Asylbewerberheim in Eisenhüttenstadt (Quelle: dpa)

Trotz gestiegener Flüchtlingszahlen - Zu wenige Wohnungen für Asylbewerber in Brandenburg

Obwohl in diesem Jahr 1.400 Asylbewerber mehr nach Brandenburg kamen, als ursprünglich geplant, stehen ihnen weniger Wohnungen zur Verfügung als 2012. Die Gemeinschaftsunterkünfte sind an vielen Orten überfüllt - obwohl Wohnungen leerstehen. Das Sozialministerium wiegelt ab: Alle Landkreise und Städte seien ihren Verpflichtungen inzwischen nachgekommen.

Die Zahl der Flüchtlinge in Brandenburg steigt weiter - aber die Landkreise und kreisfreien Städte halten damit noch immer nicht Schritt. Gegenüber 2012 ist die Zahl der Asylbewerber um 17 Prozent gestiegen, teilte das Landesamt für Soziales und Versorgung in Cottbus mit. Demnach leben momentan 3.557 Asylbewerber in Brandenburg, bis Ende des Jahres muss das Land mindestens 3.614 Menschen aufgenommen haben - das sind 1.400 mehr, als die Regierung ursprünglich eingeplant hatte.

Bei der Einrichtung zusätzlicher Wohnungen für Flüchtlinge liegen die Kommunen aber offensichtlich weit hinter den Zielen zurück: Obwohl weit mehr Asylbewerber in Brandenburg leben als 2012, ist die Zahl derer, die in Wohnungen untergebracht sind, sogar noch gesunken. Im vergangenen Jahr lebten laut zuständigem Landesamt 1.032 Asylbewerber in Wohnungen - im September 2013 waren es lediglich 891, ein Rückgang um 13 Prozent. Im kommenden Jahr will die Landesregierung zusätzlich 12,5 Millionen Euro für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitstellen - besonders in Wohnungen sollen die Kommunen investieren.

80 Prozent der Flüchtlinge kommen mit ihrer Familie

Schon jetzt aber besteht dringender Bedarf: Die meisten der 28 Gemeinschaftsunterkünfte im Bundesland sind überfüllt und dringend sanierungsbedürftig. Das aktuelle Unterbringungskonzept der rot-roten Regierung sieht vor, dass Asylbewerber maximal zwölf Monate in diesen Unterkünften bleiben müssen. Danach sollen sie von den Kommunen in Wohnungen untergebracht werden - selber können sie keine mieten, da sie keine Arbeitserlaubnis erhalten. Durch die Unterbringung in Wohnungen anstatt in einem der oft abgelegenen Heime sollen die Flüchtlinge bessere Chancen erhalten, sich zu integrieren und mehr Platz bekommen - etwa 80 Prozent der Flüchtlinge kommen als Teil ihrer Familie.

Doch die Realität ist eine andere. Dabei könnten viele Kommunen bereits heute leichter Wohnungen für Asylbewerber mieten, als noch vor wenigen Jahren. Der Leerstand ist besonders in den Regionen abseits des Berliner Speckgürtels gestiegen und wird das nach Ansicht von Experten weiter tun. Nach Angaben des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) stehen durchschnittlich etwa zehn Prozent der Wohnungen von dessen Brandenburger Mitgliedsunternehmen leer.

Immerhin: Was die bloße Aufnahme der Flüchtlinge angeht, haben die Landkreise und kreisfreien Städte ihren Rückstand mittlerweile offenbar aufgeholt. "Alle haben die Vorgaben inzwischen erfüllt", sagte ein Sprecher des Sozialministeriums rbb online. Die Lage sei "relativ im grünen Bereich". Bis vor einigen Wochen noch hatten acht von 14 Kommunen zu wenige Asylbewerber aufgenommen. Sozialminister Günter Baaske (SPD) hatte ihnen deshalb eine Frist bis spätestens Mitte Dezember gesetzt, zu der sie zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten bereitstellen mussten. Diese Frist, so Baaskes Sprecher, habe nun außer Vollzug gesetzt werden können.

Unterkünfte für Asylbewerber in Brandenburg

Hintergrund

  • Wie viele Asylbewerber leben in Brandenburg?

  • Wo sind sie untergebracht?

  • Wo sind weitere Heime geplant?

  • Wer trägt die Kosten für die Flüchtlinge?

  • Was sagen Anwohner zu den geplanten Heimen?

Erstaufnahme-Unterkunft für Asylsuchende in Berlin (Bild: dpa)

Private Betreiber von Unterkünften in der Kritik - Das unkontrollierte Geschäft mit den Flüchtlingen

32 Asylbewerberunterkünfte gibt es in Berlin, aber sie reichen angesichts steigender Flüchtlingszahlen längst nicht mehr aus. Das Land sucht deshalb neue Unterkünfte privater Immobilienbetreiber. Doch nach Informationen des rbb kontrolliert es dabei bisher kaum, ob diese die zugesicherten Wohnbedingungen auch erfüllen. An einer Notunterkunft in Grünau hat es deswegen Kritik gegeben. Von Adrian Bartocha und Olaf Sundermeyer