Brandenburg aktuell | 19.01.2014 | Beitrag von Hanno Christ
"Dieses Besucher-Echo ist phänomenal" -
Potsdamer Landtag wird zum Besuchermagneten
Auf dieses Ereignis haben viele Brandenburger lange gewartet - und das im wörtlichen Sinne. Lange Schlangen bildeten sich auch am zweiten Tag der offenen Tür im neuen Potsdamer Landtag. Mehr als 22.000 Besucher strömten am Wochenende nach Potsdam, um den Neubau des einstigen Stadtschlosses in Augenschein zu nehmen.
Laute Fanfaren und brechend volle Flure: Der neue Potsdamer Landtag ist auch am Sonntag ein absoluter Besuchermagnet gewesen. Mehr als 22.000 Besucher strömten an den beiden Tagen des Eröffnungswochenendes in den Neubau des einstigen Stadtschlosses. "Dieses Besucher-Echo ist phänomenal", resümierte Landtagssprecherin Katrin Rautenberg am Sonntag. "Wir haben keinen Interessierten abgewiesen."
Ursprünglich seien pro Besuchstag nur 8.000 Eintrittskarten vergeben worden. "Wir haben aber gemerkt, dass wir mehr Leute hereinlassen können", so Rautenberg. Der Mix aus historischer Fassade und modernem Innenleben sei hervorragend angekommen.
Tausende Brandenburger - und nicht wenige Berliner - sind am Samstag zur Eröffnung des neuen Landtags zu Potsdam gekommen. Die Tickets waren schnell vergriffen, viele Besucher mussten lange vor dem Gebäude auf Einlass warten. Doch es hat sich gelohnt: So friedlich und zufrieden hat man Bürger und Politiker selten auf einem Fleck gesehen. Nur zwei altbekannte Problemfälle belasteten das Klima. Reportage von Sebastian Schöbel
Landtagspräsident Fritsch : "Nehmen Sie es in Besitz!"
Am Samstag hatte der 72-Jährige zu den Klängen von Fanfaren das Fortunaportal zum riesigen Innenhof des neuen Potsdamer Landtags für die Bürger geöffnet. "Nehmen Sie es in Besitz!" rief Fritsch, bevor die erste Delegation mit Bürgern aus allen Landkreisen und Städten Brandenburgs das neue Parlament im historischen Gewand des Stadtschlosses stürmte.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem "wunderbaren Tag für Brandenburg": "Dass die Bürger nun ein Haus haben, dass dem Land würdig ist."
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge, mahnte in einem Festgottesdienst in der Nikolaikirche: "Wir dürfen nicht aufhören, daran zu erinnern, dass ein solches Fest wie heute, vor 25 Jahren, im Januar 1989, noch nicht möglich gewesen wäre."
Knobelsdorff-Treppenhaus, Plenarsaal und weißer Adler
Hunderte Menschen warteten bereits am Samstagvormittag auf dem Alten Markt auf Einlass. Architekt Peter Kulka rief die Besucher zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Neubau aus modernem Innenleben und historischer Fassade auf. "Es darf gemeckert werden, aber seien sie gnädig und denken sie daran, wie komplex die Aufgabe war."
Höhepunkte des Rundgangs waren das Treppenhaus, das nach dem originalen Entwurf des preußischen Architekten von Knobelsdorff gestaltet wurde, der neue Plenarsaal mit dem umstrittenen weißen Adler an der Wand und der Blick von der Dachterrasse über das Kupferdach des Schlosses auf die Dächer von Potsdam.
Im Erdgeschoss war durch einen Glasboden der Blick auf die denkmalgeschützten Überreste und die Bodenfliesen des einstigen kurfürstlichen Speisesaals möglich. Auch die Büros von Landtagspräsident Gunter Fritsch und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) standen den Besuchern offen.
Die Eröffnung
Brandenburg aktuell | 18.01.2014 - Der erste Tag im neuen Landtag
Der neue Landtag in Potsdam hatte an Wochenende für Besucher geöffnet. Viele Interessierte kamen von weit her, um sich das repräsentative Gebäude innen und außen anzuschauen. Beiträge von Michael Schon, Thomas Reinke, Dirk Platt und Tina Rohowski
Hitler, Goebbels und Stalin
Die Besucher konnten sich zudem selbst ein Urteil über die umstrittene Ausstellung des Berliner Malers Lutz Friedel mit 121 verfremdeten Porträts bilden, darunter auch Ansichten von Hitler, Goebbels und Stalin. Die CDU hatte die Ausstellung "Ich! Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003", die auch etwa Helmut Schmidt, Bob Dylan und Anne Frank zeigt, als unpassend für einen Landtag kritisiert. Das Landtagspräsidium hatte jedoch am Mittwoch entschieden, dass die Bilder trotz der Kritik nicht abgehängt werden.
Auch nach dem Wochenende haben Interessierte Gelegenheit, das neue Parlament kennenzulernen. "Wir wollen ein offenes Haus für alle sein", sagte Landtags-Sprecherin Katrin Rautenberg. Von Februar an können immer am Freitag nachmittags jeweils 180 Besucher nach Anmeldung über die Website des Landtags an Gruppenführungen teilnehmen. Virtuell ist über die Website schon längst ein Rundgang über ein 360-Grad-Panorama möglich.
Hell erleuchtet strahlt die Fassade des Potsdamer Stadtschlosses am Samstagabend. Mehr als 22.000 Besucher strömten am Eröffnungswochenende nach Potsdam, um sich den neuen Landtag anzuschauen.
Mit einer Lichtshow auf dem Alten Markt werden am Samstagabend das Fortunaportal und Teile der neuen Fassade des neuen Landtages im Stadtschloss Potsdam farbig angestrahlt.
Auch Rot steht ihm gut, dem neuen Landtagsgebäude in Potsdam. Am 22.01.2014 findet die erste reguläre Sitzung statt.
Adler in der Abenddämmerung: Unter der Fahne des Brandenburger Wappens haben sich zahlreiche Besucher auf der Aussichtsplattform versammelt.
Schon am Samstagmorgen warten tausende Besucher vor dem Stadtschloss auf Einlass. Der große Andrang hat die Landtagsverwaltung merklich überrascht, sie erweitert als Reaktion das Ticketkontingent.
Das Empfangszelt auf dem Alten Markt ist schon vor dem offiziellen Einlass um 10 Uhr rappelvoll. Zwischenzeitlich müssen die Organisatoren mit Schildern darauf hinweisen, dass es keine Tickets gibt.
Am Rande der Landtagseröffnung demonstrieren Anwohner des BER gegen Nachtflüge auf dem neuen Flughafen.
Dieser Alter-Fritz-Darsteller verbreitet eine bisschen preußischen Glanz. Der echte Friedrich II. konnte dem Stadtschloss hingegen nie viel abgewinnen.
Finanzminister Helmuth Markov (re.) lobt Architekt Peter Kulka in den höchsten Tönen und würde ihm sogar "einen Nobelpreis für Architektur" verleihen, wenn es sowas gäbe.
Später muss sich Kulka für den weißen Adler im Plenarsaal verteidigen. Das Wappentier Brandenburgs ist eigentlich rot, was viele Besucher auch monieren. Doch laut Kulka passe ein roter Adler nicht in sein Raumkonzept.
Das Notausgangsschild unter dem Adler will Kulka übrigens auch noch entfernen lassen, aus ästhetischen Gründen - aber da wird er wohl an der Landtagsverwaltung scheitern.
Der "Schlossherr" sperrt auf: Landtagspräsident Fritsch öffnet das Fortunaportal.
Ministerpräsident Dietmar Woidke begrüßt Delegationen aus ganz Brandenburg.
Sichtlich gut gelaunt: Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck folgt der ersten Welle von Besuchern - mit einigem Abstand.
Durch das Knobelsdorff-Treppenhausging im Erdgeschoss ging es hinein in den Landtag.
Vom Architektenmodell zur Realität: Das Stadtschloss.
Die Besuchertribüne des Plenarsaals.
Landtagspräsident Fritsch erläutert die moderne Technik im Plenarsaal.
Ebenfalls eingeladen: Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki.
Es wäre auch noch Platz für die Berliner Abgeordneten, hebt Fritsch hervor, falls Berlin und Brandenburg doch einmal fusionieren.
So sehen die Arbeitsplätze der Abgeordneten im Plenarsaal aus.
Wegweiser im ersten Stock. Dort, wo jetzt der Landesrechnungshof sitzt, könnten einst Berliner Volksvertreter einziehen.
Besonders gefragt an diesem Tag ist ein Autogramm von Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck. Vor seinem Büro im ersten Stock bildet sich schon kurz nach der Eröffnung eine lange Schlange.
Platzecks Wahlkreis und der Ort, wo er seinen Ruhestand verbringen will: Die Uckermark.
Die Partei "Die Linke" hat sich für die Eröffnung ein besonderes Geschenk für Besucher ausgedacht: Ein Nistkasten für Vögel.
Auch die anderen Parteien im Landtag verteilen jede Menge Mitbringsel.
Eine Frau betrachtet Bilder, die auf einem der Stockwerke ausgestellt werden. Doch nicht jedes Kunstobjekt im neuen Landtag gefällt den Besuchern.
Besonders umstritten: Das Porträt von Adolf Hitler, Teil einer Ausstellung des Künstlers
Lutz Friedel. Die insgesamt 112 Werke zeigen berühmte Menschen der Geschichte, darunter auch Stalin, Goebbels und eben Hitler. Schon vor der Landtagseröffnung war die Schau umstritten.
Der Blick von der Terrasse im 4. Stock.
"In Besitz nehmen" sollten die Brandneburger den Landtag bei der Eröffnung. Taten sie dann auch: Delegationen aus der ganzen Mark strömten zur Eröffnung in das Gebäude und ließen die Wappen ihrer Landkreise und Städte da. Weitere Bildergalerien gibt es hier.
Die Entscheidung ist gefallen: Die Porträts von Hitler, Goebbels und anderen Diktatoren im Brandenburger Landtag werden nicht abgehängt. Die CDU hatte sich gegen die Ausstellung gewehrt, konnte sich aber nicht durchsetzen. Doch die Schau bleibt umstritten - und wird wohl für Diskussionsstoff beim Tag der offenen Tür sorgen.
Mehr als drei Jahre wurde am neuen Potsdamer Stadtschloss gebaut. Bevor die Abgeordneten ihre Büros bezogen haben, mussten Gebäude und Technik noch auf Herz und Nieren geprüft werden. Dem Zufall sollte nichts überlassen bleiben: Deshalb gab es im Testbetrieb richtig Rabatz auf der Tribüne.
Möglicherweise findet der Streit um den weißen Adler doch noch ein gutes Ende. Nach einem Gespräch mit Landtagspräsident Gunter Fritsch zeigte sich der Architekt des neuen Landtagsgebäudes, Peter Kulka, am Montag kompromissbereit. Er könne sich unter bestimmten Bedingungen auch einen roten ...