
Info-Abend einer Bürgerinitiative gegen Rechts - Anwohner in Berlin-Britz zeigen sich offen für Asylunterkunft
Im Neuköllner Ortsteil Britz ist ein neues Asylbewerberheim geplant. Eine Bürgerinitiative will Diskussionen wie die um die Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf verhindern und hatte am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Dabei sprachen sich die meisten Redner dafür aus, den Asylbewerbern Ruhe, Sicherheit, Hilfe und Unterstützung zu bieten.
Bloß kein zweites Hellersdorf, lieber gleich von Anfang an mit den Anwohnern ins Gespräch kommen - das ist das erklärte Ziel der Bürgerinitiative "Hufeisern gegen Rechts" in der Neuköllner Hufeisensiedlung. Rund 500 Bürger kamen am Donnerstagabend zu ihrer Informationaveranstaltung in die Fritz-Karsen-Schule im Ortsteil Britz, und der Andrang war sogar noch größer. Die Bürgerinitiative sehe sich in der humanistischen Tradition der Hufeisensiedlung, sagte ihr Sprecher Jürgen Schulte.
Die oft vor Krieg, Terror, Folter und Verfolgung fliehenden Menschen brauchten Hilfe, fuhr Schulte fort. Von den Zuhörern gab es Beifall dazu. Mehrere Redner forderten, die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin zu verbessern und mehr Geld, Sozialarbeiter und psychische Betreuung zur Verfügung zu stellen.
NPD-Demonstration mit 500 Metern Abstand
Der Info-Abend bildete so den kompletten Gegensatz zu einer ähnlichen Veranstaltung in Berlin-Hellersdorf vor zwei Monaten. Dort hatten Anwohner in einer vom Bezirk organisierten Informationsveranstaltung Ängste und Sorgen wegen Lärm, Dreck und Kriminalität durch die Flüchtlinge im Heim in der Carola-Neher-Straße geäußert. Die ablehnende Stimmung war stark durch die NPD aufgeheizt worden, die ausländerfeindliche Parolen verbreitete.
In Neukölln dagegen musste die NPD draußen bleiben. Sie demonstrierte 500 Meter entfernt und unbeachtet gegen das Heim. Die Polizei hatte die Straße, in der die Schule liegt, weiträumig abgesperrt.
Buschkowsky wiederholt seine Bedenken
Für Diskussion hatte vor der Veranstaltung Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) gesorgt. Er hattte kritisiert, dass die Bürgerinitiative die Anwohner für ihr Engagement gegen Rechts instrumentalisiere. Obwohl er nicht eingeladen war, nahm er an der Veranstaltung teil und wiederholte auf Nachfrage seine Bedenken, dass die unmittelbaren Anwohner nicht angemessen berücksichtigt würden. "Ich habe ein bisschen Fragen der Anwohner vermisst, dort, wo die Unterkunft hinkommt. Das waren ja mehr allgemeinpolitische Statements", sagte Buschkowsky nach der Veranstaltung.
Das Heim für rund 400 Asylbewerber wird auf einem Grundstück an der Neuen Späthstraße / Haarlemer Straße in Britz gebaut. Bauherr ist der Berliner Senat. Das Grundstück wurde dem Senat von einem Berliner Unternehmer kostenlos zur Verfügung gestellt. Umstritten ist, wo genau auf dem Grundstück die Unterkünfte entstehen sollen - näher zur Haarlemer Straße oder näher zum Teltowkanal.




