Symbolbild: Leere Stühle an einem runden Tisch. (Quelle: dpa)

Flüchtlinge am Oranienplatz - Senat will nicht mit an den Tisch

Es wäre eine Chance, Fragen zur Flüchtlingsproblematik in Berlin zu klären: Die Caritas hatte Bezirk, Senat und Flüchtlingsorganisationen für Donnerstag zu einer Gesprächsrunde geladen. Doch diese Runde wird es nun wohl so nicht geben, denn die Senatsvertreter nehmen nicht teil. Die beteiligten Senatsverwaltungen begründeten ihre Absagen ganz unterschiedlich.

Eine Lösung für die protestierenden Flüchtlinge in Berlin - ausgehandelt mit den beteiligten Entscheidern in Senat und Bezirk - rückt offenbar in weite Ferne. Wie der Senat am Dienstag bestätigte, werden seine Vertreter an dem geplanten Runden Tisch nicht teilnehmen. Die Begründungen der Verwaltungen "Integration", "Inneres" und "Soziales" reichten dabei von "Terminschwierigkeiten" bis hin zu grundsätzlicher Ablehnung.

Friedrichshain-Kreuzberg nimmt teil

Zu dem Runden Tisch hatten der Berliner Caritasverband und das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz eingeladen und hatten sich damit als Vermittler für ganz unterschiedliche Positionen von Senat und Bezirk angeboten.

Teilnehmen sollten an dem Treffen Vertreter des Senats, der Bezirke, von Kirchengemeinden und Flüchtlingsorganisationen sowie der Flüchtlinge. Ziel war die Klärung humanitärer Fragen zur Situation der Flüchtlinge vom Oranienplatz. Auch sollte über die Flüchtlinge gesprochen werden, die vor rund zwei Monaten gegen die europäische und deutsche Flüchtlingspolitik mit einem mehrtägigen Hunger- und Durststreik vor dem Brandenburger Tor protestiert hatten.

Es steht die Frage im Raum, wie die Flüchtlinge vom Oranienplatz weiter betreut werden, wenn die Kältehilfe im März ausläuft. Bisher wurden die Flüchtlinge wie Obdachlose behandelt und ihre Unterkunft darum auch auf den Winter beschränkt.

In einem ersten Versuch, die Absagen zu erklären, sagte Berlins Caritas-Chefin Ulrike Kostka, sie habe vor dem Treffen erklärt, dass sie auch die Teilnahme von Senatsvertretern erwarte. Möglicherweise sei dies zu "forsch" gewesen. Anders als der Senat will der Bezirk in der Runde aber dabei sein. Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) sagte nach Angaben der Caritas bereits zu. Seine Teilnahme sagte auch der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), zu. Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus forderten den Senat auf, das Gesprächsangebot der Caritas ernst zu nehmen und sich daran aktiv zu beteiligen.

Bezirk und Senat im Streit

Die von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) gesetzte Frist zur Räumung des Oranienplatzes ließ Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Grüne) verstreichen. Am Dienstag forderte Hermann Henkel schriftlich auf, ihr Vorgehen zu begründen. Damit will er einen Prozess in Gang setzen, um das Verfahren an sich zu ziehen und das Camp ab dem 18. Januar selbst räumen zu können.

"Wir werden die Zelte nicht mit Polizeigewalt räumen," entgegnete Herrmann. Sie warf Henkel vor, diese gemeinsame Linie verlassen und durch sein Ultimatum die Situation verschärft zu haben. Flüchtlinge und Unterstützter wollten nun erst recht auf dem Platz bleiben. "Ich kann jetzt nur noch zusehen." Henkels Anfrage werde sie beantworten.

Seit Monaten demonstrieren in Berlin Flüchtlinge und ein großer Unterstützerkreis am Oranienplatz für eine Abschaffung der Residenzpflicht, ein Bleiberecht und das Recht auf Arbeit. Seit mehr als einem Jahr stehen auf dem Platz die Zelte der Flüchtlingsaktivisten. Inzwischen wohnen dort aber nur noch wenige Flüchtlinge und Mitglieder von Unterstützerorganisationen, die einen freiwilligen Abbau verweigern.

Die Positionen: Wer will was?

  • Der Bezirk

  • Der Senat

  • Die Flüchtlinge

  • Unterstützer

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Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hält an seinem Ultimatum fest: Bis zum 16. Dezember hat der Bezirk Zeit, das Flüchtlingscamp am Oranienplatz zu räumen. Dann will sich Henkel einen Polizeieinsatz genehmigen lassen. Wie SPD-Innenexperte Frank Zimmermann dem rbb am Montag sagte, würde die SPD die Räumung notfalls unterstützen. Die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann dagegen setzt weiter auf Dialog.

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