Außenaufnahme des Notaufnahmelagers Marienfelde (Quelle: dpa)

Auch Verwandtennachzug soll erlaubt werden - Berlin bereitet sich auf syrische Flüchtlinge vor

Deutschland hat sich verpflichtet, 5.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Mehr als 100 sind schon im niedersächsischen Friedland angekommen. Sie werden nach einem bestimmten Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. In Berlin sollen bis Anfang Oktober 250 von ihnen eintreffen. Zudem dürfen hier lebende Syrer enge Verwandte bei sich aufnehmen. Nina Amin berichtet über die Vorbereitungen.

Farisa Al Ahmed und Sylke Berlin kümmern sich schon seit Monaten um syrische Kriegsflüchtlinge, die es auf eigene Faust nach Berlin geschafft haben. "Organisation für Menschenrechte in den arabischen Staaten", kurz Omras, heißt der Verein, bei der sich die beiden jungen Frauen engagieren.

Farisa al Ahmad hat syrische Wurzeln. Sie studiert Politikwissenschaften und schreibt gerade ihre Diplomarbeit über die Lage in Syrien. Und sie spricht Arabisch - eine wichtige Voraussetzung, um den Flüchtlingen helfen zu können. "Besonders in den Ämtern - Jobcenter, Ausländerbehörde - ist es für die Leute sehr schwer, sich auszudrücken und klarzumachen, was sie jetzt brauchen", sagt die junge Frau.

Dolmetschen bei Behördengängen ist eine der Hauptaufgaben der beiden Menschenrechtsaktivistinnen. Aber auch Freizeitangebote für traumatisierte Familien aus dem Kriegsgebiet seien wichtig, meint Sylke Berlin: "Eine Idee war, dass wir eine Art Broschüre entwickeln, in der Spielplätze, Fußballplätze und Schwimmbäder in der näheren Umgebung aufgelistet sind - in Deutsch und in Arabisch."

Kapazitäten im Aufnahmelager Marienfelde geschaffen

Bei der Sozialverwaltung freut man sich über zusätzliche Hilfe bei Sprachproblemen oder zur Unterhaltung der Kinder. Denn die Behörde hat alle Hände voll zu tun, Flüchtlinge in Berlin überhaupt unterzubringen. Es werden dringend mehr Plätze gebraucht. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagt, man schaue "wöchentlich neu", wo die Menschen untergebracht werden können.

Auf die Ankunft der syrischen Flüchtlinge aus dem Bundesprogramm sei Berlin aber vorbereitet: "Wir haben aktuell vor, sie im ehemaligen Aufnahmelager für Spätaussiedler und früher DDR-Bewohner in Marienfelde unterzubringen. Dafür haben wir freie Kapazitäten geschaffen." Wann genau die Syrer in Berlin ankommen, kann Czaja noch nicht sagen. Wahrscheinlich erst Anfang Oktober.

Linke: Deutschland nimmt zu wenige Syrer auf

Die Linke fordert, dass Deutschland noch mehr Flüchtlingen Zuflucht gewähren soll. "Wenn man sich die Nachbarstaaten Türkei, Ägypten und andere Länder anguckt, die bereits über zwei Millionen Flüchtlinge übernommen haben, ist die Zahl 5000 natürlich lange nicht ausreichend", sagt Hakan Tas von der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus.

Die Entscheidung, ob noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland geholt werden, fällt das Bundesinnenministerium. Momentan ist davon nicht die Rede.

Berlin will Verwandtennachzug erlauben

Die Berliner Innenverwaltung will Syrern in Berlin jetzt immerhin ermöglichen, ihre engen Verwandten nachzuholen. Die Kosten für Unterbringung und Lebensunterhalt müssten allerdings von den hier lebenden Angehörigen übernommen werden. Auch die Reise nach Berlin muss selbst organisiert werden.

Doch dies sei schwierig, kritisiert der Berliner Flüchtlingsrat: Momentan bekämen nur die wenigsten Syrer in der Region überhaupt Ausreisevisa.

Beitrag von Nina Amin