Yusuf, Flüchtling aus Ghana, befestigt am 04.03.2014 in Berlin im Füchtlingscamp auf dem Oranienplatz ein Holzplatte an seiner Hütte (Quelle: dpa)

Innensenator wettert gegen Buden am Oranienplatz - Henkel und Herrmann streiten - Kolat schweigt

Eine Lösung für Hunderte illiegale Flüchtlinge ist weiterhin nicht in Sicht. In dem Camp auf dem Berliner Oranienplatz werden bereits Bretterbuden gezimmert. Derweil ist der Streit zwischen Innensenator Henkel und Bezirksbürgermeisterin Herrmann neu entflammt - nur Integrationssenatorin Kolat hält sich zurück. Sie ist für die Verhandlungen mit den Flüchtlingen zuständig.

Der Streit um das Flüchtlingscamp auf dem Berliner Oranienplatz droht erneut zu eskalieren. Der Senat und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg schoben sich am Mittwoch gegenseitig die Verantwortung für den Abbau der Bretterbuden zu. Seit eineinhalb Jahren kämpfen dort mehr als 100 Flüchtlinge vor allem aus Afrika für ein Bleiberecht in Deutschland.

Trotz Verhandlungen mit dem Senat ersetzen sie inzwischen die Zelte durch Holzhütten. Das hält die CDU in der rot-schwarzen Koalition für einen weiteren Rechtsbruch. Sie wollte das Camp schon längst räumen lassen, was die SPD und ihr Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit verhinderten.

Innensenator Frank Henkel (CDU) forderte die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann (Grüne) auf, den Bau von Bretterbuden im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz zu unterbinden. "Jede Situation, die sich dort als verfestigend darstellt - und das tut es ja, wenn man Bretterbuden baut - ist eine Situation, die den rechtswidrigen Zustand noch rechtswidriger macht", sagte er am Dienstagabend im rbb.

Herrmann habe bis Freitag Zeit für eine Antwort, wie sie mit dem Problem umzugehen denke. "Ich habe nicht viel Hoffnung, wenn ich mir ansehe, wie hilflos die grüne Bezirksbürgermeisterin insgesamt mit der Causa Oranienplatz umgeht", sagte Henkel weiter.

"Sie will nicht mit uns telefonieren"

Die Bezirksbürgermeisterin sagte dazu am Mittwoch dem rbb, der Senat setze nach wie vor auf eine Verhandlungslösung. Sollte Henkel damit nicht einverstanden sein, müsse er sich an den Regierenden Bürgermeister wenden. Für die Verhandlungen mit den Flüchtlingen ist laut Herrmann Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) zuständig.

"Wir wissen nichts. Wir versuchen seit Wochen, mit Frau Kolat ins Gespräch zu kommen. Wir bekommen keine Informationen - und sie sagt auch ganz klar, sie will nicht mit uns telefonieren", so Herrmann. Henkel warf sie vor, mit seinen neuesten Äußerungen "Öl ins Feuer zu gießen". Seiner Senatskollegin Kolat gegenüber verhalte er sich "illoyal".

Zugleich kritisierte die Grüne den Hüttenbau. "Ich halte das für falsch und verstehe es nicht", sagte Herrmann. "Das macht die Verhandlungen nur schwieriger."

Alle verweisen auf Kolat - doch Kolat schweigt

Seit Wochen bauen die Flüchtlinge auf dem Oranienplatz Bretterbuden. Ihnen sitzt die Zeit im Nacken: Am 31. März endet die Frist für die Winterunterkünfte, in der etliche Flüchtlinge derzeit leben - in einem ehemaligen Altenheim der Caritas im Wedding und im ehemaligen Notaufnahmelager Marienfelde.

Bis Fristablauf sollte eigentlich in Verhandlungen mit Sozialsenatorin Dilek Kolat (SPD) eine Lösung gefunden worden sein. Doch wie die aussehen könnte, ist derzeit noch völlig offen. "Wir haben noch keinen neuen Stand. Wir haben uns zwei oder dreimal getroffen, aber: nichts", sagte Bashir Zaharia, einer der Flüchtlinge, dem rbb.

Nicht nur die Flüchtlinge werden langsam nervös, auch die Direktorin der Caritas, Ulrike Kostka, drängt auf eine politische Entscheidung. "Die ist auch dringend angesagt, weil es nur noch drei Wochen bis Ende März sind."

Nicht nur zwischen Herrmann und Kolat, sondern auch innerhalb des Senats besteht seit Monaten Uneinigkeit in der Frage, wie mit den Flüchtlingen auf dem Oranienplatz umzugehen ist. CDU-Senator Henkel hat sich mehrfach für eine Räumung des Platzes stark gemacht. SPD-Senatorin Kolat hat sich derweil für weitere Verhandlungen ausgesprochen - und dafür vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Auftrag bekommen.

Dilek Kolat (SPD) [Bild: dpa]
Senatorin Dilek Kolat schweigt zum Stand der Gespräche.

"Es gibt momentan keinen Gesprächsbedarf von uns mit Frau Herrmann"

Sowohl Henkel als auch sein Parteifreund Mario Czaja, der Justizenator, verweisen deshalb nun auf Kolat. "Wir sind in diese Gespräche nicht einbezogen, weil Frau Kolat diese Verhandlungen führt", sagte er dem rbb. "Wir hatten zum Oranienplatz ja eine andere politische Auffassung - und deswegen erwarten wir natürlich auch, dass bis Ende des Monats eine Lösung da ist."

Kolat selbst äußert sich derweil nicht öffentlich zum Stand der Gespräche. Am Mittwoch lehnte sie Anfragen von Journalisten ab. Sie pocht auf Vertraulichkeit der Gespräche. Ihr Sprecher sagte, dass die Gespräche liefen und in dieser Woche noch ein Treffen mit den Flüchtlingen stattfinde.

Den Bau der Bretterbuden wollte er nicht kommentieren. Zur Frage, warum Herrmann die Senatorin Kolat nicht am Telefon erreiche, sagte der Sprecher: "Es gibt momentan keinen Gesprächsbedarf von uns mit Frau Herrmann."

Innen-Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) kritisierte die Untätigkeit des Bezirks. "Frau Herrmann hat ein breites Spektrum, wenn es darum geht, sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen", sagte Krömer der dpa. Es sei eindeutig geregelt, dass der Bezirk für Baugenehmigungen zuständig sei. Zelte wie Hütten seien illegal errichtet. Das habe nichts mit den Gesprächen Kolats zu tun.

Die Piraten warfen der CDU vor, eine humanitäre Lösung zu verhindern. Seit Tagen seien die Flüchtlinge auf dem Platz ohne Toiletten, fließend Wasser und bald auch ohne Strom, kritisierte ihr flüchtlingspolitischer Sprecher Fabio Reinhardt. "Durch die Kampfrhetorik der CDU und Henkels Ultimaten wird die Lage nur weiter eskaliert."

Mit Informationen von Katalin Ambrus

Die Akteure am Oranienplatz

  • Der Bezirk

  • Der Senat

  • Die Flüchtlinge

  • Unterstützer

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