Das Flüchtlingscamp am Oranienplatz verschwindet, die Bewohner verlassen das Lager und die benachbarte Gerhard-Hauptmann-Schule freiwillig. So zumindest lautete der Mitte März (18.03.2014) verkündete Beschluss, der einem langen Konflikt ein Ende setzen sollte.
Bereits seit Herbst 2012 protestieren Flüchtlinge in Berlin gegen die Asylpolitik. Zuerst am Brandenburger Tor, dann in Kreuzberg. Mit einem Umzug der Flüchtlinge vom Protest-Camp in Kreuzberg schien zumindest vorübergehend eine Lösung in Sicht.
Am Sonntag (24.11.2013) zog ein Teil der Flüchtlinge vom Protest-Camp am Oranienplatz in ein Haus im Berliner Stadtteil Wedding.
Der katholische Caritas-Verband stellte den Flüchtlingen ein ehemaliges Seniorenheim zur Verfügung. Ziel war es, den Protestierenden für den Winter ein festes Dach über den Kopf zu bieten...
... und anschließend die Zelte am Oranienplatz zu räumen. Doch noch am gleichen Tag wurden die verlassenen Zelte überraschend wieder besetzt - von anderen Flüchtlingen. Daraufhin setzte die Polizei die geplante Räumung aus.
Im Zentrum des Konflikts stand lange die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann: Nach ihrem Willen sollte der Protest am Oranienplatz zwar weitergehen dürfen, aber die Schlafzelte sollten geräumt werden.
Die Flüchtlinge fordern eine Reform der deutschen Asylpolitik. Seinen Anfang hatte der Protest bereits im Oktober 2012 genommen.
In einem Protestmarsch über 600 Kilometer liefen damals Dutzende Flüchtlinge aus Würzburg nach Berlin. Sie campierten auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor und traten in einen Hungerstreik. (Bild vom Oktober 2012)
Die Flüchtlinge schlugen schließlich - nach mehreren Polizeieinsätzen am Brandenburger Tor - ihre Zelte auf dem Kreuzberger Oranienplatz auf.
Im Oktober 2013 wiederholte sich der Streik am Brandenburger Tor: Mehr als 20 Asylbewerber aus Berlin und Bayern protestierten Tag und Nacht auf dem Pariser Platz und traten für zehn Tage in einen Hungerstreik.
Nachdem sie sich zudem weigerten, etwas zu trinken, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide. Schließlich erklärten sie sich bereit, ihren Protest bis Januar 2014 auszusetzen.
Sie räumten den Pariser Platz und erhielten zunächst Unterkunft in einer evangelischen Gemeinde, anschließend vermittelte ihnen der katholisch Caritas-Verband Wohnungen. Doch auch diese Lösung sollte nur vorübergehend sein: Ihr dortiges Wohnrecht sollte Ende Januar 2014 enden.
An ihren Forderungen halten die protestierenden Flüchtlinge fest - hier bei einer Pressekonferenz im Oktober 2013: Jeder Asylbewerber soll als politischer Flüchtling anerkannt, die Residenzpflicht abgeschafft und ein Arbeitsrecht eingeräumt werden.
Die Situation um den Kreuzberger Oranienplatz fuhr in der Folge zunehmend fest: Berlins Innensenator Henkel forderte schließlich eine Zwangsräumung.
Schließlich spricht Wowereit ein Machtwort: Am 7. Januar kündigt er eine "Verhandlungslösung" für das Lager auf dem Oranienplatz an. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) nimmt sich der Aufgabe an, eine Lösung für den Konflikt zu finden.
Und Dilek Kolat (SPD) gelingt dann tatsächlich der Durchbruch: Die Flüchtlinge erklären sich am 18. März dazu bereit, den Oranienplatz sowie die Gerhard-Hauptmann-Schule zu räumen. Weitere Bildergalerien
In der Umzugsdiskussion um die Flüchtlinge vom Kreuzberger Oranienplatz meldet sich jetzt auch die Bundespolitik zu Wort: Der SPD-Innenpolitiker Rüdiger Veit empfiehlt den Betroffenen, das Angebot des Senats anzunehmen und in ein Hostel in Friedrichshain zu ziehen. Der Wille dazu ist offenbar ...