Ein Besucher des Tempelhofer Feldes sieht sich in Berlin in einem Info-Container mögliche Wohnungsbauprojekte auf dem Gelände an. (Quelle: dpa)

Debatte im Abgeordnetenhaus - Grüne bringen Alternativentwurf zu Tempelhof ins Gespräch

Das erfolgreiche Volksbegehren gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes hat die Berliner Landespolitik aufgerüttelt. Schließlich haben sich alle Parteien im Vorfeld für eine Bebauung ausgesprochen. Die Grünen schlagen deshalb vor, fraktionsübergreifend einen Alternativ-Vorschlag zu erarbeiten. Doch ob das klappt, ist ungewiss. Von Katja Weber.

Es ist ein geschickter Schachzug der Grünen. Sie wollen sich als Mittler zwischen der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld" und dem Senat profilieren. Ihr Vorschlag: Alle Parteien – die Regierungsparteien SPD und CDU eingeschlossen – sollen sich zusammensetzen und eine überparteiliche Alternative zur Zukunft des Tempelhofer Feldes erarbeiten.

Diese Alternative könnte beim Volksentscheid mit zur Abstimmung gestellt werden – statt eines Gegenentwurfs, den nur SPD und CDU erarbeiten.

SPD-Sprecher für Stadtentwicklung ist skeptisch

Diesen Vorschlag haben die Grünen am Mittwoch im Stadtentwicklungs-Ausschuss des Abgeordnetenhauses eingebracht. Daniel Buchholz, Stadtentwicklungs-Sprecher der SPD gibt sich grundsätzlich gesprächsbereit – schränkt aber sogleich ein: "Man muss natürlich auch die Frage stellen, ob da mehr rauskommt als der eine Minimalsatz: Wir sind alle für eine große Grünfläche und können uns eine behutsame Randbebauung vorstellen."

Viel mehr scheint aber nicht realistisch zu sein.

Kompromisse eher unwahrscheinlich

Denn Katrin Lompscher von der Linkspartei sagt, ihre Fraktion wäre für einen Minimalkonsens nicht zu haben. Antje Kapek von den Grünen macht auch nicht den Eindruck, als wolle sie Forderungen der SPD 1:1 in einen alternativen Text übernehmen.

Denn die SPD sähe, so Kapek, eine leblose Investorenretortenstadt am Rande des Tempelhofer Feldes vor, "ohne Schule, Spielplatz oder Seniorenfreizeiteinrichtung." Außerdem müsse das Neubaukonzept für die Landesbibliothek neu überdacht werden.

Daniel Buchholz wiederum wäre bereit, das umstrittene Regenwasserbecken zur Disposition zu stellen - den Bibliotheksneubau allerdings hält er für einen Stolperstein, an dem das Projekt eines gemeinsamen Textes scheitern könnte. "Wenn es nachher nicht geht,  dann muss es heißen: wenn es ein alternativer Gesetzentwurf ist, dann wahrscheinlich – oder: vielleicht – einer, der nur von den Koalitionsfraktionen getragen wird."

"Im Zweifel muss der Senator den Koffer packen"

Interessant wird also in den kommenden Wochen sein, wie sich die rot-schwarze Regierungskoalition in den Detailfragen – und auch zueinander – verhält. Antje Kapek von den Grünen betont: "Wichtig ist, dass wir allesamt dem Senator noch mal deutlich machen, welch hohes Risiko er für Berlin eingeht, wenn er einfach nur knallhart auf den Volksentscheid ankommen lässt, denn im Zweifelsfall bedeutet das, dass er den Koffer einpacken kann."

Der SPD-Stadtentwicklungssenator Michael Müller jedenfalls hat der Debatte im Ausschuss aufmerksam zugehört.

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