Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin (Bündnis 90/Die Grünen) spricht am 27.11.2013 in Berlin im Camp am Oranienplatz mit Flüchtlingen (Quelle: dpa)

Letzte Frist für Herrmann - Oranienplatz soll ab dem 18. Januar geräumt werden

Frank Henkel (CDU) will seine Drohung wahrmachen. Sollte der Oranienplatz bis zum kommenden Montag nicht geräumt sein, will der Innensenator im Wege der "Bezirksaufsicht" einen Polizeieinsatz auf den Weg bringen. Da dieser vom Senat genehmigt werden muss und der Bezirk noch eine letzte Frist bekäme, würde die Polizei allerdings erst am 18. Januar anrücken.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) will das umstrittene Flüchtlingscamp auf dem Kreuzberger Oranienplatz vom 18. Januar an räumen lassen, falls der Bezirk die Zelte nicht vorher entfernt. Dieses Vorgehen wolle er sich am 7. Januar vom Senat durch einen offiziellen Beschluss absegnen lassen. Dies habe Henkel in der Sitzung der CDU-Fraktion am Dienstag gesagt, bestätigte sein Sprecher Stefan Sukale.

Herrmann kritisiert "Eskalationsstrategie"

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), sagte der
Nachrichtenagentur dpa: "Es ist bedauerlich, dass sich der Innensenator für die Eskalationsstrategie entschieden hat. Ich hätte mir mehr Souveränität vom Senat gewünscht. Auch wenn der Senat Mitte Januar den Platz räumen lassen will, werden die Flüchtlinge weiterhin in der Stadt sein, und er wird sich trotzdem mit ihnen auseinandersetzen müssen."

Henkel und der Bezirk streiten sich seit Monaten über die etwa zehn großen Wohnzelte der Flüchtlinge, die seit dem Herbst 2012 auf dem Platz stehen. Herrmann hatte immer wieder
betont, der Bezirk werde die Zelte nicht mit Polizeigewalt räumen lassen. Der Senator hatte ihr zuletzt eine Frist bis zum 16. Dezember zum Abbau der Zelte gesetzt. Grüne, Linke und Piraten hatten Henkel immer wieder vorgeworfen, dass er die Situation eskalieren lasse. Eine Räumung durch die Polizei könne keine Lösung sein, hieß es. Die Polizei befürchtet, dass es gegen eine Räumung massive und zum Teil auch gewalttätige Proteste linker Gruppen geben könnte.

Bezirk würde noch eine letzte Frist bekommen

Nach dem jetzt angekündigten Zeitplan ist folgendes Vorgehen geplant: Am 17. Dezember will Henkel Herrmann erneut schriftlich zum Handeln auffordern. Sollte eine weitere Frist von drei Tagen verstreichen, will er am 20. Dezember einen Antrag im Senat einbringen. Am 7. Januar soll der Senat dem Bezirk eine Anweisung zur Räumung erteilen. Dafür hat der Bezirk zehn Tage Zeit. Handelt er nicht entsprechend, kann der Senat vom 18. Januar an im Rahmen der sogenannten Bezirksaufsicht selbst eingreifen und die Polizei räumen lassen.

Rechtliche Grundlage ist der Paragraf 13a des Allgemeinen Zuständigkeitsgesetzes (AZG). Danach kann der Senator eine Sache an sich ziehen, wenn durch das Handeln oder Unterlassen eines Bezirks dringende Gesamtinteressen Berlins beeinträchtigt sind. In einem Brief hatte Innen-Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) dem Bezirk einen Verstoß gegen das Grünanlagen-Schutzgesetz durch die Duldung eines Flüchtlinscamps vorgeworfen.

Herrmann hatte hingegen betont: "Meine These ist, die SPD im Senat stimmt nicht der Räumung eines Flüchtlingscamps zu, um eine Grünfläche zu schützen." Gleichzeitig räumte sie kürzlich ein, dass es sich bei den Zelten inzwischen nicht mehr um das ursprüngliche Wohncamp von Flüchtlingen aus Afrika handele, sondern um eine Art Protestbasis, in der sich tagsüber hauptsächlich linke Aktivisten aufhielten und nachts niemand mehr schlafe.

SPD schwenkt auf Henkels Linie ein

Während die SPD bisher eher auf Seiten des Bezirks stand, haben die Sozialdemokraten inzwischen signalisiert, den Innensenator zu unterstützen. Laut Henkel signalisierte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nun seine Zustimmung zum weiteren Vorgehen. Senatssprecher Richard Meng sagte am Dienstag: "Es ist die Sache des Innensenators, wann er den Senat damit befasst." Auch SPD-Innenexperte Frank Zimmermann würde die Entscheidung Henkels mittragen. Bis es soweit sei, setze die SPD aber auf eine friedliche und einvernehmliche Lösung, sagte Zimmermann am Montag dem rbb.

Unterstützer des Flüchtlingscamps am Berliner Oranienplatz haben unterdessen neue Proteste gegen das Ultimatum angekündigt. Unter dem Motto "Oranienplatz bleibt! Henkel stoppen!" rief die Initiative "asylstrikeberlin" am Sonntag zu einer Demonstration für den dritten Advent (15. Dezember) vor dem Dienstsitz von Henkel auf.

Die Flüchtlingsinitiative plant zunächst ein Konzert auf dem Oranienplatz (14 Uhr). Anschließend solle dann ein Demonstrationszug zur Gruner-/Ecke Stralauer Straße vor das Gebäude der Innenverwaltung gegenüber vom Roten Rathaus ziehen. "Und wir werden bleiben zu einer Nachtkundgebung bis zum nächsten Morgen, bis das Ultimatum zurückgezogen wird", heißt es in dem Aufruf.

Herrmann vertraut auf Absprachen

Herrmann wiederum wird das Zeltlager nicht per Zwang räumen lassen. "Wir werden den Platz nicht mit polizeilicher Gewalt räumen. Das ist ein einstimmiger BVV-Beschluss", sagte sie am Sonntag.

Zugleich sagte Herrmann, dass sie auf Dauer nur ein Info-Protestzelt, aber keine Schlafzelte auf dem Oranienplatz dulden werde. "Ich habe immer gesagt, die Zelte werden abgebaut, und dabei bleibe ich." Einen Zeitpunkt dafür könne sie nicht nennen. "Ich erwarte, dass wir die Zelte zusammen abbauen, zusammen mit den Flüchtlingen und den Aktivisten", sagte Herrmann.

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