
Bezirksbürgermeisterin bittet Senat um Hilfe - Herrmann fordert neues Haus für Flüchtlinge am Oranienplatz
Ohne funktionierende Sanitäranlagen, überfüllt mit Hunderten Menschen - das Flüchtlingslager in einer ehemaligen Schule in Friedrichshain-Kreuzberg bereitet dem Bezirk Sorgen. Einem Medienbericht zufolge bat Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (B'90/Grüne) jetzt den Senat darum, für die Flüchtlinge eine neue Immobilie zu finden.
Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Hermann (B'90/Grüne), fordert ein Haus mit funktionierenden sanitären Einrichtungen für die Flüchtlinge vom Oranienplatz. Deshalb habe sie sich an Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) gewandt und den Senat um Hilfe gebeten, da der Bezirk keine geeignete Immobilie habe, sagte Herrmann der Tageszeitung "taz" (Dienstag).
Auch die sanitären und sonstigen Zustände in der von den Flüchtlingen besetzten Schule in Kreuzberg würden immer unhaltbarer. Nach dem Bericht der "taz" erhielten die Flüchtlinge vom Oranienplatz inzwischen auch keine Lebensmittelspenden mehr von der Berliner Tafel und lebten von privaten Essensspenden.
Auch Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke hält die Bedingungen sowohl am Oranienplatz als auch in der ehemaligen Schule für inakzeptabel und fordert eine humanitäre Lösung. Berlin habe aber schon für die Flüchtlinge, die legal ihr Asylverfahren durchliefen, zu wenig Wohnraum, sagte Lüke der "Berliner Zeitung" (Dienstag).
Lüke forderte eine breite gesellschaftliche Debatte über den steigenden Flüchtlingsstrom nach Europa und Deutschland. Die Flüchtlinge müssten in Europa fairer verteilt werden, sagte die Integrationsbeauftragte.
Bezirk duldet Flüchtlingscamps
Vor einem Jahr zogen rund 100 Flüchtlinge aus Süddeutschland in einem sechswöchigen Fußmarsch nach Berlin, um ihren Forderungen politisch Nachdruck zu verleihen. Sie fordern die Abschaffung der Residenzpflicht, der Abschiebungen und der Sammelunterkünfte. Ferner wollen sie von Anfang ihres Aufenthaltes in Deutschland an arbeiten können.
Nach einem Monat Protestcamp vor dem Brandenburger Tor zogen die Flüchtlinge in Zelte auf dem Oranienplatz in Kreuzberg um. Der Bezirk duldet dies, obwohl die Flüchtlinge in die Bundesländer zurückkehren müssten, wo sie Asyl beantragt haben. Ein weiterer Teil der Flüchtlinge hat die leere Schule besetzt, in der mittlerweile katastrophale Zustände herrschen.
Inzwischen leben an beiden Orten - dem Camp auf dem Oranienplatz und der ehemaligen Schule - zwischen 200 und 400 Flüchtlinge, aber auch Obdachlose und Roma - wieviele genau, weiß niemand.



