
Probleme in Asylbewerberheimen - Von der ständigen Angst, wieder abgeschoben zu werden
Viele Asylbewerber in Brandenburg müssen monatelang auf eine Wohnung warten. Dagegen scheinen es die Bewohnerinnen des Frauenasyls in Potsdam besser getroffen zu haben: Sie leben in eigenen kleinen Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus. Doch gerade dort gibt es Ärger zwischen den Bewohnerinnen und der Heimleitung, wie Katrin Lechler erfahren hat.
Sharah H. ist vor einem Jahr aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Die erste Station der 29-Jährigen und ihrer zwei und vier Jahre alten Kinder war das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt, dann erhielt sie einen Platz im Potsdamer Frauenasyl - ein Heim, das sich um die Integration von besonders schutzbedürftigen, oftmals traumatisierten Flüchtlingen kümmert. Doch für Sharah H. begann damit eine schlimme Zeit, sagt sie: "Die meiste Zeit hat uns die Heimleiterin herumkommandiert. Wir fühlten uns nicht frei und sehr gestresst dadurch."
Häufig habe ihr die Heimleiterin, Frau K., gedroht - mit Geldzahlungen, mit dem Jugendamt oder mit der Polizei. Die Gemeinschaftsräume seien videoüberwacht worden. Die Putzmittel, mit denen Sharah H. und die anderen Bewohnerinnen gegen ein kleines Entgelt die Einrichtung putzten, habe sie selber zahlen müsse, sagt die 29-Jährige. Und als ihre zweijährige Tochter sich einmal aus Versehen im Bad eingeschlossen habe und der Schlüsseldienst kam, habe sie die Kosten von 150 Euro selbst tragen müssen.
Asylbewerber kennen oftmals nicht ihre Rechte
Das alles hat Sharah H. vor einigen Monaten ihrer Deutschlehrerin anvertraut. Die wandte sich an die Stadt Potsdam, die das Heim über den Verein Soziale Stadt Potsdam mitträgt. Eine Mediation zwischen den beiden Frauen blieb ergebnislos. Der Fall zeige, dass es kein funktionierendes Beschwerdemanagement in Asylbewerberheimen gebe, sagt Kai Wendel vom Brandenburger Flüchtlingsrat: "In allen anderen Bereichen des sozialen Sektors wie Altenheim, Pflegeheim, ist so etwas Vorschrift: Dass es ein Beschwerdemanagement gibt, um die Rechte der Bewohner zu stärken. In dem Bereich der Flüchtlingsunterkunft gibt es das bisher nicht." Wie können sich Bewohner wehren, wenn das Verhalten respektlos ist, wenn die Heimleiter die Geheimhaltungspflicht verletzen, fragt sich Wendel.

Oftmals kennen die Asylbewerber weder ihre eigenen Rechte noch die der Heimleitung, wie Wendel sagt. Er berichtet von einem Fall in einer Flüchtlingsunterkunft in einem anderen Landkreis. Dort hätten Flüchtlinge erzählt, dass der Heimleiter sich mit "Boss" anreden ließ und wie ein kleiner Gott aufgetreten sei, nach dem Motto: Wer auf meiner Seite ist, kriegt einen Aufenthalt, wer nicht, wird abgeschoben. "Viele haben das geglaubt, weil sie nicht über ihre Rechte informiert waren."
"Du hast ständig Angst, etwas Falsches zu tun"
Das kann Betty Ngari aus Kenia nur bestätigen. Sie hat selbst in Brandenburger Flüchtlingsunterkünften gelebt, bevor sie eine Arbeitserlaubnis bekam: Heute arbeitet sie ehrenamtlich für den Verein "Women in Exile - Frauen im Exil": "Wenn du als Neue in ein Flüchtingsheim kommst, ist das wie eine zweite Traumatisierung. Du hast ständig Angst, dass du etwas Falsches tust und dann die Polizei kommt und dich nach Hause schickt. Diese Angst und der Mangel an Informationen macht das Leben im Heim so schrecklich."
Keine Stellungnahme von Seiten des Trägervereins
Beschwerdemanagement und Transparenz habe es im Frauenasyl aber gegeben, so der Träger, der Verein Soziale Stadt Potsdam, in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem rbb. Es gebe jederzeit die Möglichkeit, die Mitarbeiterinnen oder auch die Mitbewohnerinnen persönlich anzusprechen und im geschützten Rahmen über persönliche und allgemeine Probleme, Unzufriedenheit, Kritiken, Empfindungen und Befinden zu reden, so der Verein.
Sharah H. hat das jedoch anders erlebt, als sie über ihre Probleme mit der Heimleiterin sprechen wollte: "Ich bin zur Chefin von Frau K. gegangen. Aber sie sagte, dass sie keine Zeit hat."
Gabriele Röder ist die Geschäftsführerin des Trägervereins. Für ein persönliches Interview mit dem rbb steht sie nicht zur Verfügung. Auf die Nachfrage, ob die Gemeinschaftsräume tatsächlich videoüberwacht wurden, schreibt sie, dass es keine Videoüberwachung in der Gemeinschaftsunterkunft gebe. Es gebe ein abgestimmtes Sicherheitskonzept, das von allen Beteiligten mit deren schriftlicher Zustimmung getragen werde.
Sharah H. ist froh, dass sie inzwischen in einer Gemeinschaftsunterkunft ohne abgestimmtes Sicherheitskonzept lebt. Auch ihre ehemalige Mitbewohnerin im Frauenasyl, die sich ebenfalls über die Heimleiterin beklagt hatte, ist längst ausgezogen.




