
Schlüsselübergabe für das Stadtschloss - Land in Sicht beim neuen Potsdamer Landtag
Die altrosa Barockfassade strahlt, die Büros sind fertig und die Bauarbeiter ziehen langsam ab. Fünf Monate vor der Eröffnung befindet sich der Neubau des Potsdamer Landtags auf der Zielgeraden. Bis dahin war es ein langer Weg.
Im Innenhof grünt bereits der Rasen und in den rund 390 Abgeordnetenbüros werden die Möbel drapiert: Die Eröffnung des neuen Brandenburger Landtags am 21. Januar 2014 rückt in sichtbare Nähe. Der Parlamentsbetrieb läuft im September schon mal langsam im Probemodus an. Mit Monatsbeginn hat die Baufirma BAM Deutschland das Gebäude an die Bauherren im Finanzministerium offiziell übergeben.
Schlicht und modern wird sich der neue Landtag präsentieren. Weiße Wände und als Farbtupfer ein roter Teppich in der Landesfarbe Brandenburgs.

Alles neu, alles besser
Drei Monate lang werden Technik, Akustik, Klima- und Lüftungsanlagen im Plenarsaal, den Sitzungsräumen und Büros getestet.
Am 21. Januar 2014 ist es soweit: Der Neubau in Potsdam wird mit einer Festveranstaltung offiziell eingeweiht. Als Redner ist Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geladen, außerdem werden Vertreter anderer deutscher Landesparlamente dabei sein. Bereits am Wochenende zuvor können sich die Bürger das Gebäude in der Potsdamer Stadtmitte anschauen.
Sollte der Zeitplan eingehalten werden, finden am 22. und 23. Januar 2014 die ersten Plenarsitzungen im neuen Haus statt. Dann beginnt die Alltagsarbeit – unter deutlich besseren Bedingungen als im alten, schäbigen Gebäude auf dem Brauhausberg. Landtagspräsident Gunter Fritsch lobte bereits die verbesserten Arbeitsbedingungen. Vor allem die technische Ausstattung und die Bewegungsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen seien sehr gut.
Querelen und Verzögerungen
Ursprünglich sollte das neue Landtagsgebäude mit der historischen Schlossfassade bereits im Herbst 2012 fertig sein. Doch zuletzt hatte es von Seiten des Parlaments immer wieder Nachbesserungswünsche gegeben, unter anderem beim Einbau moderner Medientechnik. Auch die Insolvenz des Sandstein-Lieferanten Sächsische Sandsteinwerk GmbH und der Streit über Zahlungsmodalitäten hatten für Verschiebungen gesorgt. Noch im Februar 2013 wollte man gar keinen Starttermin ins Auge fassen. Der Dresdner Architekt Peter Kulka hatte lapidar erklärt: "Ich würde mir wünschen, dass es bald klappt."
Derzeit bereiten die Sandsteinwerke eine Klage gegen die Projektleitung, die BAM Deutschland AG (Stuttgart), vor. Laut Geschäftsführer Helgi Heumann verlangt die BAM 4,5 Millionen Euro von den Sandsteinwerken. Das Unternehmen fordert seinerseits 2,95 Millionen Euro für die Arbeiten an der Außenfassade des prestigeträchtigen Landtagsneubaus.
Der Neubau wird – erwartungsgemäß – teurer als geplant. Ursprünglich waren rund 120 Millionen Euro veranschlagt worden. Doch es könnten Mehrkosten von über 18 Millionen Euro anfallen.
Aus der Brache wuchs ein Schloss
Seit 1. März 2010 wird auf dem Grundriss des ehemaligen Stadtschlosses in der Potsdamer Mitte ein modernes Parlament errichtet. Das Original-Schloss war nach den Plänen des Baumeisters Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) erbaut worden. Nach schweren Schäden durch den Zweiten Weltkrieg, riss die DDR-Führung die Ruine 1959 gegen den Protest vieler Bürger und Kulturschaffender ab.
Der Dresdner Architekt Peter Kulka entwarf den Neubau im historischen Gewand, mit einer Fassade, die viele Originale enthält, beispielsweise große Schmuckelemente aus Sandstein. Die Reliefs waren während der Bombardierung des Stadtschlosses im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden. Sie waren danach eingelagert worden und wurden restauriert. Spenden des Software-Unternehmers Hasso Plattner ermöglichten die Wiederherstellung der historischen Fassade und ein Kupferdach.
Der neue Landtag wird auch optisch eine Bereicherung für Potsdam sein: Vor drei Jahren war das Gelände noch eine Brache zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt.
Mit Informationen von Alex Krämer




