Drachen am Himmel über dem Tempelhofer Feld
Inforadio | 15.11.3013 | Beitrag von Nina Amin

Diskussion ums Tempelhofer Feld - Gut 63.000 Unterschriften für das Volksbegehren Tempelhof

Das Tempelhofer Feld ist für viele Berlinerinnen und Berliner zum Lieblingsort geworden. Die Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld" will das Feld genau so erhalten wie es ist und sammelt Unterschriften für ein Volksbegehren. Es richtet sich gegen die Pläne des Senats, am Rand des Feldes Wohnungen zu bauen. Ein gutes Drittel der nötigen Unterschriften sind inzwischen gesammelt. Von Nina Amin

Inline-Skaten, auf der Wiese liegen und einfach die Weite genießen - das Tempelhofer Feld ist für viele Berliner zum Lieblingsort geworden. Die Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld" will das auf dem ehemaligen Flugfeld alles genau so bleibt, wie es ist. Dafür sammelt sie Unterschriften für ein Volksbegehren über den Erhalt des Feldes. Das richtet sich gegen die Pläne des Berliner Senats. Denn in den nächsten Jahren sollen am Rand Wohnungen gebaut werden. Die Zentral- und  Landesbibliothek soll einen Neubau bekommen und die Parklandschaft soll entwickelt werden. Für die Bürgerinitiative ist jetzt Halbzeit. Rund 63.000 gesammelte Unterschriften wurden bei der Landeswahlleiterin bis Donnerstag eingereicht. Bis zum 13. Januar sind rund 174.000 gültige Stimmen notwendig, damit das Volksbegehren erfolgreich ist.

Quelle: Tempelhof Projekt GmbH
Pläne des Berliner Senats für Tempelhof

"Ökologisch ist daran nichts"

Es ist still. Der Wind fegt über das weite Feld, Jogger drehen ihre Runden. Aber wird sich das bald ändern? Spaziergänger bleiben an einem Bauzaun mit Plakaten stehen. Auf Deutsch und Englisch wird erklärt, was das Land Berlin hier bauen will: Ein großes Wasserbecken, in dem das Regenwasser aufgefangen werden soll, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll. Genau das bezweifelt Tilman Heuser vom BUND Berlin. Der Landesgeschäftsführer der Naturschutzorganisation glaubt, das rund 30.000 Quadratmeter große Wasserbecken zerstöre zentrale Teile der 250 Hektar großen Wiesenlandschaft - inklusive Brutgebiete geschützter Vogelarten: "Ökologisch ist daran nichts." Fatal findet Tilman Heuser, das es massive Eingriffe in die Natur geben soll und diese als Naturschutzmaßnahmen bezeichnet werden,  als Ausgleich für die geplanten Häuser am Rande des Feldes.

Bürger wollen Wasser auf dem Tempelhofer Feld

Der BUND hat Klage eingereicht, weil er meint, dass die Baugenehmigung für das Becken gegen bestehendes Umweltrecht verstößt. Hinter dem Bauzaun wird deshalb erst einmal nicht gebaut, bis die Sache juristisch geklärt ist, sagt Martin Pallgen. Er ist der Sprecher der Tempelhof Projekt GmbH, die im Auftrag des Senats das Tempelhofer Feld entwickelt. Pallgen hält die Forderungen der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld und die Kritik des BUND, der das Volksbegehren unterstützt, für überzogen. Der Großteil des Feldes bliebe frei und Wasser auf dem weiten Feld sei bei Bürgerbefragungen immer einer von drei großen Wünschen gewesen. "Jetzt wird das von anderen Teilen der Bürgerschaft konterkariert, was ich immer ein bisschen irritierend finde," sagt Pallgen.

"Wer anfängt, hört so schnell nicht wieder auf"

Wie geteilt die Meinungen über die Entwicklung des ehemaligen Flugfeldes und die Randbebauung sind, zeigt sich unter den Spaziergängern auf dem Tempelhofer Feld an diesem kühlen Novembertag. Die Neuköllnerin Iris Grünert hat schon fleißig Unterschriften für das Volksbegehren gesammelt. Sie will das "ihr" Feld gar nicht angerührt wird, damit es nicht eingegrenzt wird. "Ich denke, wenn damit mal anfangen wird, hört man so schnell nicht wieder auf," sagt die Aktivistin. Anders sieht es Anita Tielecke aus Marienfelde: "Ich finde außer im Sommer ist das Feld doch völlig ungenutzt." Außerdem sei das Feld so riesig, da würden ein paar Neubauten am Rand gar nicht auffallen. 

Das Tempelhofer Feld (Quelle: imago/eventfotografen.de)

Bis zum 13. Januar läuft der Volksentscheid

Bis zum 13. Januar kann für den Erhalt des Tempelhofer Feldes in seiner jetzigen Form noch unterschrieben werden. Ist das Volksbegehren erfolgreich, muss innerhalb von vier Monaten ein Volksentscheid durchgeführt werden. So oder so können die Besucher die Weite des Feldes noch eine Weile uneingeschränkt genießen. Die Bebauung der Randgebiete soll erst 2016 starten.

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