Bundespräsident Joachim Gauck im Oberstufenzentrum Handel in Berlin (Bild dpa)

Gauck unterstützt Proteste gegen NPD - "Den Spinnern die Grenzen aufzeigen"

Tagelang war Berlin-Hellersdorf in den bundesweiten Schlagzeilen, weil Rechtsextreme gegen ein neues Flüchtlingsheim hetzten. Dabei waren die Anti-Nazi-Demos deutlich größer - und bekommen nun Lob vom Bundespräsidenten.

Mehr als tausend Jugendliche werden am Wochenende in Berlin-Hellersdorf zu einem Festival und einem Fest gegen Rassismus und Rechtsextremismus erwartet. Beide Veranstaltungen finden auf dem Alice-Salomon-Platz statt.

Am Freitag wird beim Jugendfestival "DiveRcity" HipHop, Reggae, Dancehall und Soul zu hören sein. Als Hauptkünstler wird der deutschsprachige Reggae- und HipHop-Künstler Nosliw auftreten. Hellersdorfer Jugendliche hätten ihn angesichts wachsender Ausländerfeindlichkeit in ihrem Stadtteil bewusst eingeladen, sagte ein Sprecher des Vereins "Roter Baum Berlin", der das Festival veranstaltet. Nosliw ist für politisch engagierte Texte bekannt, die soziale Missstände in den Blick nehmen.

Geplant sind außer der Musik auch Darbietungen von Skatern, Kletterern und Graffitikünstlern.

Gauck: "Den Spinnern die Grenzen aufzeigen"

Bereits vor sechs Wochen hatte Bundespräsident Joachim Gauck demonstrativ einen Gottesdienst in Hellersdorf besucht. Am Donnerstag begrüßte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler die Demonstrationen gegen die rechtsextreme NPD im Bezirk. "Wir brauchen Bürger, die auf die Straße gehen und den Spinnern ihre Grenzen aufweisen. Dazu sind Sie alle aufgefordert", sagte Gauck vor Schülern eines Oberstufenzentrums in Berlin-Kreuzberg.

So lange die NPD nicht verboten sei, müsse man deren Ansichten allerdings ertragen, meinte Gauck weiter. "Ich bin stolz, Präsident eines Landes zu sein, in dem die Bürger ihre Demokratie verteidigen."

"Schöner leben ohne Nazis"

Beim Fest "Schöner Leben ohne Nazis" am Samstag wollen nach Veranstalterangaben über 40 Vereine, Initiativen, Parteien, Ämter, Gewerkschaften und Religionsgemeinschaften ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzten. Geplant sind Infostände, Tanz- und Theatershows.  

Beide Veranstaltungen finden auf dem Alice-Salomon-Platz in Berlin-Hellersdorf statt, der in den vergangenen zwei Wochen Schauplatz rechtsextremer Proteste und Gegenveranstaltungen war.

Hellersdorf war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, nachdem Rechtsextreme und Anwohner gegen ein neues Asylbewerberheim Stimmung gemacht hatten.

Lage am Heim entspannt sich

Nach dem von Protesten begleiteten Einzug der Flüchtlinge ist vor Ort offenbar Ruhe eingekehrt. Die Lage beginne sich allmählich zu normalisieren, teilte das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf am Donnerstag in Berlin mit. Vorangegangen waren unter anderem vier "Dialogrunden" mit unmittelbaren Anwohnern der Unterkunft.

In der kommenden Woche lädt die amtierende Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) deshalb die Medien zu einem Gespräch ein, um über Nachbarschaftsdialoge, Hilfsangebote für Flüchtlinge und die Lage rund um das Flüchtlingsheim in der Carola-Neher-Straße zu informieren.

Das Bezirksamt gehe vor Ort "weiter gemeinsam mit dem Betreiber der Flüchtlingsunterkunft den Weg des Nachbarschaftsdialoges und der Verständigung". Unterstützt werde es dabei von der Bezirklichen Koordinierungsstelle "Polis*", dem Mobilen Beratungsteam "Ostkreuz", Organisationen und vielen Bürgern, hieß es weiter.

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt (Foto: dpa)

Hellersdorf - Polizeichef Kandt befürchtet wochenlange Proteste

Die andauernden Proteste gegen das neue Flüchtlingsheim in Hellersdorf sind jetzt auch Thema im Berliner Abgeordnetenhaus. Polizeipräsident Kandt erklärte im Innenausschuss, er gehe davon aus, dass die Demonstrationen noch Wochen andauern werden. Die Gefahr bestehe vor allem in der Konfrontation zwischen Linken und Rechten. Der Ausschuss-Vorsitzende Peter Trapp will Flüchtlinge jetzt lieber in kleineren Wohneinheiten unterbringen lassen, um Konflikte zu vermeiden.