
Räume für 400 Menschen - Hellersdorfer Flüchtlinge ziehen um in saniertes Heim
Während Kreuzberg zeigt, wie schwierig die Debatte über die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin sein kann, beweist Hellersdorf, wie gut es am Ende klappen kann: Erst schlagen Bürger mit vereinten Kräften hetzende Neonazis zurück, dann organisieren sie im großen Stil Spenden und nun können die Flüchtlinge auch noch ein saniertes Heim beziehen.
Das erste Gebäude des Hellersdorfer Flüchtlingsheims in der Carola-Neher-Straße ist fertig saniert. Aus der Notunterkunft wurde ein Rückzugsort mit abgeschlossenen Familienappartments, eigener Küche und Bad. "Gerade für traumatisierte Menschen ist diese Privatsphäre sehr wichtig", sagt Martina Wohlrabe (50), die Heimleiterin in Hellersdorf.
In den kommenden Tagen ziehen alle 200 Asylbewerber in das Nebenhaus um. Anschließend wird auch das Hauptgebäude modernisiert, Ende März können dann 200 weitere Flüchtlinge nach Hellersdorf ziehen.
Hellersdorfer wehren sich gegen rechte Propaganda
Neben den Räumlichkeiten hat sich auch die Stimmung im Stadtteil verbessert. Vor vier Monaten zogen die ersten Flüchtlinge in die leerstehende Schule ein. Damals marschierten Neonazis auf, die NPD plakatierte ausländerfeindliche Wahlkampfparolen.
Doch es formierte sich auch schnell bürgerschaftlicher Widerstand. Vor allem über Facebook organisierten Berliner zusammen mit linken Gruppen Hilfsmaßnahmen für die Flüchtlinge, sammelten kistenweise Spenden ein, darunter Spielzeug und Schulbedarf für die Kinder. Heute helfen Anwohner den Heimbewohnern beim Deutsch lernen. "Die Menschen haben schnell gemerkt: Ihr Leben verschlechtert sich durch die Anwesenheit der Flüchtlinge nicht", sagt Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf.
Die Rechtsextremisten hätten es nicht geschafft, die Nachbarn mit ihren Parolen zu agitieren. Demonstrationen von Rechten gab es lange nicht mehr, "wenn wir hier jetzt eine Demo haben, dann pro Flüchtlingsheim."





