
Caritas stellt früheres Seniorenwohnheim zur Verfügung - Flüchtlinge vom Oranienplatz sollen jetzt in den Wedding ziehen
Die Flüchtlinge vom Berliner Oranienplatz können möglicherweise bald umziehen. Nachdem Senat und Bezirk keine Immobilie für die in Zelten campenden Menschen finden konnten, springt jetzt überraschend die katholische Kirche in die Bresche: mit einer Immobilie im Wedding.
Für die Flüchtlinge vom Berliner Oranienplatz ist überraschend ein Haus gefunden worden. Das Winterquartier liege im Stadtteil Wedding, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), am Freitag. Es sei bisher noch gar nicht im Gespräch gewesen.
Die Caritas will den Flüchtlingen Unterkünfte in dem früheren Seniorenwohnheim "Zum Guten Hirten" zur Verfügung stellen. Die Prüfungen des Hauses für einen kurzfristigen Umzug der knapp 100 Flüchtlinge seien erfolgreich abgeschlossen worden, hieß es am Freitag.
Der genauen Termin für den Einzug der Menschen steht noch nicht fest. Frühestens könnten die Flüchtlinge am Samstagabend einziehen, hieß es.
Damit ergriff die katholische Kirche zum zweiten Mal die Initiative: Auch für rund 25 Flüchtlinge vom Brandenburger Tor, die im Oktober für ein Bleiberecht zehn Tage lang in einen Hungerstreik getreten waren, fand die Kirche eine Lösung in einem Wohnhaus der katholischen Wohnungs- und Siedlungsgemeinschaft.
Politik zeigt sich erleichtert
Sozialsenator Mario Czaja begrüßte die überraschende Lösung und dankte vor allem der Caritas. "Ich freue mich, dass nun eine humanitäre Lösung für die Flüchtlinge am Oranienplatz gefunden wurde und danke allen Beteiligten", erklärte Czaja.
Auch Herrmann zeigte sich erleichtert. "Mit vereinten Kräften konnte eine gute Lösung gefunden werden." Die Bezirksbürgermeisterin hatte bereits vor drei Wochen begonnen, zusammen mit den Flüchtlingen Regeln für das künftige Zusammenleben im Winterquartier zu erarbeiten.
"Die Flüchtlinge wollen, dass nicht jeder in das Haus rein und dort übernachten kann", sagte die Grüne. Das seien Lehren aus der besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Dort hätten die Flüchtlinge vom Oranienplatz mitbekommen, dass auch viele andere obdachlose Menschen Unterschlupf suchten. Streitigkeiten untereinander gefährdeten dort den sozialen Frieden.
Verhandlungen zogen sich über Wochen hin
In der vergangenen Woche war der geplante Umzug der rund 100 Menschen in ein Hostel in Friedrichshain geplatzt. Der Eigentümer der Immobilie und der Betreiber des Hostels in der Gürtelstraße verhandelten wochenlang über Kaufpreis und Tagessätze, die immer höher geschraubt wurden.
Viele der Flüchtlinge sind über die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa in die EU gekommen. Deswegen haben die meisten von ihnen hier keinen Anspruch auf Asyl, da sie über einen sicheren Drittstaat in die EU eingereist sind.
Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit dem Bezirk erklärte sich der Senat Mitte Oktober bereit, die Flüchtlinge als humanitäre Geste für die Wintermonate in einem festen Haus unterzubringen. Dafür stellt der Senat eine Kältehilfe von 136.000 Euro zur Verfügung. Die Flüchtlinge haben schon einen Winter nur in ihren Zelten auf dem Oranienplatz gecampt.



