Besetzte Schule in Kreuzberg (dpa-08.12.2012)
Abendschau | 22.01.2014 | Agnes Taegener

Regeln für Flüchtlinge in besetzter Schule - Den Müll nicht mehr aus den Fenstern werfen

Die hygienischen Zustände in der von Flüchtlingen und Obdachlosen besetzten Schule in Berlin-Kreuzberg sind prekär. Müll und Hausrat werden zuweilen auf dem einfachsten Weg entsorgt - und einfach aus dem Fenster geworfen. Die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle im Haus haben den Bezirk vor Wochen um Hilfe gebeten. Jetzt haben sich Bezirk und Besetzer auf ein Konzept für Sicherheit und Sauberkeit geeinigt.

Nach der vielfachen Kritik an unhaltbaren hygienischen und sozialen Zuständen in der früheren Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg wollen Bezirk und Flüchtlinge jetzt für mehr Sicherheit und Sauberkeit sorgen. "Gestern Abend wurde auf einer Versammlung ein Kernteam aus sieben Bewohnern für die Sicherheit gebildet", sagte Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Das Team solle im Tandem mit einem privaten Sicherheitsdienst arbeiten, den der Bezirk bezahle, so Panhoff. Dazu gehöre auch, das Entsorgen von Müll aus den Fenstern zu unterbinden. Der Stadtrat bestätigte, dass die Mitarbeiter des Suchthilfe-Vereins Fixpunkt in dem Schulgebäude Schutzgerüste vor ihren Eingängen gebaut hätten, um durch herabgeworfene Gegenstände nicht verletzt zu werden.

Flüchtling in einem Klassenraum der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg (Quelle: dpa)
Vom Bezirk geduldet: Seit rund einem Jahr ist die Kreuzberger Schule besetzt

Hof wurde inzwischen aufgeräumt

Der Suchthilfeverein Fixpunkt als einziger regulärer Mieter im Haus hatte den Bezirk vor Wochen gebeten, die Zustände in der Schule abzustellen. Mitarbeiter seien von aus den Fenstern fliegenden Abfällen und Hausrat bedroht, sagte die Leietrin Astrid Leicht dem rbb. Man habe um konkrete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr gebeten. Der Verein hat nun die Miete einbehalten und einen Schutztunnel vor dem Eingang aufgebaut.

Panhoff räumte ein, dass der Bezirk das Müllproblem lange nicht in den Griff bekommen habe. Jetzt sei der Hof aber aufgeräumt, Container und Mülltonnen wurden seinen Angaben zufolge geleert. 

Mehr als 100 Flüchtlinge hatten vor einem Jahr die leerstehende Gerhart-Hauptmann-Schule besetzt, um dort zu schlafen. Der Suchthilfeverein Fixpunkt ist Mieter der unteren Räume. Inzwischen leben auch Obdachlose und Roma-Familien dort, Panhoff bezifferte die Gesamtazhl der Bewohner auf inzwischen etwa 200. Genauere Angaben gebe es nicht, die Bewohner verweigerten ihre Daten.

Schule soll Projektehaus werden

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will aus der ehemaligen Schule ein Projektehaus machen. Laut Panhoff sollen in leere Zimmer nach und nach interessierte Verbände einziehen. Das setze aber voraus, für die derzeit dort lebenden unterschiedlichen Flüchtlingsgruppen und Roma-Familien geeignete Wohnungen und Unterkünfte zu finden. Das könne der Bezirk nicht allein leisten.

Der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner sagte dem rbb, in der Schule herrschten katastrophale hygienische Zustände, außerdem seien Fluchtwege verstellt. Der Bezirk müsse hier für Sicherheit sorgen, das könne nicht Aufgabe der Bewohner sein.

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