Ein Flüchtling hängt Wäsche auf (Bild: dpa)
Inforadio | 19.08.2013 | Beitrag von Alex Krämer

Flüchtlingsheim in Teltow - Es geht auch anders als in Hellersdorf

In Berlin und Brandenburg entstehen derzeit neue Flüchtlingsheime. Das gibt oft Ärger - prominentestes Beispiel ist Berlin-Hellersdorf, wo sich Rechtsextreme die Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft zunutze gemacht haben. Aber es geht auch anders. In Teltow ist es gelungen, ein großes Flüchtlingsheim ziemlich problemlos an den Start zu bringen.

In Deutschland steigt die Zahl der Asylanträge wieder - 64.539 Erstanträge waren es 2012. Für dieses Jahr geht das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge von einer höheren Zahl aus.

In Brandenburg kommen Asylbewerber zuerst in das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt, das seit Wochen in der Kritik steht. Von dort werden sie auf die Flüchtlingsheime der Kommunen verteilt. Dieses Jahr müssen 3.025 neu ankommenden Flüchtlingen eine Unterkunft erhalten - in Gemeinschaftsunterkünften oder Wohnungen. Im Jahr 2012 waren es laut Brandenburgs Sozialministerium noch etwa 1700 Menschen.

In Teltow entstand zuletzt Anfang des Jahres ein neues Asylbewerberheim. Knapp 200 Flüchtlinge finden hier eine Unterkunft. Im Gegensatz zu anderen Orten stößt das Heim in Teltow nach anfänglicher Skepsis unter den Einwohnern überwiegend auf Akzeptanz.

Als Ende 2012 klar wurde, dass der Landkreis hier ein Flüchtlingsheim einrichtet, berief der Bürgermeister eine so genannte Willkommens-AG ein. Mit dabei: Kitas, Vereine, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Landkreises, Kirchengemeinden und Schulen. Als erstes wurde ein Willkommens-Frühstück für die Flüchtlinge organisiert, zu dem auch jeder Teltower kommen konnte.

Heim soll kein Fremdkörper bleiben

Die Hilfsbereitschaft in Teltow ist groß. Jacken, Pullovern, Spielzeug, Schulranzen - im Keller des Flüchtlingsheim lagern viele Sachspenden der Teltower. "Es sind viele Sachen für Kinder, was hier im Haus besonders wichtig ist. Hier wohnen viele Familien, die dringend Sachen brauchen. Die Kinder wachsen ständig aus ihren Sachen raus, manche kommen im Winter hier an und haben nur Sommerkleidung und können das wirklich gut gebrauchen", zeigt sich Christina von Thaler erfreut, die als Sozialarbeiterin im Flüchtlingsheim arbeitet.

Die Stadt lud die Asylbewerber zum so genannten Frühjahrsputz ein, erzählt Michael Belkner, der Fachbereichsleiter für Soziales. Diese Aufräumaktion gibt es in Teltow jedes Jahr.

Das Heim soll kein Fremdkörper bleiben, es soll viele Kontakte hinein und hinaus geben, sagt Belkner. "Es ist Bestandteil der Stadt. Und die Leute, die da wohnen, haben es wirklich schwer gehabt. Insofern sind wir alle aufgerufen, ihnen das Leben hier so angenehm wie möglich zu machen", so Belkner.

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