Gruppenfoto der eingeschulten Kinder aus einer Flüchtlingsunterkunft in Neukölln am 24.03.2014 (Foto: rbb/Nina Amin)

Kinder aus Syrien, Serbien und Afghanistan - Neuköllner Flüchtlingskinder in Britz eingeschult

Viele Kinder haben schon mal Probleme, sich für die Schule zu begeistern. Für zwölf neue Schüler an der Herman-Nohl-Schule in Britz ist der Schulbesuch allerdings ein Segen - viele haben den Krieg in Syrien oder Afghanistan überlebt und halten jetzt ihre erste Schultüte in den Händen. Von Nina Amin

Die Grundschüler der Herman-Nohl-Schule stehen auf der Bühne der Aula und singen für ihre zwölf neuen Mitschüler. Das Lied erzählt von Anderssein. Shahad kommt aus Syrien. Das siebenjährige Mädchen versteht zwar nicht, was die Schüler singen, aber die Botschaft scheint anzukommen. Neben ihrem Vater verfolgt sie lächelnd die Aufführung.

Sprachkenntnisse sind die größte Hürde

Es ist der erste Schultag für die Kinder aus Syrien, Afghanistan, Ägypten und Serbien. Sie alle leben seit kurzem in der neuen Flüchtlingsunterkunft in Britz. An der Herman-Nohl-Schule haben sich Schüler, Eltern und Lehrer intensiv auf ihre Ankunft vorbereitet. Während die neuen Schüler ihre erste Schulstunde haben, gibt es Kaffee und Kuchen für die wartenden Eltern.

Dabei zeigt sich schnell: Die Kommunikation ist schwierig. Einige sprechen gar kein Deutsch, andere sehr wenig. Stefano Eleuteri ist der Gesamtelternvertreter. Er will jetzt unter der Elternschaft seiner Schule Dolmetscher für die neuen Eltern finden, vor allem für Arabisch und Farsi. "Wir haben 44 Nationalitäten an dieser Schule, da werden sich bestimmt Leute finden, die uns helfen können."

Schultüten und Schultaschen stehen am 24.03.2014 in der Herman-Nohl-Schule (Foto: rbb/Nina Amin)
Ohne Zuckertüte keine Einschulung

Am schnellsten geht es bei Sport, Kunst und Musik

Denn die Eltern sollten von Anfang an mit in das Schulleben einbezogen werden, findet Schuldirektorin Ilona Bernsdorf. Das helfe bei der Integration ihrer Kinder.

Die werden zunächst in einer Extra-Willkommensklasse Deutsch lernen. Je nachdem wie schnell das geht, werden die Kinder dann altersgerecht in den Regelbetrieb der Schule übergehen, so Bernsdorf. "In den Bereichen Sport, Kunst und Musik werden sie sicher schon nach zwei bis drei Monaten in die anderen Klassen reingehen können. Für die anderen Fächer müssen wir den Erfolg der Sprachförderung abwarten."

"Wir wollen ein Zeichen setzen"

Es bleibt auch abzuwarten, wie lange die Schüler an der Herman-Nohl-Schule bleiben können. Das hängt von ihren Asylverfahren ab.

Die kleine Syrerin Shahad hat wahrscheinlich die besten Chance, mit ihrer Familie in Berlin bleiben zu können. In ihrer Heimat herrscht Krieg. Die frisch eingeschulten Kinder aus Serbien dagegen eher nicht, denn die meisten Asylgesuche aus der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik werden abgelehnt.

Für Schulstadträtin Franziska Giffey ist das aber kein Grund, den neuen Schüler nicht den besten Schulstart zu ermöglichen. Im Gegenteil: Sie willkommen zu heißen, sei sehr wichtig. "Wir wollen da in Neukölln auch ein ganz klares Zeichen setzen, allen fremdenfeindlichen Tendenzen entgegen. Diese Kinder können genauso lernen und Erfolg haben wie alle anderen auch."

Für Shahad hätte der erste Schultag nicht besser sein können. Mit ihrer Schultüte unter dem Arm läuft sie an der Hand ihres Vaters zurück ins Flüchtlingsheim. Und freut sich schon auf den nächsten Tag.

Beitrag von Nina Amin

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