Problemfall "Willkommensklassen" - Flüchtlingskinder warten auf Schulunterricht
Auch für Kinder von Flüchtlingen besteht in Berlin Schulpflicht. Um sie auf den deutschen Schulalltag vorzubereiten, sollen sie erst einmal so genannte "Willkommensklassen" besuchen, wo sie unter anderem Deutsch lernen. Doch das Zustandekommen dieser Klassen klappt nicht immer reibungslos. Wochenlange Wartezeiten sind die Regel, wie das Beispiel Spandau zeigt.
So genannte "Willkommensklassen" sollen Kindern helfen, im deutschen Schulalltag anzukommen. Denn laut Berliner Schulgesetz unterliegen auch Kinder von Zuwanderern aus der EU, von Asylbewerbern oder Geduldeten der Schulpflicht. In eigenen Klassen lernen sie vor allem erst einmal Deutsch, um später dem normalen Unterricht folgen zu können.
Was in der Theorie gut klingt, klappt allerdings nicht überall gut. Immer wieder fehlen Plätze und Lehrer. In Spandau haben 20 Kinder wochenlang darauf gewartet, endlich zur Schule gehen zu können. Darunter der zwölfjährige Hubert aus Polen. Seine alleinerziehende Mutter kam zum Arbeiten nach Berlin und hätte sich einen besseren Start für ihren Sohn gewünscht. Er durfte nach einem Monat zwar am Regelunterricht teilnehmen, verstand aber kein Wort.
Auch in der Flüchtlingsunterkunft in der Motardstraße sitzen 30 Kinder zu Hause statt im Klassenzimmer. "Es ist ein Problem. Es werden die Augen geschlossen vor den steigenden Flüchtlingszahlen", sagt Sarah Jetschmann, Sozialpädagogin in der Motardstraße. "Wie bringen wir die Kinder in der Schule unter, darüber wird nicht nachgedacht, und wenn dann erst viel zu spät."
Wochenlange Wartezeit
Um zu ermitteln, wie viele Kinder einen Schulplatz brauchen, schickt Sarah Jetschmann dem Schulamt jede Woche ihre aktuelle Warteliste. Dabei verändern sich die Zahlen jedes Mal, da permanent neue Flüchtlinge ankommen. Genau das mache die Situation so unplanbar, sagt Angelika Höhne. Sie sitzt für die Grünen im Bezirksparlament von Spandau. "Man weiß, es kommen Menschen, aber man weiß nicht, wie viele Menschen kommen, und man weiß nicht, wie viele Kinder und Jugendliche dabei sind. Das ist eine Zahl, die kann man schätzen, aber man kann keine Vorsorge treffen und sagen: Es kommen jetzt 20. Es können genau so gut dreimal soviel sein oder dann nur zehn."
Die Planung beginnt, wenn die Kinder bereits vor Ort sind. Dies führt dann zu wochenlangen Wartezeiten. Vier bis sechs Wochen seien dabei die Regel, bedauert der Senat für Schule und Bildung. Man müsse Lehrer einstellen, die Bezirke die Räume in den zuständigen Schulen organisieren. Sarah Jetschmann beziffert die normale Wartezeit auf einen Schulplatz nach ihren Erfahrungen eher auf zwei bis drei Monate.
Sie beklagt, dass die Zusammenarbeit zwischen Bezirken, Schulen, Heimen und Senat nicht funktioniere. "Jeder Bezirk macht sein eigenes Ding und keiner weiß, was der andere macht. Es muss mehr Kommunikation in ganz Berlin stattfinden. Die Leute müssen sich eingestehen, dass es dieses Problem gibt und wir zu wenig Plätze haben für diese Kinder." In Spandau treffen sich Bezirk, Senat und Schulen jetzt zu einem Runden Tisch, um das Problem zu besprechen.




