Ein Flüchtling sitzt am 30.08.2013 in einem Klassenraum der ehemaligen Gerhart- Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg.(Quelle: dpa)
Video: Agnes Taegener, Abendschau | 29.08.2013

Keine Scheiben, keine Duschen, kaum Toiletten - Katastrophale Zustände in von Flüchtlingen besetzter Schule

Seit Dezember besetzen Flüchtlinge eine ehemalige Schule in Berlin-Kreuzberg. Der Bezirk lässt sie bisher gewähren. Doch inzwischen sind laut rbb-Informationen die Zustände in dem Haus menschenunwürdig geworden.

In der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule an der Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg leben nach rbb-Informationen mehrere hundert Menschen unter unzumutbaren Bedingungen.

Das leerstehende Gebäude war im vergangenen Dezember mit Einverständnis des Bezirks von Flüchtlingen besetzt worden. Im Frühjahr lebten dort rund 160 Menschen, inzwischen sollen es mehr als doppelt so viele sein.

Bewohner und Anwohner der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg räumen am 30.08.2013 Müll in bereitgestellte Container. (Quelle: dpa)
In der ehemaligen Schule türmen sich die Müllberge.

Mülltonnen bestellt, Putzmittel gebracht

Sie führen das Gebäude laut Bezirk in "Selbstverwaltung". Die Bewohner sind offenbar Flüchtlinge aus Afrika, Roma und Obdachlose. Teilweise leben 20 Menschen in einem Zimmer.

Die hygienische Lage ist katastrophal, es gibt nur wenige Toiletten und keine Duschen. Außerdem fehlen in vielen Fenstern die Scheiben, die Heizung funktioniert nur teilweise. Anwohner beklagen, dass Müll und auch Windeln aus den Fenstern geworfen würden.

Der Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Bündnis 90/ GRÜNE), sagte dem rbb, der Bezirk habe Mülltonnen bestellt und Putzmittel gebracht. Es sei aber schwer mit der Kommunikation. Ende der Woche soll es ein Treffen von Bezirk und den Bewohnern des Gebäudes geben.

Protest am Kreuzberger Oranienplatz

Auch auf dem Oranienplatz protestieren Flüchtlinge seit Monaten, Kreuzberg duldet auch diesen Protest. Allerdings gibt es daran Kritik: Vor allem Innensenator Frank Henkel (CDU) fordert die Auflösung des Camps. Die Flüchtlinge fordern unter anderem die Abschaffung der Residenzpflicht.

Henkel verweist stets auf den rechtswidrigen Zustand des Camps. Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Grüne) unterstützt dagegen den Protest. Sie forderte den Innensenator und Integrationssentorin Dilek Kolat (SPD) auf, das Gespräch mit den Flüchtlingen zu suchen. "Je früher das geschieht, desto eher wird sich das Camp von selbst auflösen".

Blick auf das Flüchtlingscamp am Oranienplatz Anfang Januar 2013 (Quelle: dpa)
Henkel will das Camp am Oranienplatz räumen lassen, der Bezirk lehnt das ab

Wohnungen statt Sammelunterkünfte

Die Flüchtlingsdebatte war am Donnerstag auch Thema im Abgeordnetenhaus. In einer gemeinsamen Resolution stellten sich die fünf Fraktionen deutlich hinter die Asylbewerber in Berlin und das Recht auf Asyl. In einer Erklärung wenden sie sich gegen rassistische Hetze auf Flüchtlinge und politisch Verfolgte."Flüchtlinge sind in Berlin willkommen", sagte die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ülker Radziwill.

Hintergrund der Debatte waren die zum Teil massiven Proteste in mehreren Bezirken gegen neue Flüchtlingsheime. Zuletzt gab es besonders heftigem Widerstand in Hellersdorf, den die rechtsextreme NPD im Vorfeld angeheizt hatte.

Sozialsenator Czaja sagte, in allen Berliner Bezirken seien die Flüchtlinge sicher. Er bekannte sich aber auch dazu, dass Flüchtlinge so oft wie möglich in Wohnungen statt Sammelunterkünften unterzubringen. Laut Czaja leben derzeit rund 8.000 Asylbewerber in Berlin in eigenen Wohnungen, weitere 6.500 in Sammelunterkünften.

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