
Steckbrief: Dietmar Woidke - "Mit beiden Füßen fest auf märkischem Boden"
Dietmar Woidke ist ein Mann mit gesundem Erdkontakt, ein gestandener Volksvertreter in der Brandenburger Politik. Matthias Platzeck lobte ihn am Montagabend in höchsten Tönen: "Er ist einfach ein Typ. Er steht mit beiden Füßen auf märkischem Boden."
Seit fast 20 Jahren ohne Unterbrechung gehört er zur Stammbesetzung im Potsdamer Landtag, er war SPD-Fraktionschef und Umweltminister. Der 52-jährige gebürtige Lausitzer ist seit Jahren ein enger Vertrauter von Matthias Platzeck und galt schon lange als Kronprinz - wenn auch noch lange nicht so bekannt bei den Menschen im Land wie sein Vorgänger im Amt. Der promovierte Agraringenieur vertritt als Direktkandidat den Landkreis Spree-Neiße, der im Südosten Brandenburgs die Stadt Cottbus umschließt.
Im Vergleich zu seinem oft knurrigen Minister-Vorgänger Rainer Speer gilt Innenminister Woidke allgemein als umgänglich und meist gut gelaunt. Zwar setzte er die Pläne für eine umstrittene Polizeireform fort, schlug aber eher versöhnlichere Töne an und suchte den Kontakt zu den Menschen, die von den Kürzungen betroffen sind. Und Woidke ging gegen frührere Stasi-Spitzel im Polizeidienst vor, was ihm auch Anerkennung bei der CDU brachte.

Keine Berührungsängste
Einen ersten Schub bekam seine Karriere 2004. Damals wurde er für fünf Jahre Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz. Davor war der verheiratete Vater einer Tochter, der an der Humboldt-Universität in Berlin Landwirtschaft, Tierproduktion und Ernährungsphysiologie studiert hat, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.
Woidke stammt aus Naundorf bei Forst an der deutsch-polnischen Grenze, Jahrgang 1961. 1990 wurde der Diplom-Agraringenieur Leiter der wissenschaftlichen Abteilung eines Futtermittel-Unternehmens und arbeitete einige Jahre in Bayern. 1993 trat er in die SPD ein. Zu DDR-Zeiten sei er "in der Berliner Studentengemeinde politisiert" worden, erinnerte sich Woidke später.
Anfang dieses Sommers musste Woidke sich schon mal als Krisenmanager beweisen, als Brandenburg unter Wasser stand. Und im Juli war sein Name in den Schlagzeilen, als er ein bundesweites Verbot gegen Clubs der Rockergruppe Hells Angels forderte und gleich danach zwei Gruppen in seinem Bundesland stoppte. In Zukunft werden Woidkes Chefkompetenzen wohl häufiger gefragt sein.
Mit Abstand bekanntester und beliebtester Politiker in Brandenburg ist Platzeck, den 93 Prozent der Wahlberechtigten kennen und - trotz aller Rückschläge - 61 Prozent positiv bewerten. Die Zustimmung zu ihm betrug allerdings schon mal 80 Prozent. Dennoch hinterlässt er seinem Nachfolger große Schuhe.

