Abendschau | 26.11.2013 | Interview mit Frank Henkel (CDU)
Bezirk hat bis zum 16. Dezember Zeit -
Innensenator Henkel stellt Ultimatum für Camp-Räumung
Jetzt schaltet sich der Berliner Senat ganz konkret in den Streit um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz ein. Innensenator Henkel kündigt an, die Zelte auf eigene Faust entfernen zu lassen, wenn es der Bezirk nicht tut. Bürgermeisterin Herrmann legte er indirekt den Rückzug nahe. Die wiederum wirft Henkel vor, die Nerven zu verlieren.
Im Streit um die Flüchtlinge vom Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg verschärft sich der Ton zwischen Senat und Bezirk weiter. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) forderte die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), am Dienstag indirekt zum Rücktritt auf. Zugleich stellte er ihr ein Ultimatum bis zum 16. Dezember. Bis dahin müsse der Bezirk die Schlafzelte vom Oranienplatz entfernen lassen.
In der rbb-Abendschau drohte Henkel "bezirksaufsichtsrechtliche" Maßnahmen an, sollte der Bezirk seiner Forderung nicht nachkommen. Eine entsprechende juristische Prüfung sei bereits im Oktober erfolgt - mit dem Ergebnis, dass sich der Senat einschalten könne. Weil sich zwischenzeitlich eine Lösung für das Camp abgezeichnet hatte, so Henkel, habe er davon bisher keinen Gebrauch machen müssen. "Ich habe heute die Frau Bezirksbürgermeisterin darauf hingewiesen, dass ich erwarte, dass sie wieder ordentliche Zustände am Oranienplatz herstellt", sagte Henkel in der Abendschau.
Berliner Flüchtlinge
Asylentscheiderin Dölz - Wer darf bleiben, wer nicht?
Katrin Dölz hat seit über 20 Jahren mit Flüchtlingen zu tun. Sie arbeitet beim Bundesamt für Migration für Flüchtlinge und ist dort Asyl-Entscheiderin. Sie bestimmt, wer einen Aufenthaltstitel bekommt und wer nicht. Oliver Soos hat mit ihr gesprochen.
Abendschau | 26.11.2013 - Bezirk sucht nach Lösung im Flüchtlingsstreit
Im Streit um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg hat Bezirksbürgermeisterin Herrmann angekündigt, das Gespräch mit den Asylbewerbern zu suchen. Demnach ist derzeit nicht geplant, den Platz von der Polizei räumen zu lassen. Innensenator Henkel kündigt an, die Zelte auf eigene Faust entfernen zu lassen, wenn es der Bezirk nicht tut.
Herrmann habe vor "verheerenden Zuständen kapituliert"
Rechtlich seien auch weitergehende Maßnahmen denkbar, "die bezirkliche Verantwortliche persönlich betreffen", sagte der Berliner Innensenator. Genaue Angaben machte er allerdings nicht - nur, dass er die ihm "zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen" werde. Er sehe mit großer Sorge, wie die Bezirksbürgermeisterin "vor den verheerenden Zuständen kapituliert, die sie selbst zugelassen hat", sagte Henkel. Dieses Verhalten schade dem Ansehen Berlins.
Das Selbstverständnis einiger Besetzer, die öffentlich ankündigten, sie würden sich weitere Häuser und Plätze nehmen, sei "maßlos und hat mit Protest nichts mehr zu tun", unterstrich der CDU-Politiker. Er fügte hinzu: "Eine Bezirksbürgermeisterin, die ihre Duldung zurückzieht, ohne den nächsten Schritt - nämlich die Räumung - zu gehen, ist in meinen Augen nicht geeignet, diese Verantwortung weiter zu tragen." Seine Geduld sei "am Ende".
"Verliert Henkel die Nerven?"
Die Reaktionen darauf folgten wenige Minuten nach Henkels Ultimatum. So schrieb Herrmann via Twitter: "Verliert der Innensenator jetzt die Nerven? Räumungsgerüchte in der Luft. Völlig unverhältnismäßige Überreaktion!"
Im Bezirksamt wurde am Dienstag stundenlang über das weitere Vorgehen beraten. Das Ergebnis: Das Info-Zelt der Flüchtlinge soll eine dauerhafte Duldung bekommen, sagte Herrmann dem rbb. "Wir unterstützen damit eindeutig den Protest der Flüchtlinge," so Herrmann. Die Übernachtung auf dem Platz sei aber "aus humanitären Gründen" nicht möglich, deswegen soll Platz in Odachlosenunterkünften geschaffen werden. Am Mittwoch sollen die Gespräche mit den Flüchtlingen fortgesetzt werden.
Das "Antirassistische Infoportal Berlin-Brandenburg", das sich für die Flüchtlinge einsetzt, ging derweil über den Kurznachrichtendienst Twitter auf Innensenator Henkel los. Zu dessen Aussage könne man nur bemerken: "Henkel, halts Maul. Der letzte Versuch endete für dich mit schweren Verlusten." Unklar ist, ob sich das Infoportal damit auf die Ausschreitungen am Sonntag bezieht, bei denen 31 Polizisten verletzt wurden.
Schon zuvor hatte der Senat den Druck auf Bezirksbürgermeisterin Herrmann Schritt für Schritt erhöht. "Es erfüllt uns mit Sorge, wenn man den Eindruck hat, dass ein Bezirk nicht mehr ganz beherrscht, was er da abspricht", sagte Senatssprecher Richard Meng am Dienstag. "Und wenn die Wirkung dessen, was er abspricht, und die Verlässlichkeit der Absprachen in Frage steht."
Nachdem 80 Flüchtlinge vom Oranienplatz am Wochenende in einem früheren Altenheim der Caritas untergebracht worden waren, wollte der Bezirk das Camp eigentlich abbauen. Einige Flüchtlinge und Aktivisten halten die Zelte als "Anlaufstelle für Geflüchtete aus ganz Deutschland" jedoch weiter besetzt. Sie bezeichnen das Zeltlager und eine besetzte Schule in der Nähe als "Orte des Widerstands".
Tauziehen um die Flüchtlingspolitik zwischen Oranienplatz und Gerhardt-Hauptmann-Schule: Das Protest-Camp der Flüchtlinge in Berlin-Kreuzberg sorgt seit mehr als einem Jahr für Diskussionen. Eine Chronologie der Ereignisse.
Senat und Bezirk machen sich gegenseitig verantwortlich
Herrmann erklärte am Dienstag, ein Polizeieinsatz sei derzeit nicht geplant: "Druck löst keine Probleme." Sie kündigte an, erneut das Gespräch mit den Flüchtlingen und deutschen Unterstützerorganisationen zu suchen.
Mit Blick auf die politischen Forderungen der Flüchtlinge nach Arbeitserlaubnis, besseren Unterkünften, Abschaffung der Gebietszuweisung und Verzicht auf Abschiebungen sagte die Grünen-Politikerin: "Das Land Berlin muss sich bewegen."
Es sei nicht Sache des Bezirks, die rechtlichen Fragen auf Bundesebene zu behandeln. Der Senat könne aber gemeinsam mit den anderen Ländern und der Bundesregierung zumindest in Deutschland Veränderungen herbeiführen. "Die haben ein Jahr vertändelt durch Nichtstun. Es muss jetzt eine Entscheidung geben."
Dem entgegnete Wowereit-Sprecher Meng: "Es gibt keinen Handlungsbedarf für den Senat, sondern es gibt einen Handlungsbedarf für den zuständigen Bezirk."
Interview
Inforadio | 26.11.2013 - "Der Bezirk muss die Räumung anordnen"
Der Berliner Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) über die Lage am Oranienplatz.
Krömer: Bezirk muss Räumung anordnen
Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) erläuterte im rbb, der Bezirk habe durch die bisherige Duldung den derzeitigen Zustand herbeigeführt. Er müsse ihn auch beseitigen.
Die Verantwortung liege klar beim Bezirk, denn dieser müsse die Räumung der Verkehrs- und Grünflächen anordnen und dafür Sorge tragen, dass die noch vorhandene Zeltstadt abgebaut wird. Die Polizei sei bereit, Amtshilfe zu leisten, wenn sie vom Bezirk darum gebeten werde, sagte Krömer.
Der Berliner Innenstaatssekretär stellte aber klar, auf die politischen Forderungen, etwa nach Arbeitserlaubnissen und der Abschaffung der Residenzpflicht, werde vom Senat "selbstverständlich nicht eingegangen". Eine Anerkennung der Flüchtlinge sei nicht möglich, weil dieses Verfahren ausschließlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchgeführt werde.
Das Flüchtlingscamp am Oranienplatz verschwindet, die Bewohner verlassen das Lager und die benachbarte Gerhard-Hauptmann-Schule freiwillig. So zumindest lautete der Mitte März (18.03.2014) verkündete Beschluss, der einem langen Konflikt ein Ende setzen sollte.
Bereits seit Herbst 2012 protestieren Flüchtlinge in Berlin gegen die Asylpolitik. Zuerst am Brandenburger Tor, dann in Kreuzberg. Mit einem Umzug der Flüchtlinge vom Protest-Camp in Kreuzberg schien zumindest vorübergehend eine Lösung in Sicht.
Am Sonntag (24.11.2013) zog ein Teil der Flüchtlinge vom Protest-Camp am Oranienplatz in ein Haus im Berliner Stadtteil Wedding.
Der katholische Caritas-Verband stellte den Flüchtlingen ein ehemaliges Seniorenheim zur Verfügung. Ziel war es, den Protestierenden für den Winter ein festes Dach über den Kopf zu bieten...
... und anschließend die Zelte am Oranienplatz zu räumen. Doch noch am gleichen Tag wurden die verlassenen Zelte überraschend wieder besetzt - von anderen Flüchtlingen. Daraufhin setzte die Polizei die geplante Räumung aus.
Im Zentrum des Konflikts stand lange die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann: Nach ihrem Willen sollte der Protest am Oranienplatz zwar weitergehen dürfen, aber die Schlafzelte sollten geräumt werden.
Die Flüchtlinge fordern eine Reform der deutschen Asylpolitik. Seinen Anfang hatte der Protest bereits im Oktober 2012 genommen.
In einem Protestmarsch über 600 Kilometer liefen damals Dutzende Flüchtlinge aus Würzburg nach Berlin. Sie campierten auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor und traten in einen Hungerstreik. (Bild vom Oktober 2012)
Die Flüchtlinge schlugen schließlich - nach mehreren Polizeieinsätzen am Brandenburger Tor - ihre Zelte auf dem Kreuzberger Oranienplatz auf.
Im Oktober 2013 wiederholte sich der Streik am Brandenburger Tor: Mehr als 20 Asylbewerber aus Berlin und Bayern protestierten Tag und Nacht auf dem Pariser Platz und traten für zehn Tage in einen Hungerstreik.
Nachdem sie sich zudem weigerten, etwas zu trinken, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide. Schließlich erklärten sie sich bereit, ihren Protest bis Januar 2014 auszusetzen.
Sie räumten den Pariser Platz und erhielten zunächst Unterkunft in einer evangelischen Gemeinde, anschließend vermittelte ihnen der katholisch Caritas-Verband Wohnungen. Doch auch diese Lösung sollte nur vorübergehend sein: Ihr dortiges Wohnrecht sollte Ende Januar 2014 enden.
An ihren Forderungen halten die protestierenden Flüchtlinge fest - hier bei einer Pressekonferenz im Oktober 2013: Jeder Asylbewerber soll als politischer Flüchtling anerkannt, die Residenzpflicht abgeschafft und ein Arbeitsrecht eingeräumt werden.
Die Situation um den Kreuzberger Oranienplatz fuhr in der Folge zunehmend fest: Berlins Innensenator Henkel forderte schließlich eine Zwangsräumung.
Schließlich spricht Wowereit ein Machtwort: Am 7. Januar kündigt er eine "Verhandlungslösung" für das Lager auf dem Oranienplatz an. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) nimmt sich der Aufgabe an, eine Lösung für den Konflikt zu finden.
Und Dilek Kolat (SPD) gelingt dann tatsächlich der Durchbruch: Die Flüchtlinge erklären sich am 18. März dazu bereit, den Oranienplatz sowie die Gerhard-Hauptmann-Schule zu räumen. Weitere Bildergalerien
Die meisten Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf Asyl
Viele Flüchtlinge sind über die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa in die EU gekommen. Weil sie über einen sicheren Drittstaat in die EU eingereist sind, haben die meisten von ihnen keinen Anspruch auf Asyl in Deutschland.
Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit dem Bezirk hatte sich der Senat Mitte Oktober bereiterklärt, die Flüchtlinge als humanitäre Geste für die Wintermonate in einem festen Haus unterzubringen. Dafür stellt der Senat eine Kältehilfe von 136.000 Euro bereit. Eine langfristige Lösung bedeutet die Unterbringung im Wedding für die Flüchtlinge jedoch nicht. Die vorläufige Unterkunft gilt zunächst für drei Monate.
Auch die Situation der Flüchtlinge, die in die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule eingezogen sind, bleibt unklar. Die CDU-Fraktion will in der Bezirksverordnetenversammlung einen Antrag auf Räumung einbringen.
Die Akteure am Oranienplatz
Der Bezirk
Was will der Bezirk?
Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) steckt in einem Dilemma. Einerseits sympathisiert die über die Frauenbewegung in die Politik gekommene Politikerin mit den Zielen des Protestcamps. Sie ist die schützende Hand des Protestcamps – sprach von einem "politischen Mahnmal". Sie hat dem Senat die Stirn geboten, als er beispielsweise das Camp Ende Juli wegen einer angeblichen Vergewaltigung räumen lassen wollte. Andererseits, so schreibt sie selbst auf Facebook, sind ihre Möglichkeiten inzwischen erschöpft.
Herrmann hat den Kompromiss ausgehandelt: Gibt es eine Unterkunft, wird das Zeltlager geräumt, der Infostand aber kann bleiben.
Was kann der Bezirk?
Der Bezirk könnte die Duldung für das Protestcamp und die Schlafplätze in den Zelten verlängern oder beides aufheben und den Oranienplatz räumen lassen. In der Praxis versuchte Monika Herrmann den Kompromiss: Protestcamp ja, weitere Übernachtungserlaubnis nein. Diesen Kompromiss ließen die Flüchtlinge platzen. In ihrer Not bat das Bezirksamt die Polizei um Amtshilfe, um die Zelte abzubauen. Dieser Versuch scheiterte - und brachte Herrmann Kritik von allen Seiten. Die Unterstützer der Flüchtlinge beschimpfen sie, den Flüchtlingen in den Rücken zu fallen; der Senat fordert sie auf, durchzugreifen und das Camp zu räumen. Das will Herrmann weiterhin vermeiden, da sie Proteste und Ausschreitungen fürchtet. Sie kündigte an, stattdessen weiter das Gespräch mit den Flüchtlingen zu suchen. Was sie damit erreichen kann, ist allerdings zweifelhaft.
Seit Dienstag und der Ankündigung Henkels, das Camp am 16. Dezember notfalls selbst räumen zu lassen, hat sich die Lage noch einmal verschärft. Der Innensenator drohte mit "bezirksaufsichtsrechtlichen Maßnahmen" und "persönlichen Konsequenzen". Doch Herrmann wird das Camp wohl weiterhin nicht räumen lassen.
Der Senat
Was will der Senat?
Eine Lösung. Henkel - er ist ja nur ein Teil des Senats - will wieder Ordnung auf dem Oranienplatz. Einen Lösungsvorschlag, der über die Räumung des Camps hinausgeht, haben Senatspolitiker bislang aber nicht gemacht. So will der Senat den Flüchtlingen bislang nicht entgegen kommen und sich auf Bundesebene für ihre Forderungen einsetzen. Dabei dürfte Innensenator Frank Henkel (CDU) einen kurzen Draht zu Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) haben.
Was aber gesagt werden muss: Das Land Berlin geht humaner vor als Hamburg und München. In München wurde das Camp von Lampedusa-Flüchtlingen von der Polizei geräumt. In Hamburg fordert der Senat, dass die Flüchtlinge ihre Identität preisgeben. Henkel sagte dagegen humanitäre Hilfe zu, auch wenn der Senat rechtlich nicht zuständig ist, sondern das Bundesamt für Asylfragen.
Was kann der Senat?
Der Senat verweist darauf, dass es Aufgabe des Bezirks ist, den Platz zu räumen - schließlich habe er die Duldung zurückgezogen, dass die Flüchtlinge auf dem Platz auch schlafen dürfen. Kommt der Bezirk dem nicht nach, und besteht eine konkrete Gefahr für die Sicherheit und Ordnung, dann könnte die Polizei eingreifen (§ 4 Abs. 1 S. 1 ASOG). Das machte Henkel mittlerweile auch klar: In der rbb-Abendschau drohte er "bezirksaufsichtsrechtliche" und "persönliche" Maßnahmen an, sollte der Bezirk seiner Forderung nicht nachkommen. Eine entsprechende juristische Prüfung sei bereits im Oktober erfolgt - mit dem Ergebnis, dass sich der Senat einschalten könne. Ein Ultimatum also bis zum 16. Dezember. Doch von seiner Drohung hat Henkel mittlerweile Abstand genommen und spricht mittlerweile von einer freundlichen Erinnerung an Herrmann.
Der Senat und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) könnten natürlich auch selbst Unterkünfte zur Verfügung stellen. Doch wer soll das bezahlen, wenn das Land eigentlich nicht zuständig ist? Sozialsenator Czaja und Innenstaatssekretär Krömer halten den Druck in der Öffentlichkeit aufrecht und fordern eine Lösung von Herrmann. Aber: Der Senat ist in dringenden Angelegenheiten bisher immer eingesprungen, wenn es ernst wurde; zuletzt hatte auch Czaja die Unterkunft im Wedding besorgt - und mit Senatsgeldern bezahlt.
Die Flüchtlinge
Was wollen die Flüchtlinge?
Die Gründer des Flüchtlingscamps am Oranienplatz wenden sich mit ihrem Protest hauptsächlich an die Bundespolitik - und nicht an die Landesebene. Sie fordern einen Abschiebestopp und die Erlaubnis, künftig auch während des laufenden Asylverfahrens arbeiten zu dürfen. Zudem soll die Residenzpflicht abgeschafft werden, die den Flüchtlingen vorschreibt, sich nur in einer bestimmten Region aufzuhalten - die gilt nur noch in Bayern und Sachsen. In allen anderen Bundesländern, so auch in Berlin und Brandenburg, ist sie schon abgeschafft worden. Nun sind allerdings auch viele "neue" Flüchtlinge am Oranienplatz eingetroffen. Sie haben ihre Ziele noch nicht klar zum Ausdruck gebracht.
Was können die Flüchtlinge?
Sie können sich weiterhin weigern, die Schlafzelte am Oranienplatz freiwillig zu räumen. Damit provozieren sie eine Räumung und möglicherweise gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Unterstützern. Bezirksbürgermeisterin Herrmann dürfte diese Haltung enttäuschen, schließlich verweist sie darauf, dass sie mit den Flüchtlingen einen Kompromiss ausgehandelt habe: Das Camp könne für den legitimen politischen Protest bestehen bleiben. Sobald aber die Flüchtlinge anderweitig untergebracht sind, werden die Schlafzelte abgebaut. Nachdem nun Flüchtlinge in einem Wohnheim der Caritas und im Asylbewerberheim Marienfelde untergekommen sind, bestreiten die auf dem Oranienplatz verbliebenen Flüchtlinge jedoch, diesem Kompromiss zugestimmt zu haben.
Unterstützer
Was wollen die Unterstützer?
Sie wollen weiter gegen die Asylpolitik demonstrieren und den Oranienplatz als politisches Mahnmal erhalten. Der Platz in Kreuzberg (Twitter: #oplatz) hat mittlerweile auch international Bedeutung erlangt – und das soll auch so bleiben. Und zwar nicht nur der Infostand (den auch Herrmann begrüßt), sondern das gesamte Zeltlager.
Was können die Unterstützer?
Das ist die große Frage in der Gemengelage. Antifa und Flüchtlings-Unerstützer sind besonders in Kreuzberg eine Macht. Ist "Gefahr in Verzug" – so wie am Sonntag – mobilisieren sie sich mit SMS-Ketten und Twitter blitzschnell. Auch damit dürften sie eine Räumung verhindert haben. Bisher haben die Gruppen die Bezirksbürgermeisterin für ihre Anti-Senats-Linie gefeiert, seit Sonntag üben sie Kritik an ihrer "gutsherrlichen Art". Nach der Drohung Henkels, das Camp am 16. Dezember räumen zu lassen, haben die Unterstützer nun einen neuen Feind: Henkel selbst. "Dazu können wir nur bemerken: Henkel, halts Maul. Der letzte Versuch endete für dich mit schweren Verlusten", verkündete das Antirassistische Inforportal Berlin-Brandenburg via Twitter.
Martina Mauer vom Flüchtlingsrat Berlin sieht das etwas diffenzierter: Zwar könne man nicht immer neue Flüchtlinge durch den Oranienplatz durchschleusen, aber das Camp müsse auf jeden Fall als Zeichen des Protests erhalten bleiben.
Der Konflikt um die Besetzung des Kreuzberger Oranienplatzes ist unübersichtlich. Bezirk und Senat liegen im Clinch, auch die Ziele von Flüchtlingen und linken Aktivisten stimmen nicht immer überein. Eine Übersicht.
Zehn Tage hat eine Gruppe von Flüchtlingen am Brandenburger Tor campiert und mit einem Hungerstreik für Aufsehen gesorgt. Ihr Ziel: Anstoß einer Debatte über die deutsche Asylpolitik. Als Übergangslösung wurden sie vor fast zwei Wochen in Räumen der evangelischen Kirche in Kreuzberg untergebracht. Nun bekommen sie vorerst eine neue Bleibe.
Die Flüchtlinge vom Berliner Oranienplatz können möglicherweise bald umziehen. Nachdem Senat und Bezirk keine Immobilie für die in Zelten campenden Menschen finden konnten, springt jetzt überraschend die katholische Kirche in die Bresche: mit einer Immobilie im Wedding.
In der Umzugsdiskussion um die Flüchtlinge vom Kreuzberger Oranienplatz meldet sich jetzt auch die Bundespolitik zu Wort: Der SPD-Innenpolitiker Rüdiger Veit empfiehlt den Betroffenen, das Angebot des Senats anzunehmen und in ein Hostel in Friedrichshain zu ziehen. Der Wille dazu ist offenbar ...