schiff Rettungsinseln und Hunderte Schwimmwesten an Bord haben. Im Notfall wird dann Hilfe angefordert.

Die aus Eigenmitteln und Spenden finanzierte Hilfsaktion hatte vor einem Jahr mit einem 100 Jahre alten Fischerboot, der "Sea-Watch", begonnen. 2015 seien mehr als 2.000 Menschen gerettet worden, sagte Initiator Harald Höppner. Im Herbst musste das alte Fischerboot nach mehrmonatigem Einsatz aus technischen Gründen aufgegeben werden. Seit einigen Monaten ist die Initiative mit schnellen Schlauchbooten auch in der Ägäis im Einsatz.

In diesem Jahr schon über 150.000 Menschen übers Mittelmeer geflohen

Höppner befürchtet negative Folgen durch die Bemühungen Europas, die Fluchtrouten über den Balkan zu schließen. "Die Flüchtlinge lassen sich aber davon nicht abhalten. Die Flucht wird weitergehen." Höppner vermutet, dass die Flucht sich wieder stärker ins zentrale Mittelmeer verlagern wird. Darauf bereitet sich die Initiative vor.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR sind seit Jahresbeginn 2016 mehr als 156.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es gut 23.000. Die meisten der Flüchtlinge, die seit Januar in Europa ankamen – nämlich mehr als 144.000 - reisten demnach über Griechenland ein. Das UNHCR geht von mehr als 460 Toten oder Vermissten bislang in diesem Jahr aus. Im gesamten Vorjahr waren es 3.771.

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