Junge in einem Asylbewerberheim (dpa, 2013)

Gemeinschaftsunterkünfte reichen nicht - Potsdam bringt Flüchtlinge jetzt in Wohnungen unter

Es ist eine der zentralen Forderungen von Organisationen, die sich für die Belange von Flüchtlingen in Deutschland einsetzen: das Ende der Unterbringung in Heimen. Potsdam will nun mehr Flüchtlinge in normalen Wohnhäusern unterbringen und dafür 20 Wohnungen zur Verfügung stellen. Doch auf Gemeinschaftsunterkünfte kann die Stadt offenbar nicht ganz verzichten.

Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam will mehr Flüchtlinge in normalen Wohnhäusern statt Heimen unterbringen. Dazu will die Stadt 20 Wohnungen mit einer Größe von 25 bis 65 Quadratmetern in zwei Häusern der städtischen Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam zur Verfügung stellen, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Zusätzlich soll ein neues Wohnheim errichtet werden.

Die Zahl der Flüchtlinge in Brandenburg hat dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen. Das Sozialministerium in Potsdam rechnet damit, in diesem Jahr etwa 3.300 Asylbewerber aufnehmen zu müssen. Das wären fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Flüchtlinge kommen vorerst in einem Interims-Heim unter

Derzeit verfügt Potsdam den Angaben zufolge über 193 Plätze in zwei Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, die alle belegt sind. Zusätzlich müssten weitere 103 Asylsuchende aus der zentralen Aufnahmestelle Eisenhüttenstadt in Potsdam untergebracht werden, hieß es weiter. In den vergangenen Monaten seien deshalb mehr als 40 verschiedene Grundstücke geprüft worden, um ein Areal für eine weitere Gemeinschaftsunterkunft zu finden. Die Flüchtlinge sollen nun vorübergehend in einem Interims-Heim in der Haeckelstraße wohnen.

Die Stadt habe zudem ein bis Ende 2014 befristetes Hilfsangebot aus Frankfurt an der Oder angenommen, 20 der Potsdam zugewiesenen Flüchtlinge vorübergehend aufzunehmen. Eine Vereinbarung darüber soll noch in der laufenden Woche unterzeichnet werden. Die Kosten für die Unterbringung und Betreuung trägt die Stadt Potsdam.

Immer wieder sorgt die Unterbringung von Flüchtlingen für öffentliche Diskussionen. Vor einem künftigen Asylbewerberheim in Premnitz (Havelland) hatten in der Nacht zum 18. September Unbekannte eine Mülltonne in Brand gesteckt. Wie die zuständige Polizeidirektion am Donnerstag mitteilte, hat der polizeiliche Staatschutz nun eine Ermittlungsgruppe zu dem Fall gegründet. Die Flammen beschädigten auch die Eingangstür der ehemaligen Förderschule. Ab 2014 sollen dort 90 Asylbewerber unterkommen. Anfang September demonstrierten NPD-Mitglieder vor dem Objekt.

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