Polizisten führen am 20.08.2013 einen linken Demonstranten bei einer Gegendemonstration gegen eine Versammlung von NPD-Sympathisanten in Berlin-Hellersdorf ab (c) dpa

Schwere Verletzungen - Polizist droht nach Attacke in Hellersdorf zu erblinden

Ein Berliner Polizist, der bei Zusammenstößen in Hellersdorf schwer verletzt wurde, bangt um sein Augenlicht. Ein 29-Jähriger hatte den Beamten mit einer Glasflasche angegriffen. Der Mann wurde festgenommen.

Ein Berliner Polizist, der bei einem Einsatz am neuen Flüchtlingsheim in Hellersdorf durch einen Schlag mit einer Glasflasche verletzt wurde, droht zu erblinden. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Der 29-Jährige wurde bereits kurz nach der Tat am Dienstagabend ermittelt, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Nach einer Blutprobe wurde er aber vorübergehend wieder freigelassen.

Bei dem Beamten handelt es nach Informationen der "Berliner Morgenpost" um einen Zivilpolizisten. Er soll einen mehrfachen Jochbeinbruch und Verletzungen der Augenhöhle erlitten haben, als der Demonstrant ihm nach Räumung einer Sitzblockade unvermittelt mit der Flasche ins Gesicht schlug. Möglicherweise sei ein Gesichtsnerv durchtrennt, hieß es. 

Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einer "verstörenden und menschenverachtenden Tat, die ich scharf verurteile".

Aktivisten demonstrieren gegen eine Kundgebung von "Pro Deutschland" im Stadtteil Friedrichshain in Berlin (Quelle: dpa)
Die Polizeigewerkschaft fordert einen Krisengipfel.

Tägliche Proteste und Gegendemonstrationen

Seit dem Einzug der ersten Bewohner in das Asylbewerberheim in Hellersdorf am vergangenen Montag kommt es zu Protesten rechter Gruppierungen und Gegendemonstrationen. Am Donnerstag gab es wieder mehrere Veranstaltungen von "Pro Deutschland", dabei waren rund 400 Beamte im Einsatz. Für Samstag ist eine weitere Kundgebung der NPD auf dem Alice-Salomon-Platz in Hellersdorf angemeldet.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte angesichts der Auseinandersetzungen um Flüchtlingswohnheime einen Krisengipfel von Bund, Ländern und Gemeinden. Dabei gehe es auch um einen Dialog mit den Anwohnern der Unterkünfte, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Passauer Neuen Presse". Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte sich gegen einen solchen Gipfel ausgesprochen.

1000 weitere Plätze benötigt

In den kommenden Wochen soll die Zahl der Flüchtlinge in Hellersdorf behutsam gesteigert werden, damit sich die Anwohner an die neuen Nachbarn gewöhnen und sie kennenlernen können.

In den kommenden Monaten soll Platz für 1000 weitere Flüchtlinge in der Hauptstadt gefunden werden, wie Sozialsenator Mario Czaja (CDU) mitteilte. Ein neues Heim soll im Dezember für rund 220 Menschen in Pankow öffnen.