
Caritas hat kaum noch Plätze frei - Suche nach einer Unterkunft für hunderte Flüchtlinge
Der Senat hat seinen Vorschlag unterbreitet: Die Flüchtlinge räumen das Camp am Oranienplatz, dafür kümmert sich Berlin um die Unterbringung. Doch wo sollen die hunderte Flüchtlinge unterkommen? Und wie lange können die provisorisch in einem Heim der Caritas untergebrachten Flüchtlinge noch dort bleiben?
Nach dem Angebot des Berliner Senats, für die Flüchtlinge vom Oranienplatz Unterkünfte zu finden und ihre Asylanträge zu prüfen, ist noch unklar, wo die Menschen untergebracht werden sollen. Außerdem ist ungewiss, ob die Flüchtlinge das Angebot überhaupt annehmen.
Integrationssenatorin Dilek Kolat spricht von einer Einigung mit den Flüchtlingen und dass damit Transparenz geschaffen worden sei. Jetzt müsse eine Bleibe für die Menschen gesucht werden, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch dem rbb. In verschiedenen Unterkünften gebe es noch Potenzial, nach Alternativen werde gesucht. Es werde auch Angebote für die Besetzer der Gerhard-Hauptmann-Schule geben. Einzelheiten nannte die Senatorin, die das Angebot mit den Flüchtlingen ausgehandelt hatte, nicht. Die Regelung gilt für insgesamt 467 Personen, die auf einer Liste namentlich erfasst sind.
Unterbringung in Caritas-Haus wird verlängert
Die Bezirksbürgermeistern von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), stellt zumindest für jene eine vorläufige Lösung in Aussicht, die provisorisch in einem Heim der Caritas in Wedding untergebracht sind. Die Unterbringung im Rahmen der Kältehilfe soll eigentlich am 31. März enden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe am Dienstag eindeutig gesagt, der Zeitraum werde verlängert, so Herrmann.
Die Caritas bestätigte, dass die Flüchtlinge in dem Haus ein bis zwei Monate länger bleiben können. Dann aber müssten sie das Gebäude wegen eines Umbaus verlassen, sagte die
Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin, Ulrike Kostka, am Mittwoch dem rbb.
Für die anderen Flüchtlinge müsse sich der Senat zusammen mit den Bezirken "ganz intensiv darum bemühen" Unterkunftsmöglichkeiten zu schaffen. Der Senat suche nach vielen Immobilien, so Kostka weiter. Die Caritas könne helfen, aber nicht allein die Verantwortung dafür übernehmen
Außerdem benötigten die Flüchtlinge individuelle Unterstützung, zum Teil eine Traumabehandlung und eine Perspektive. Kostka lehnte es ab, die sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge nach Italien abzuschieben, weil sie dort obdachlos würden.
Runder Tisch dringt auf weitere Gespräche
Ungeachtet der vom Berliner Senat verkündeten Einigung mit Flüchtlingsvertretern dringen die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas auf weitere Gespräche. Kostka warnte nach dem zweiten Runden Tisch am Mittwoch in Berlin vor einer Gewalteskalation unter den verschiedenen Flüchtlingsgruppen. Zugleich rief sie dazu auf, die Gespräche unverzüglich fortzusetzen.
Die Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenbug-schlesische Oberlausitz, Barbara Eschen, sagte, dass weder Vertreter der Kirchen noch Politik aktuell wüssten, welche und wieviele Flüchtlinge vom Angebot des Senats profitieren würden. "Das macht die Dramatik der Gespräche aus", sagte Eschen.
Am Rande des zweiten Runden Tisches von Caritas und Diakonie kam es am Mittwoch teilweise zu tumultartigen Szenen zwischen mehreren Flüchtlingen. Grund dafür ist, dass offenbar ein größerer Teil der Flüchtlinge das Angebots des Senats von Dienstag nicht akzeptieren will.
Flüchtlingsrat spricht von Schein-Einigung
Der Flüchtlingsrat wies am Mittwoch die Behauptung des Senats zurück, es sei eine Einigung über das Senats-Angebot erzielt worden. Das Angebot sei nur eine Schein-Einigung, teilte der Flüchtlingsrat am Mittwoch mit. Für die Mehrheit der knapp 500 Menschen sei - anders als vom Senat dargestellt - keine Lösung gefunden worden.
Verärgert zeigte sich der Flüchtlingsrat auch darüber, dass die Gerhart-Hauptmann-Schule geräumt werden soll. Damit hätten sich sich in den Gesprächen gerade nicht einverstanden erklärt. Dem Senat hält die Organisation vor, gezielt den Eindruck zu erwecken, man hab sich geeinigt. Tatsächlich gehe es der Politik darum, die Öffentlichkeit auf eine Räumung des Oranienplatzes mit Polizeigewalt vorzubereiten.


![Zwei Männer hantieren an einer der Hütten auf dem Oranienplatz, 18.03.14 [dpa] Zwei Männer hantieren an einer der Hütten auf dem Oranienplatz, 18.03.14 [dpa]](/politik/thema/streit-um-fluechtlingsheime/beitraege/nach-kompromiss-angebot-fuer-fluechtlinge/_jcr_content/image.img.jpg/rendition=original/size=320x180.jpg)


