Eindringlinge von Bewohnern vertrieben - Erneut Überfall auf Flüchtlingsheim in Hellersdorf
Schon wieder ist es am Flüchtlingsheim in Hellersdorf zu einem Zwischenfall gekommen. Zunächst warfen zwei Unbekannte Flaschen auf das Gebäude, danach versuchte eine Gruppe, sich Zugang zu verschaffen. Dabei wurden sie allerdings abgewehrt. Es ist nicht der erste Angriff auf das neue Heim.
Sechs unbekannte Täter haben versucht, in ein Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf einzudringen. Ein Bewohner und ein Wachschutzmitarbeiter verhinderten das allerdings, indem sie die Tür zuhielten und verriegelten.
Die Angreifer hatten zuvor zwei 19 und 20 Jahre alte Flüchtlinge aus Pakistan und Russland angepöbelt, die auf dem Weg in ihre Unterkunft waren. Sie forderten die beiden auf, stehenzubleiben, und bewarfen sie mit Bierflaschen. Die Attackierten flüchteten in das Heim in der Maxi-Wander-Straße. Die sechs Angreifer versuchten, sie zu verfolgen, schafften es aber nicht, in das Heim einzudringen.
Bewohner und Wachschutz riefen sofort die Polizei, doch die Täter flüchteten unerkannt. Der polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt jetzt in der Sache. "Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und gehen von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Ob es sich um rechtsextreme Täter handelt, wissen wir noch nicht" kommentierte Polizeisprecher Stefan Redlich.
Immer wieder Attacken von Rechtsextremen
Die Bewohner des Flüchtlingsheims wurden schon öfter vermutlich von Rechtsextremen angegriffen. Nach einer Attacke mit Feuerwerkskörpern an Silvester randalierten im Januar zwei junge Männer und eine Frau vor dem Gebäude in der Carola-Neher-Straße. Ebenfalls im Januar wurde ein Mitarbeiter des Heims rassistisch beschimpft. Polizisten fanden etwa neun Verdächtige wenig später in der Nähe des Heims. Mindestens zwei von ihnen gehörten der rechten Szene an, so die Polizei. Auch im Internet hetzten Rechtsextreme auf facebook-Seiten gegen das Heim.
Tom Reinfrank von der Antonio Amadeu Stiftung hat die Sorge, dass es nach der jüngsten Attacke künftig noch schlimmer kommen könnte: "Es ist das Resultat einer besorgniserregenden Hetze und der Höhepunkt einer Entwicklung. Das Heim kann natürlich schnell anfangen zu brennen, und dann muss man mit Toten rechnen." Die Behörden müssten deshalb unbedingt reagieren, fordert Reinfrank.
Auch viele Flüchtlinge in dem Heim sind zunehmend besorgt, berichtet ein Bewohner. "Ich glaube, viele Leute, vor allem Familien haben hier Angst," sagt er, und setzt hinzu: "Ich persönlich habe keine Angst, denn ich bin aus Syrien und habe dort tausend Leute gesehen, die waren tot. Und jetzt soll ich Angst vor diesen Leuten haben?"

Polizei will Sicherheitsmaßnahmen einleiten
Das zuständige Landesamt teilte der rbb-Abendschau mit, dass jetzt erforderliche Sicherheitsmaßnahmen zwischen Betreiber und Polizei abgestimmt würden. Wie die aussehen, wird weder vom Amt noch von der Polizei erklärt. Heute stand erst einmal eine Polizeistreife als Absicherung vor dem Flüchtlingsheim.
Seit dem Sommer protestieren Neonazis und einige Anwohner gegen die Unterbringung der Asylbewerber in Hellersdorf. Gleichzeitig gehen auch viele Unterstützer des Wohnheims für die Flüchtlinge auf die Straße.





