
Mit großer Mehrheit zum Nachfolger Matthias Platzecks gewählt - Dietmar Woidke führt jetzt die SPD in Brandenburg
Die erste Personalentscheidung ist gefallen: Dietmar Woidke ist neuer Chef der Brandenburger SPD. Er wurde auf einem Parteitag in Potsdam mit 95,8 Prozent der Stimmen gewählt. Woidke folgt auf Matthias Platzeck, der die SPD in der Mark 13 Jahre lang führte.
Dietmar Woidke ist neuer Chef der Brandenburger SPD. Der 51-Jährige wurde mit 95,8 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Matthias Platzeck gewählt, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgibt.
Woidke ist seit drei Jahren Innenminister des Landes. Am Mittwoch will er sich im Landtag als Ministerpräsident zur Wahl stellen. Angesichts der Mehrheit von SPD und Linker im Landtag besteht kein Zweifel, dass er die Abstimmung gewinnen wird.
In seiner Rede vor dem Parteitag bekannt esich Woidke zur Koalition mit der Linken. Er betonte zudem, er werde auch "weiter mit sehr klarer Kante allen Nazis und Rassisten entgegentreten", die das Zusammenleben bedrohten. In Brandenburg dürften Rechtsextreme "kein Bein auf den Boden bekommen". Brandenburg müsse ein offenes Land, ein Land der Toleranz sein.

"Haltet zusammen"
Der scheidende SPD-Vorsitzende Platzeck hatte zuvor in seiner Abschiedsrede seine Partei gemahnt, weiterhin Reformen anzustreben: "Setzt euch auch in Zukunft Ziele", gab er seinen Parteigenossen mit auf den Weg. "Haltet auch in Zukunft zusammen und geht auch in Zukunft dem Wind nicht aus dem Weg."
Als Ministerpräsident habe er sich vor elf Jahren drei Ziele gesetzt: eine einstellige Arbeitslosenqote, das Ende des Schuldenmachens und die Rückkehr abgewanderter Brandenburger, weil sie an die Zukunft des Landes glauben. Diese Ziele seien heute erreicht, sagte Platzeck vor den rund 130 Delegierten, die ihm mit langanhaltendem Applaus für seine Verdienste dankten - und zum Abschied ein Kanu schenkten. Damit könne er jetzt die schönsten Ecken des Landes unsicher machen, die er schließlich am besten kenne, meinte die designierte Generalsekretärin der Partei, Klara Geywitz, bei der Übergabe.
Woidke strebt Posten im Bundesvorstand an
Mit Dietmar Woidke bekommt die Brandenburger SPD den dritte Parteichef seit 1990. Zuvor führte bis 2000 der Pfarrer und Mitbegründer der Ost-SPD, Steffen Reiche, die märkischen Sozialdemokraten. Ihm folgte Platzeck.
Der 51-Jährige Woidke will auch für den Bundesvorstand seiner Partei kandidieren. Das sagte er in einem Interview den "Potsdamer Neuesten Nachrichten". Er wolle eine starke Stimme für das Land Brandenburg sein und für die Interessen der Ostländer eintreten.
Zuvor scheidet er als Innenminister aus dem Amt und stellt sich am Mittwoch im Potsdamer Landtag zur Wahl als Ministerpräsident.
Abschied von "seinen" Polizisten
Brandenburgs künftiger Ministerpräsident verlässt das Innenressort ungern. "Mir ist vieles ans Herz gewachsen. Die Polizei, die Feuerwehren, das Team", sagte der Lausitzer bei seinem Abschied von den rund 8.500 Polizisten.
Als Woidke im Oktober 2010 die Nachfolge von Platzeck-Freund Rainer Speer antrat, sorgte die umstrittene Polizeireform für hitzige Diskussionen. Im Gegensatz zu dem oft knurrigen Vorgänger, der unter anderem wegen einer Unterhaltsaffäre zurücktrat, konnte er in seiner knapp dreijährigen Amtszeit das Vertrauen der Beamten gewinnen.
Auch in seinem neuen Amt wolle er die Themen Kriminalitätsbekämpfung und ausreichend Polizisten für Brandenburg nicht aus den Augen verlieren. Das Land habe die längste Grenze nach Osten und Berlin als Kriminalitätsschwerpunkt in der Nachbarschaft. "Daraus muss man Konsequenzen für die Arbeit und die Stärke der Polizei ziehen."








