Der Oranienplatz (Quelle: dpa)

John kritisiert Flüchtlingsunterstützer - Ex-Ausländerbeauftragte würde Oranienplatz räumen lassen

Verfahrener könnte der Streit nicht sein: Erst ist das Flüchtlingslager auf dem Berliner Oranienplatz aus Solidarität mit den zumeist aus Afrika stammenden Menschen wochenlang geduldet worden, nun soll es spätestens bis zum 16. Dezember geräumt werden. Barbara John, die frühere Ausländerbeauftrage des Berliner Senats, unterstützt diesen Plan - und warnt vor politischer Instrumentalisierung.

Die frühere Berliner Ausländerbeauftragte, Barbara John (CDU), hat sich dafür ausgesprochen, das Flüchtlingscamp am Oranienplatz notfalls räumen zu lassen. Zwar habe sie Sympathien für die Bemühungen von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), doch bestehe die Gefahr, dass die linksextremen Unterstützer des Zeltlagers die Flüchtlinge benutzen, um ihre eigenen Vorstellungen von Flüchtlingspolitik zu propagieren, sagte die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin am Freitag dem rbb.

Kritik an linksextremen Sympathisanten

Die "Radikalinskis" unter den Flüchtlingsunterstützern, so John, würden Abschiebungen grundsätzlich ablehnen und einen freien Zugang nach Deutschland verlangen. Demnach müsste dann jeder Flüchtling geduldet werden. Sollten die Verhandlungen mit den Flüchtlingen und ihren Unterstützern scheitern, müsse das Lager daher geräumt werden, sagte die CDU-Politikerin.

John erneuerte ihre Kritik an den linksextremen Sympathisanten der zumeist aus Afrika stammenden Flüchtlinge. "Die sogenannten Unterstützer sind, wenn man es genau nimmt, Zyniker", sagt John. "Die warten nur darauf, dass die Polizei mit Gummiknüppeln anreist, dass es Schlägereien gibt, Verletzte, vielleicht sogar Schlimmeres." Dahinter glaubt die CDU-Politikerin eine klare Motivation zu erkennen. "Damit sie der Welt zeigen können: So ist Asylpolitik in Deutschland."

Turgay Ulu bei der BVV (Bild dpa)
Hat 15 Jahre in türkischen Gefängnissen gesessen: Flüchtlingsaktivist Turgay Ulu.

"Bleiberecht für alle"

Einer der Aktivisten ist der Türke Turgay Ulu, ein linksradikaler Extremist, der für seine extremistischen Überzeugungen 15 Jahre lang in türkischen Gefängnissen gesessen hat. Er selbst ist nicht von Abschiebung bedroht; dennoch will er seinen Protest fortsetzen und fordert ein "Bleiberecht für alle". Doch diese Forderung der Aktivisten ist für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unerfüllbar.

Am Mittwoch hatten sich einige Flüchtlinge und eine größere Zahl an Sympathisanten Zugang zur Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) verschafft und die Sitzung als Plattform für ihre politischen Forderungen genutzt. Auch einige Flüchtlinge fühlen sich daher instrumentalisiert: "Wir aus Lampedusa akzeptieren diese Unterkunft hier im Wedding", sagt Bashir, einer der Flüchtlinge, die inzwischen in einem Gebäude der Caritas in Wedding untergekommen sind.

Mit Blick auf die Aktivisten sagt Bashir: "Sie tun das nicht, sie haben ja längst ihre Häuser, ihre Lager. Sie kämpfen gegen die Gesetze. Manche benutzen das Camp für ihre politischen Interessen", so Bashir im rbb.

Frist des Innensenators endet am 16. Dezember

Das Ultimatum von Innensenator Frank Henkel (CDU) steht jedenfalls: Bis zum 16. Dezember muss das Camp geräumt sein. Für die Flüchtlinge ohne geklärten Aufenthaltsstatus geht es dann nicht um ein paar Zelte und das Symbol "Oranienplatz", sondern um ihre Zukunft in Deutschland. Die Berliner Grünen sprechen in diesem Zusammenhang von einem europaweiten Missstand. Die Landesvorsitzende Bettina Jarasch sagte am Freitag, so lange es keine andere europaweite Regelung gebe, würden Bezirke und Land immer an ihre Grenzen stoßen. Für die Flüchtlinge auf dem Oranienplatz in Kreuzberg brauche man eine schnelle Lösung angesichts der Temperaturen.

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