
Wachschutz bald 24 Stunden im Einsatz - Wieder Auseinandersetzung vor besetzter Schule in Kreuzberg
Seit Monaten ist die von Flüchtlingen besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in den Schlagzeilen. Jetzt ist es vor dem Gelände wieder zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen. Der Bezirk hat bereits einen Wachschutz engagiert - doch der war bislang nicht rund um die Uhr vor Ort.
Vor der von Flüchtlingen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg ist es erneut zu einer Auseinandersetzung gekommen. Am Montag kurz vor Mitternacht wurde ein 43 Jahre alter Mann verletzt, der auf dem Gelände seine Notdurft verrichten wollte, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.
Drei Bewohner stellten den Mann zur Rede und schlugen ihn mit einem Stock. Der Mann flüchtete, wurde aber von einem 51-Jährigen verfolgt und mit einem Stein auf den Kopf geschlagen. Dabei erlitt er eine Kopfplatzwunde und musste von einem Sanitäter behandelt werden.
Die Polizei konnte nur die Personalien des 51-Jährigen aufnehmen. Er soll im Gegensatz zu dem 43-Jährigen in der von Flüchtlingen besetzten ehemaligen Schule wohnen.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte erst kürzlich eigens für die Schule einen Wachschutz engagiert. Seit dem 24. Februar sind nach Auskunft von Bezirkssprecher Sascha Langenbach täglich von 10 bis 22 Uhr zwei zertifizierte Wachmänner in der Schule. Die Mitarbeiter seien "mindestens englischsprachig", um sich mit den Bewohnern verständigen zu können - und es seien auch gezielt Männer mit Migrationshintergrund engagiert worden. Ab dem kommenden Freitag (7. März) soll der Wachschutz rund um die Uhr vor Ort sein. "Der aktuelle Vorfall ist für uns ein Grund mehr, den Wachschutz auf 24 Stunden auszudehnen", sagte Langenbach rbb online. Die Kosten, für die der Bezirk allein aufkomme, beziffert er auf 25.000 bis 30.000 Euro im Monat - je nachdem, wie viele Kalendertage der Monat hat.
"Wir wollen in der Schule eine stressfreie Zone haben", sagte Langenbach weiter. Zu der aktuellen Auseinandersetzung kam es außerhalb der derzeitigen Dienstzeiten des Wachschutzes. Langenbach sieht aber bei Vorfällen wie diesem grundsätzlich "keine Handhabe" für den Wachschutz, wenn sie sich außerhalb des Schulgeländes abspielen. "Wir können nicht die ganze Gegend bewachen", sagte er. "Wir sprechen über ein Gelände von 1.200 Quadratmetern, dazu kommen noch Hof und Hinterhof. Da fängt es für zwei Menschen schon an, unübersichtlich zu werden."
In der seit mehr als einem Jahr besetzten Schule kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinanandersetzungen. Zuletzt wurde Mitte Februar ein Flüchtling niedergestochen. Auch die prekären hygienischen Zuständen in dem Gebäude sind immer wieder kritisiert worden.
Als Reaktion auf mehr als 40 Polizeieinsätze wegen verschiedener Delikte und Kritik an unhaltbaren sozialen hygienischen Zuständen hatten Bezirk und Flüchtlinge Ende Januar vereinbart, gemeinsam für mehr Sicherheit und Sauberkeit zu sorgen.
Mehr als 200 Menschen leben in der Schule
Mehr als 100 Flüchtlinge hatten Ende 2012 die leerstehende Gerhart-Hauptmann-Schule besetzt, um dort zu schlafen. Inzwischen leben auch Obdachlose und Roma-Familien dort. Der Bezirk und der Wachschutz arbeiten derzeit daran, Hausausweise an die Bewohner zu verteilen. 80 Bewohner haben sich Langenbach zufolge bereits registriert. "220 bis 230 dürften es insgesamt werden." Doch viele Bewohner verweigerten bisher ihre Daten, wie Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) Mitte Februar dem rbb sagte. "Es ist uns gelungen, eine Reihe von Freiwilligen unter den Bewohnern zu generieren, die dort zusammen mit den Sicherheitsleuten Verantwortung übernehmen", sagte Langenbach. Es handele sich dabei vornehmlich um ältere Männer, die einen Einfluss auf die Jüngeren ausübten, welche dort in der Mehrzahl seien. "Auf die Älteren hören die Mitbewohner."
40 bis 50 Menschen leben laut Langenbach allein in der Aula - das seien "circa drei Quadratmeter pro Nase". Neben der Enge sieht Langenbach einen Grund für die immer wieder aufbrechenden Konflikte darin, dass dort Menschen aus vielen verschiedenen Ländern zusammen leben. Auch sprachliche Probleme kämen hinzu - und die Tatsache, dass sie als Flüchtlinge nicht die Möglichkeit haben, ihre Berufe auszuüben.
Der Wachschutz jedenfalls wird Langenbachs Einschätzung nach noch einige Zeit in der Schule gebraucht werden. "Wir werden ihn sicherlich noch über Monate hinweg einsetzen müssen."



