
Neues Aktionsbündnis für Randbebauung am Tempelhofer Feld - "Wir brauchen ein positives Neubauklima"
Keine sieben Wochen mehr sind es bis zum 25. Mai, dem Tag der Europawahl und des Volksentscheids über das Tempelhofer Feld. Seit dem Wochenende hängen die ersten Plakate und auch die Unterstützer bringen sich in Stellung. Am Dienstag hat sich ein neues Aktionsbündnis vorgestellt. Rund 20 Organisationen setzen sich unter dem Motto "Tempelhofer Feld für alle" dafür ein, dass an den Rändern des ehemaligen Fluggeländes gebaut wird. Von Susanne Gugel
Der Gegenwind, der den Initiatoren des Volksentscheids ins Gesicht bläst, frischt merklich auf. Von der Wohnungswirtschaft über den Landessportbund bis zu den Sozialverbänden und von der Industrie- und Handelskammer (IHK) bis zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) reicht das Bündnis, das sich denen in den Weg stellt, die gegen Bagger und Bauzäune am Feld sind.
Ihr Hauptargument trägt der stellvertretender IHK- Hauptgeschäftführer Christian Wiesenhütter vor. Es lautet: Eine wachsende Stadt brauche neue Wohnungen und Arbeitsplätze. "Es muss möglich sein, diesem Wachstum in der Stadtentwicklung Rechnung zu tragen. Das ist die Schlüsselaufgabe der nächsten Jahre", sagt er.
"Das ist ein ganz wichtiges Signal, was hier gesetzt wird"
Deshalb wirbt das Bündnis im Internet und bei seinen Mitgliedern für den Gesetzentwurf des Abgeordnetenhauses, der am 25. Mai neben dem der Initiatoren des Volksentscheids zur Abstimmung steht. Er sieht vor, die zentrale Fläche auf dem Feld zu schützen, an den Rändern aber Bebauung zuzulassen, vor allem für Wohnungen und Gewerbeflächen.
Gerade innerhalb des S-Bahn-Rings müsste mehr gebaut werden, argumentiert Maren Kern vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. "Wir brauchen ein positives Neubauklima auch und gerade an den Rändern des Tempelhofer Feldes. Das ist ein ganz wichtiges Signal, was hier gesetzt wird."

Berlin ist so eine kreative Stadt"
Der Gesetzentwurf der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld hingegen will eine Bebauung auf dem Feld verhindern. Klaus Böger, der Präsident des Landessportbunds, sieht damit nicht nur Baupläne für Wohnungen und Büros gefährdet. "Nahezu verhindert wird in diesem Entwurf die Möglichkeit, am äußeren Wiesenring Sportanlagen zu errichten. Dieser Entwurf ist auch für den Sport eine Blockade."
Julius Dahms von der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld" sieht das anders. Es gehe nicht um Blockade und Stillstand. Sondern darum, Neues überhaupt zu ermöglichen. "Berlin ist so eine kreative Stadt", sagt er. "Die Freifläche für die Kreativität dort zu erhalten und damit zukünftige Entwicklung zu sichern, das ist unser Ziel."
Zwei Lager, zwei Gesetzentwürfe – und noch knapp sieben Wochen Wahlkampf bis zum 25. Mai.



