Ein Mann und eine Frau reichen sich auf eine Menschenkette verteilt einen Karton mit der Aufschrift "22859 Menschen begrüßen die Asylbewerber in der Carola-Neher-Straße". (Bild dpa)

Räume für 400 Menschen - Hellersdorfer Flüchtlinge ziehen um in saniertes Heim

Während Kreuzberg zeigt, wie schwierig die Debatte über die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin sein kann, beweist Hellersdorf, wie gut es am Ende klappen kann: Erst schlagen Bürger mit vereinten Kräften hetzende Neonazis zurück, dann organisieren sie im großen Stil Spenden und nun können die Flüchtlinge auch noch ein saniertes Heim beziehen.

Das erste Gebäude des Hellersdorfer Flüchtlingsheims in der Carola-Neher-Straße ist fertig saniert. Aus der Notunterkunft wurde ein Rückzugsort mit abgeschlossenen Familienappartments, eigener Küche und Bad. "Gerade für traumatisierte Menschen ist diese Privatsphäre sehr wichtig", sagt Martina Wohlrabe (50), die Heimleiterin in Hellersdorf.

In den kommenden Tagen ziehen alle 200 Asylbewerber in das Nebenhaus um. Anschließend wird auch das Hauptgebäude modernisiert, Ende März können dann 200 weitere Flüchtlinge nach Hellersdorf ziehen.

Hellersdorfer wehren sich gegen rechte Propaganda

Neben den Räumlichkeiten hat sich auch die Stimmung im Stadtteil verbessert. Vor vier Monaten zogen die ersten Flüchtlinge in die leerstehende Schule ein. Damals marschierten Neonazis auf, die NPD plakatierte ausländerfeindliche Wahlkampfparolen.

Doch es formierte sich auch schnell bürgerschaftlicher Widerstand. Vor allem über Facebook organisierten Berliner zusammen mit linken Gruppen Hilfsmaßnahmen für die Flüchtlinge, sammelten kistenweise Spenden ein, darunter Spielzeug und Schulbedarf für die Kinder. Heute helfen Anwohner den Heimbewohnern beim Deutsch lernen. "Die Menschen haben schnell gemerkt: Ihr Leben verschlechtert sich durch die Anwesenheit der Flüchtlinge nicht", sagt Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf.

Die Rechtsextremisten hätten es nicht geschafft, die Nachbarn mit ihren Parolen zu agitieren. Demonstrationen von Rechten gab es lange nicht mehr, "wenn wir hier jetzt eine Demo haben, dann pro Flüchtlingsheim."

Flüchtlinge bringen am 24.11.2013 in Berlin am Oranienplatz Taschen zu einem Lkw. (Quelle: dpa)

Jahresrückblick auf Flüchtlinge in Berlin - Schmerzlich willkommen

Überfüllte Flüchtlingsboote vor der Insel Lampedusa, Menschen die kurz vor ihrem Ziel - Europa - ertrinken. Diese Bilder haben uns im vergangenen Jahr begleitet und sie sind näher gerückt. Denn nach Berlin kamen 2013 so viele Flüchtlinge wie lange nicht mehr. Sie unterzubringen stellte den Senat vor große Probleme. Dazu gehörten die Proteste der Flüchtlinge auf dem Oranienplatz und vor dem Brandenburger Tor - und die von Rechtsextremen gegen ein geplantes Heim in Hellersdorf. Von Nina Amin

Parteianhänger der "Linken" demonstrieren gegen die Bürgerinitiative "pro Deutschland" (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)

Protest gegen Asylbewerber - Gegendemonstranten stellen sich gegen Rechtspopulisten

Die Proteste gegen das Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf reißen nicht ab. Anhänger der rechtsgerichteten Vereinigung "pro Deutschland" ziehen am Donnerstag durch Berlin, um "gegen Islamisierung und Asylbewerber" zu protestieren. Erste Station war vor der Zentrale der Bundespartei "Die Linke". Die Gegendemonstranten bilden die klare Mehrheit.

Unterstützer des Flüchtlingsheim in Berlin Hellersdorf (Quelle: dpa)

Preisgeld soll in Vereinsarbeit fließen - "Hellersdorf hilft" mit Zivilcourage-Preis ausgezeichnet

Sie haben Willkommensbriefe an Asylsuchende in sechs Sprachen verfasst, Spenden gesammelt, eine Menschenkette organisiert: Die Initiative "Hellersdorf hilft" fand sich im Juni spontan zusammen, als Rechte vor dem Flüchtlingsheim in Hellersdorf Stimmung machten. Am Dienstag überreichten die Jüdische Gemeinde Berlin und der Förderkreis "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" der jungen Initiative einen Zivilcourage-Preis. Von Thomas Klatt