Der Oranienplatz (Quelle: dpa)

Streit um Flüchtlingscamp - SPD will Räumung des Oranienplatzes notfalls unterstützen

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hält an seinem Ultimatum fest: Bis zum 16. Dezember hat der Bezirk Zeit, das Flüchtlingscamp am Oranienplatz zu räumen. Dann will sich Henkel einen Polizeieinsatz genehmigen lassen. Wie SPD-Innenexperte Frank Zimmermann dem rbb am Montag sagte, würde die SPD die Räumung notfalls unterstützen. Die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann dagegen setzt weiter auf Dialog.

Im Konflikt um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg hält die Konfrontation zwischen dem Senat und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weiter an. Innensenator Frank Henkel (CDU) bekräftigte am Montag, notfalls werde der Senat aktiv gegen die Besetzung des Oranienplatzes vorgehen.

Unterstützung erhält der Senator inzwischen auch von den Sozialdemokraten. Notfalls werde man die Entscheidung Henkels mittragen, sagte SPD-Innenexperte Frank Zimmermann am Montag dem rbb. Bis es soweit ist, setze die SPD aber auf eine friedliche und einvernehmliche Lösung.

Wann ein Polizeieinsatz stattfinden würde, ist im Augenblick noch unklar. Henkel will einen entsprechenden Antrag erst einreichen, wenn das Ultimatum verstrichen ist, also frühestens am 17. Dezember. Nach rbb-Informationen wäre dies zu spät, als dass der Antrag bei der Senatssitzung am selben Tag noch behandelt werden könnte. Die nächste Senatssitzung findet erst am 7. Januar statt.

Unterstützer des Flüchtlingscamps am Berliner Oranienplatz haben unterdessen neue Proteste gegen das Ultimatum angekündigt. Unter dem Motto "Oranienplatz bleibt! Henkel stoppen!" rief die Initiative "asylstrikeberlin" am Sonntag zu einer Demonstration für den dritten Advent (15. Dezember) vor dem Dienstsitz von Henkel auf. Henkel macht unter anderem die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), dafür verantwortlich, dass die Flüchtlinge noch immer dort leben und übernachten.

Die Flüchtlingsinitiative plant zunächst ein Konzert auf dem Oranienplatz (14 Uhr). Anschließend solle dann ein Demonstrationszug zur Gruner-/Ecke Stralauer Straße vor das Gebäude der Innenverwaltung gegenüber vom Roten Rathaus ziehen. "Und wir werden bleiben zu einer Nachtkundgebung bis zum nächsten Morgen, bis das Ultimatum zurückgezogen wird", heißt es in dem Aufruf.

Herrmann vertraut auf Absprachen

Herrmann wiederum wird das Zeltlager nicht per Zwang räumen lassen. "Wir werden den Platz nicht mit polizeilicher Gewalt räumen. Das ist ein einstimmiger BVV-Beschluss", sagte sie am Sonntag.

Wenn Henkel sein Ultimatum umsetzen wolle, müsse er einen Senatsbeschluss zur Bezirksaufsicht mit einer besonderen Begründung herbeiführen. Der Innensenator wolle sich dabei auf den Schutz der Grünfläche berufen. Herrmanns These: "Die SPD im Senat stimmt nicht der Räumung eines Flüchtlingscamps zu, um eine Grünfläche zu schützen."

Zugleich sagte Herrmann, dass sie auf Dauer nur ein Info-Protestzelt, aber keine Schlafzelte auf dem Oranienplatz dulden werde. "Ich habe immer gesagt, die Zelte werden abgebaut, und dabei bleibe ich." Einen Zeitpunkt dafür könne sie nicht nennen. "Ich erwarte, dass wir die Zelte zusammen abbauen, zusammen mit den Flüchtlingen und den Aktivisten", sagte Herrmann.

Ihre Zuversicht begründet sie mit entsprechenden Absprachen mit den Flüchtlingen. Es sei mit allen Beteiligten so verabredet gewesen, dass nach ihrem Umzug in ein festes Quartier die Schlafzelte abgebaut werden, betonte Herrmann. Darüber seien sie und ihre Mitarbeiter in ständigem Gespräch mit den Flüchtlingen. "Die Flüchtlinge wissen auch, dass sie vom Bezirk keinerlei weitere Unterstützung auf dem Oranienplatz bekommen, weder bei Strom, Essen oder Toiletten."

"Sie haben mit ihrem Protest viel erreicht"

Laut Angaben der Bezirksbürgermeisterin halten sich tagsüber nur noch ein Dutzend Menschen auf dem Oranienplatz auf, hauptsächlich linke Aktivisten aus der Unterstützerszene und einige Flüchtlinge. Es schlafe aber niemand mehr dort, höchstens jetzt, nachdem einige Medien berichtet hätten, das Camp sei nachts leer. Die Flüchtlinge, so Herrmann, hätten mit ihrem Protest viel erreicht: "Die ganze Stadt redet über die Flüchtlingsproblematik."

Auich im Koalitionsvertrag von Union und SPD seien echte Verbesserungen für Asylbewerber festgeschrieben worden, wie zum Beispiel eine Arbeitserlaubnis nach drei statt bisher neun Monaten oder die Ausweitung der Gebietszuweisung auf ein Bundesland statt auf einen einzelnen Landkreis oder eine Stadt, wie es bisher gehandhabt worden sei. Auch solle über Asylanträge bereits nach drei Monaten entschieden werden.

"Das werden die Flüchtlinge nicht riskieren wollen. Die positive politische Stimmung könnte sich zu ihren Ungunsten drehen, denn niemand versteht, warum sie den Platz nicht freigeben, nachdem sie ein festes Dach über dem Kopf haben."

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