Ein NPD-Sympathisant protestiert hinter einer Polizeikette gegen das neue Flüchtlingswohnheim in Berlin-Hellersdorf (Quelle: dpa)
Video: Katrin Mink und Ulli Zelle, Abendschau | 23.08.2013

Asylbewerberheim wird trotz Protesten weiter belegt - NPD will erneut in Hellersdorf demonstrieren

Berlins Bezirk Hellersdorf kommt nicht aus den Schlagzeilen: Am Samstag will die rechtsextreme NPD gegen das neue Flüchtlingsheim protestieren. Ihren Teilnehmern werden sich wieder hunderte linke Gegendemonstranten gegenüberstellen.

Aussicht auf eine Beruhigung der Lage ist noch nicht in Sicht: In Berlin-Hellersdorf will am Samstag die NPD gegen das neue Flüchtlingsheim protestieren. Die rechtsextreme Partei hat für den Alice-Salomon-Platz eine Demonstration mit 15 Teilnehmern angemeldet. Fast zeitgleich soll eine Gegendemo der Linken mit 500 Teilnehmern stattfinden.

Nach Ausschreitungen zwischen Befürwortern und Gegnern des Heimes zur Wochenmitte war es in Hellersdorf am Freitag trotz weiterer Proteste zunächst ruhig geblieben. Für Samstag rechnet die Polizei wegen der zwei angemeldeten Demonstrationen allerdings wieder mit Problemen. Am Dienstag hatte es bei einem ähnlichen Protest bereits mehrere Festnahmen gegeben. Ein Mann verletzte einen Polizisten mit einer Flasche so stark, dass dieser zu erblinden droht. Der mutmaßliche Täter aus dem Bereich der linksgerichteten Gegendemonstranten sei identifiziert und namentlich bekannt, hieß es.

Belegung des Heims geht trotzdem weiter

Neben der NPD versucht derzeit auch die rechtspopulistische Vereinigung Pro Deutschland den Streit um das Asylbewerberheim für seinen Wahlkampf zu nutzen. Sie hielt am Donnerstag mehrere Demonstrationen "gegen Islamisierung und Asylbewerber" im Berliner Stadtzentrum ab.

Nach Polizeiangaben versammelte sich "eine Handvoll Leute von Pro Deutschland" in Mitte vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz der Bundespartei Die Linke. Sie demonstrierten auch vor dem Verlagsgebäude der in Berlin erscheinenden "tageszeitung".

Trotz der angespannten Stimmung an dem Flüchtlingsheim sollen in den kommenden Tagen weitere Asylbewerber einziehen. Die Belegung werde nicht gestoppt, teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mit.

Flüchtlinge, die wegen der ausländerfeindlichen Stimmung dort nicht wohnen wollten, könnten allerdings in der Erstaufnahmestelle bleiben oder in eines der anderen 29 Heime ziehen. "Es wird keiner gezwungen, nach Hellersdorf zu ziehen", sagte Sprecherin Silvia Kostner.

Aktivisten demonstrieren gegen eine Kundgebung von "Pro Deutschland" im Stadtteil Friedrichshain in Berlin (Quelle: dpa)
Aktivisten demonstrieren gegen eine Kundgebung von "Pro Deutschland" in Friedrichshain

Bemühen um gute Nachbarschaft

Petra Pau, in Marzahn-Hellersdorf direkt gewählte Bundestagsabgeordnete der Linken, forderte im Deutschlandfunk Anwohnern und Heimbewohnern nun Zeit zum Kennenlernen zu geben: "Es muss jetzt erstmal möglich sein, sich zu begegnen", sagt Pau im Deutschlandfunk. Viele Anwohner wüssten nicht, welchen Restriktionen Flüchtlinge unterworfen seien und dass sie beispielsweise überhaupt nicht arbeiten dürften.

Auch der evangelische Pfarrer Hartmut Wittig in Berlin-Hellersdorf berichtete im Kölner Domradio, dass seine Gemeinde in einem konfessionsübergreifenden Netzwerk nach Lösungen suche. "Wir versuchen jetzt ein nachbarschaftliches Kennenlernen in Gruppen zu organisieren", sagte Wittig und fügte hinzu: "Das Laute und das Schlimme ist ja einfach erreicht mit Plakaten und Lärm. Aber Verständnis zu erlangen und ein gegenseitiges Kennenlernen dauert sehr lange."


Am Montag hatten rund 50 Asylbewerber unter Polizeischutz die neue Notunterkunft in einer ehemaligen Schule bezogen. Seitdem gibt es Demonstrationen von rechtsextremen Gruppen und Gegenproteste von Unterstützern der Flüchtlinge.

"Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut"

Unterdessen stieß eine Forderung nach Bannmeilen um Asylbewerberheime auf Kritik . Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke hatte gefordert, die Versammlungsfreiheit in der Nähe von Asylbewerberheimen einzuschränken und Bannmeilen zu errichten. Die Demonstrationsfreiheit dürfe nicht auf Kosten der Menschen gehen, die erneut um Leib und Leben fürchten müssen, wenn zu Hass gegen sie aufgestachelt werde, begründete Lüke ihren Vorschlag.

Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), lehnt eine Bannmeile dagegen ab. Man müsse sich vielmehr denen entgegenstellen, die die Lage für ihre politischen Ziele ausnutzen wollen, sagte Wowereit dem rbb. Außerdem warnte der Landeschef vor einem "Polit-Tourismus" nach Hellersdorf. Die Menschen im Flüchtlingsheim müssten jetzt zur Ruhe kommen.

Ein klares Nein zur Bannmeilen-Debatte kam auch von Innensenator Frank Henkel (CDU). Im rbb sagte der Politiker, er halte die Diskussion um Bannmeilen für "brandgefährlich", weil man dann sehr schnell auch über Bannmeilen um Banken, Abschiebegefängnisse und andere Einrichtungen herum diskutieren werde. Die Versammlungsfreiheit sein ein "hohes Gut".

Die "Angstkampagnen" von Rechtsextremisten dürften nicht dazu führen, "dass wir zu weniger Demokratie kommen!" Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass der Staat bestimme, wer in Zukunft wogegen oder wofür demonstrieren dürfe, sagte Henkel. Die Polizei habe die Lage am Flüchtlingsheim im Griff.

Allert: In den allermeisten Fällen keine Probleme

Aus Sicht des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales ist der Konflikt um das Flüchtlingsheim in Hellersdorf nicht symptomatisch für Berlin. Wie der Präsident des Landesamtes, Franz Allert, dem rbb am Donnerstag sagte, gebe es in der Stadt über 30 Einrichtungen für Flüchtlinge. In den allermeisten Fällen gebe es weder Probleme in den Einrichtung noch mit den Anwohnern.

In Hellersdorf sei die Eröffnung des Heimes von der NPD und anderen rechten Gruppen instrumentalisiert worden. Die Art und die Intensität des Vorgehens habe den Bezirk und das Landesamt überrascht. Allert sagte, dass in den letzten zehn Jahren viele Unterbringungsmöglichkeiten abgeschafft worden seien, weil es weniger Flüchtlinge gegeben habe. Nun müssten von heute auf morgen wieder Kapazitäten geschaffen werden.

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  • Zu Besuch im Flüchtlingsheim

    Flüchtlingsheim in Berlin Hellersdorf wird bezogen (Quelle: dpa)

    Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte, Markus Löning, hat am Donnerstag mehrere Flüchtlingsheime in Berlin besucht. Er wollte sich darüber informieren, wo und wie Flüchtlinge in Berlin unterkommen. Der Besuch war schon länger geplant, allerdings wurde er durch die angespannte Lage vor dem Flüchtlingsheim in Hellersdorf überschattet.

  • Demonstrationen vor Flüchtlingsheim

    Flüchtlinge beziehen unter Polizeischutz die Asylbewerberunterkunft in Berlin Hellersdorf (Quelle: dpa)

    Der Streit um ein neues Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf hat die Debatte um die Unterbringung von Asylbewerbern wieder angefacht. Am Mittwoch protestierten erneut vereinzelte Demonstranten der islamfeindlichen Bürgerbewegung "Pro Deutschland" gegen die Sammelunterkunft für Bürgerkriegsopfer aus Syrien und Afghanistan.

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    Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) mit Jugendlichen des Projekts "Stark ohne Gewalt". (Quelle: dpa)

    Kriegsflüchtlinge sollen in Berlin-Hellersdorf ein neues Zuhause finden. Berlins Innensenator Frank Henkel kündigt im rbb-Interview an, dass die Kommunikation mit den Bürgern vor Ort verbessert werden soll.

  • Debatte um Sicherheit der Flüchtlinge

    Ein NPD-Sympathisant protestiert hinter einer Polizeikette gegen das neue Flüchtlingswohnheim in Berlin-Hellersdorf (Quelle: dpa)

    Erneut hat es in Hellersdorf Proteste gegen das Flüchtlingsheim gegeben. Der neue Chef des Berliner Verfassungsschutzes, Bernd Palenda, hält den Polizeischutz für die Einrichtung weiterhin für notwendig.

  • Flüchtlingsrat fordert Belegungsstopp

    Polizisten diskutieren mit Anwohnern in Marzahn-Hellersdorf anlässlich des Einzugs der ersten Flüchtlinge am 19. August 2013 - Foto: rbb /Matthias Barsch

    Der Berliner Flüchtlingsrat forderte, den Einzug der Asylbewohner zu stoppen, da es kein Sicherheitskonzept für die Unterkunft gebe. rbb Inforadio-Moderatorin Irina Grabowski spricht mit Martina Mauer, Sprecherin des Berliner Flüchtlingsrates.

  • Gesicht zeigen

    Uwe-Karsten Heye zu Gast im kulturradio; Foto: gb

    Uwe-Karsten Heye, Vorsitzender des Vereins "Gesicht zeigen!" setzt sich für die Belange von Asylsuchenden ein.

  • Dröge: Anwohner müssen eingebunden werden

    Der Landesbischof von Berlin-Brandenburg, Markus Dröge. (Bild: dpa)

    In die Diskussion über das Asylbewerberheim in Hellersdorf hat sich auch die Evangelische Kirche eingeschaltet. So forderte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz im rbb, man müsse mit den Anwohnern ins Gespräch kommen.

  • "Bürger nicht in die rechte Ecke stellen"

    Archivbild: Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin Berlin Marzahn-Hellersdorf (Quelle: Imago)

    Dagmar Pohle, Vize-Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, warnte am Mittwoch im rbb-Interview davor, die Bürger in ihrem Bezirk in die "Rechte Ecke" zu stellen. Man dürfe die Bevölkerung rings um das Flüchtlingsheim nicht als ausländerfeindlich abstempeln. Bei Dialogveranstaltungen zeige sich, dass es bei den Anwohnern auf großes Unverständnis stoße, dass sie instrumentalisiert würden. Es sei eine breite demokratische Mehrheit vorhanden, die sich dem "rechten Mob" entgegenstelle.

  • Erste Asylbewerber in Hellerdorfer Flüchtlingsheim

    In das umstrittene Flüchtlingsheim in Hellersdorf sind am Montag die ersten Asylbewerber eingezogen. Seit Wochen gibt es eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Gegnern der Flüchtlingsunterkunft und Unterstützern der Asylsuchenden.

  • Es geht auch anders als in Hellersdorf

    Ein Flüchtling hängt Wäsche auf (Bild: dpa)

    Rund 43.000 Flüchtlinge sind im ersten Halbjahr 2013 nach Deutschland gekommen - doppelt so viele wie in 2012. In Berlin und Brandenburg entstehen deshalb neue Flüchtlingsheime. Das gibt oft Ärger - prominentestes Beispiel ist Berlin-Hellersdorf. Dass es anders geht, zeigt Teltow, wo es gelungen ist, ein Flüchtlingsheim ziemlich problemlos an den Start zu bringen.

  • "Sich nicht instrumentalisieren lassen"

    Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) mit Jugendlichen des Projekts "Stark ohne Gewalt". (Quelle: dpa)

    Kriegsflüchtlinge sollen in Berlin-Hellersdorf ein neues Zuhause finden. Begrüßt wurden sie dort mit Plakaten, auf denen "Guter Heimflug" stand. Berlins Innensenator Frank Henkel geht im rbb-Interview davon aus, dass die Polizei die Lage im Griff hat und will die Kommunikation mit den Bürgern vor Ort verbessern.

  • "Berlin braucht mehr Unterkünfte"

    SPD-Politikerin Ülker Radziwill am 25. Mai 2013 während des SPD-Landesparteitages (Bild: imago)

    SPD-Fraktionsvize Ülker Radziwill sagte am Mittwoch im rbb, in anderen Berliner Bezirken laufe die Unterbringung von Flüchtlingen gut. Manchmal würden sogar Willkommensfeste veranstaltet, wie etwa in Charlottenburg. Entscheidend sei, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren und in die Planung einzubinden.

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