Camp auf Oranienplatz soll abgebaut werden - Nur namentlich registrierte Flüchtlinge dürfen ins Hostel
Die meisten Flüchtlinge wollen nach wochenlangem Streit offenbar den Berliner Oranienplatz bald verlassen und in ein ehemaliges Hostel in Friedrichshain ziehen. Doch wie schnell der Umzug über die Bühne gehen kann, ist derzeit offen - denn über das Verfahren sind sich beide Seiten noch nicht einig.
Die Flüchtlinge drücken nun aufs Tempo. Lieber heute als morgen den Oranienplatz räumen: Das sei die Stimmung auf dem Platz, berichten Unterstützer am Mittwoch. Doch noch ist nicht absehbar, ob ein Umzug so schnell organisiert werden kann. Das für Flüchtlinge zuständige Landesamt für Gesundheit will ein geordnetes Verfahren.
Die Oranienplatz-Protestierer sollen am Freitag zunächst Zelte und Hütten abbauen und erst danach in ihre neue Unterkunft gebracht werden. Mit diesem Vorgehen soll verhindert werden, dass andere Flüchtlinge das leere Camp gleich wieder besetzen. Die Flüchtlinge hingegen wollen die Zelte erst abbauen, wenn sie ihre neue Unterkunft bezogen haben.
Landesamt fordert vollständige Namensliste
In das ehemalige Hostel in Friedrichshain dürfen nur die Flüchtlinge vom Oranienplatz und aus der besetzten Schule umziehen, die auf der mit dem Senat vereinbarten Liste mit 467 Namen stehen. Unklar ist allerdings, welche Namen auf dieser Liste stehen. Sie liegt bei einem Notar unter Verschluss. Nach rbb-Informationen haben weder Senat noch Bezirk die Liste bislang gesehen. Auch die Flüchtlinge wissen nicht, ob sie wirklich draufstehen.
Das Landesamt verwies inzwischen darauf, dass der Umzug erst stattfinden kann, wenn eine vollständige Namensliste vorliegt. "Sonst haben wir das Problem, dass dort Flüchtlinge einziehen, die da nicht registriert sind und der Oranienplatz bleibt trotzdem voll", sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Die Liste solle aus der Verwaltung von Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) übermittelt werden, liege aber noch nicht vor. Zudem müssten die umzugswilligen Asylbewerber beim Umzug ihre Identität nachweisen. Wachschützer vor dem ehemaligen Hostel kontrollierten das.
Der Berliner Senat hatte das Haus in der Gürtelstraße als neue Unterkunft vorgeschlagen. Auch Menschen, die jetzt bei der Caritas im Wedding untergekommen sind, haben angekündigt, dass sie nach Friedrichshain umziehen wollen. Dafür reicht der Platz aber nicht aus.
"Sie können nicht erwarten, dass alle einheitlich reden"
Ein Teil des Kreuzberger Camps soll als Ort der Information und des Protests erhalten bleiben. "Niemand soll mehr hier schlafen. Wir wollen endlich auch in Häusern schlafen," hieß es von Seiten der Flüchtlinge.
Am Dienstag fand schon mal eine Besichtigung des neuen Domizil statt. Wie Kolat dem rbb sagte, sind die meisten Flüchtlinge mit einem Umzug einverstanden. Die Unterkunft sei in einem sehr guten Zustand.
Kolat wies daraufhin, dass keine 100-prozentige Zustimmung zu erwarten war: "Wir sprechen hier über 460 Flüchtlinge. Sie können nicht erwarten, dass alle einheitlich reden." Ein Großteil der Betroffenen sei jedoch an einer Lösung interessiert. "Es ist ein Unterschied, ob 10 oder 500 Flüchtlinge ein Problem machen", sagte die Senatorin. Sie sei davon überzeugt, dass viele Flüchtlinge, die derzeit noch auf dem Oranienplatz kampieren, in das ehemalige Hostel in Friedrichshain ziehen würden.
Ob dies bedeuten würde, dass ein kleiner Teil der Flüchtlinge weiterhin auf dem Oranienplatz bleiben könnte, ließ Kolat offen.
Kolat als Vermittlerin
Im Streit um die Flüchtlinge vom Oranienplatz hatte der Senat das Angebot gemacht, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und die Asylanträge einzeln zu prüfen. Doch das Lösungsangebot des Senats wurde zunächst von vielen Flüchtlingen als Schein-Einigung abgelehnt, da es für die Mehrheit der Betroffenen offenbar nicht gegolten hätte.
Kolat, die das Angebot maßgeblich ausgearbeitet hatte, war dabei als Vermittlerin zwischen dem Senat und den Flüchtlingen aufgetreten. Mitte März hatte sie sich mit Flüchtlingsvertretern auf eine friedliche Räumung des Platzes geeinigt. Auch die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule soll geräumt werden.
Mit Informationen Jan Menzel, Redaktion Landespolitik









